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Ganz cool: Fredi Bobic macht sich nicht verrückt.

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Eintracht im Trainingslager: Lob für Joveljic, Funkstille im Poker um Hinteregger

Die Eintracht bereitet sich auf den frühen Start vor und pokert um die Leihspieler. Es geht um fehlende Freigaben und verhärtete Fronten.

Der Jüngste der Neuen stand bisher ein klein wenig im Schatten der übrigen Zugänge. Dominik Kohr absorbierte einige Aufmerksamkeit, weil er bundesligaerprobt, aus Leverkusen zur Eintracht gekommen und rund zehn Millionen Euro schwer ist. Und da ist Erik Durm, einst Nationalspieler und einsatzloses Mitglied der Weltmeistermannschaft von 2014. Oder auch Djibril Sow, der Schweizer Senkrechtstarter, dem viele eine große Karriere prophezeien. 

Dejan Joveljic, 19, flog bisher etwas unter dem Radar hindurch, aber der junge Mann aus Belgrad hat schon angedeutet, dass er Potenzial hat. Der Serbe weiß, wo das Tor steht, er lauert geschickt, bewegt sich schnell und geschmeidig, und vielleicht war es ja auch kein Zufall, dass der Nachfolger von Luka Jovic die vielleicht schönste Kombination dieses Trainingslagers in Thun mit einem Tor abschloss: Traumpass Daichi Kamada auf Filip Kostic, scharfe Hereingabe, Abschluss Joveljic – und drin.

Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic lobt Joveljic

Der Angreifer wird mit Erwartungen nicht überfrachtet, ihm wird Zeit zur Entwicklung zugestanden, was sehr vernünftig ist. Schon nach wenigen Tagen ist klar, dass Joveljic keine Flausen im Kopf hat. „Er macht einen sehr gefestigten und reifen Eindruck, ist ein sehr angenehmer Typ. Er ist total hungrig, das sieht man in seinen Augen“, sagte Sportvorstand Fredi Bobic dem klubeigenen TV. „Er freut sich auf das Abenteuer Bundesliga. Aber er braucht noch Zeit, die wird er bekommen. Ich bin sicher, dass er schnell lernen wird.“

Die gesamte Mannschaft wird flugs zusammenwachsen müssen, die Zeit bis zum ersten Pflichtspiel ist knapp bemessen, in zwei Wochen geht es in der Qualifikation zur Europa League entweder nach Estland oder Serbien. „Wir haben keine Zeit für Experimente, die Spieler müssen 100 Prozent fokussiert sein. Der Konkurrenzkampf ist hoch“, betont Bobic. „Es wird spannend zu sehen sein, wer sich anbieten kann.“

Frankfurts Leihspieler: Sebastian Rode, Kevin Trapp, Martin Hinteregger

Zupass kommt den Verantwortlichen, dass in Luka Jovic bisher erst ein Abgang feststeht, das Gerüst des Teams also weiterhin steht. Vor allem dann, wenn die drei vormals ausgeliehenen Akteure, Torwart Kevin Trapp, Verteidiger Martin Hinteregger und Mittelfeldantreiber Sebastian Rode, fest verpflichtet werden könnten. Bei Trapp und Rode stehen die Chancen gut, auch wenn Bobic bei Keeper Trapp einwirft, dass Paris St. Germain den Spieler „aktuell noch nicht freigibt“. Er habe mit dem neuen Sportdirektor Leonardo aber ein „sehr gutes Gespräch“ geführt, zurzeit suche PSG noch einen „Top-Torwart“; wenn der gefunden und verpflichtet ist, „kann es auch schnell gehen“.

Mit Trapp ist die Eintracht längst klar, er hält zu den Kollegen per Whatsapp Kontakt. Die Eintracht wird für den seit zwei Tagen 29 Jahre alten Schlussmann acht Millionen Euro zahlen. Die Frage wird dann sein, was aus Frederik Rönnow, der Nummer zwei, wird. Der Däne ist sehr beliebt, will aber zur Stammkraft aufsteigen. Da stehen die Zeichen auf Wechsel.

Problemfall Martin Hinteregger

Am kompliziertesten ist die Angelegenheit weiterhin bei Martin Hinteregger, der in Augsburg wieder ins Training eingestiegen ist, zurzeit wegen eines Rippenbruchs aber kürzertreten muss. Bobic gibt an, „mit Hinti einige Male“ gesprochen zu haben. „Er ist total auf Spur.“ Was man von Stefan Reuter, aus Eintracht-Sicht, gewiss nicht sagen kann; der FCA-Manager hat das erste Frankfurter Angebot über knapp zehn Millionen Euro abgelehnt, beharrt weiter auf etwa 15 Millionen. „Da herrscht jetzt Funkstille“, betont Bobic. „Aber es ist ja kein Wunschkonzert.“ In der Innenverteidigung habe er ohnehin „weniger Bauchschmerzen“, da sei man auch mit Evan Ndicka, „einem Topspieler“, gut aufgestellt.

Jetro Willems, Marc Stendera, Nicolai Müller und Marijan Cavar wollen die Frankfurter noch abgeben, und selbst wenn es zu einem weiteren hochkarätigen Abgang komme, also Ante Rebic gehen sollte, wäre man vorbereitet. „Es ist noch ein langer Ritt in diesem Sommer“, sagt Bobic. Sollte noch einer Reißaus nehmen, „werden wir nicht überrascht sein und sagen: ,Oh Mist, damit haben wir gar nicht gerechnet.‘ Wir sind gewappnet.“

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