Eintracht Frankfurt

Hoffen, rechnen, Daumen drücken: Was kann die Eintracht noch reißen?

  • VonChristian Heimrich
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Eintracht Frankfurt hat 32 Punkte und noch 16 Spiele. Und – wie der Sieg auf Schalke gezeigt hat – einen ungebrochenen Erfolgshunger.

Es ist ein geheimnisvoller Sehnsuchtsort. Aber so richtig zu seiner Sehnsucht nach Europa bekennen will sich immer noch niemand bei der Frankfurter Eintracht. Der eine oder andere Club-Obere hat am Wohnzimmertisch schon gerechnet, wie viele Siege in der Fußball-Bundesliga noch gebraucht werden, um die Qualifikation für die Europa League zu schaffen. Aber privat ist privat. Für die Themensetzung in der Öffentlichkeit gilt auch nach dem 1:0 (1:0) bei Schalke 04: zuerst die 40 Punkte. „Auch wenn ihr das nicht hören könnt“, sagt Sportvorstand Fredi Bobic in Richtung Journaille. Trainer Niko Kovac lebt die Defensive ebenfalls weiter eisern vor: „Ich bleibe auch am 18. Spieltag dabei: Wir wollen eine ruhige Saison spielen.“ Nach dem zwischenzeitlichen Sprung auf Platz drei hat er immerhin aber auch gesagt: „Wenn man auf die Tabelle schaut, sieht das schon ganz gut aus.“

Das gilt auch für die Statistik. 16 Spiele hat die Eintracht in dieser Saison noch zu absolvieren, neun davon in der heimischen Arena. 32 Punkte sind momentan auf dem Konto. In den vergangenen beiden Jahren reichten 50 und 48 Punkte, um sich für die Europa League zu qualifizieren. 2013 wurde die Eintracht mit 51 Zählern Sechster.

„Wieder in der Spur“

Inzwischen stellt sich längst die Frage, was eigentlich passieren muss, damit der Beinahe-Absteiger der vergangenen Saison irgendwann einmal einbricht. Das bittere 0:3 bei RB Leipzig steckte die Eintracht am Freitagabend in Gelsenkirchen jedenfalls weg, als wäre nie etwas geschehen. „Das Leipzig-Spiel ist nicht zu werten. Wir sind wieder in der Spur“, erklärte Bobic hinterher kurz und bündig. „Wir wollen, nachdem wir hingefallen sind, sofort wieder aufstehen. Das verinnerlicht die Mannschaft sehr gut“, hob Kovac Moral und Charakter seiner Elf hervor.

Bobic sprach in seiner ersten Freude gar von einem „überragenden“ Auftritt des Teams. Gegen die erschreckend schwachen Schalker (lesen Sie dazu auch unseren gesonderten Bereich) reichte allerdings schon eine gute, taktisch disziplinierte Leistung. Bobic hatte als Pluspunkte identifiziert: „Wir standen nicht nur hinten gut, sondern haben auch vorne attackiert. Der Gegner konnte keinen Spielfluss herstellen, Schalke hatte kein Konzept.“

Hinzu kommt: Auch die immer größer werdenden Personalsorgen werfen diese Mannschaft nicht um. Sie schafft es immer noch, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, dem Kontrahenten ihr Spiel aufzuzwingen. Gegen Schalke fehlten elf gesperrte oder verletzte Spieler. „Wir konnten die Verletzungen gut kompensieren. Wer bei uns reinkommt, versucht alles zu geben“, freut sich der Sportvorstand.

Das ist auch gut so, denn wann die beiden prominentesten Patienten auf den Platz zurückkehren, ist völlig ungewiss. „Er ist auf dem Weg der langsamen Heilung, aber er läuft immer noch mit Schmerzen rum“, sagt Trainer Niko Kovac über den an Rückenbeschwerden leidenden Marco Fabián: „Es wird länger dauern, als ich erhofft habe.“ Etwas besser sieht es dagegen bei Szabolcs Huszti aus. Der Mittelfeld-Kollege von Fabián soll nach seinen Achillessehnen-Problemen in der kommenden Woche wieder ins Mannschaftstraining einsteigen. „Aber ich bin sehr vorsichtig und möchte keine Prognose abgeben“, meinte Kovac.

Fatal wäre angesichts ihrer aktuellen Form ein Ausfall von Omar Mascarell oder Makoto Hasebe. Auf Schalke blieb Mascarell die verhängnisvolle zehnte Verwarnung und damit eine Sperre im kommenden Derby gegen Darmstadt 98 erspart. Stattdessen spulte der Spanier im defensiven Mittelfeld wieder einmal die meisten Kilometer für sein Team ab. „Er weiß genau, was in seinem Rücken passiert – wann er den Ball annehmen kann, wann er ihn weiterspielen muss. Er hat sofort zwei, drei Lösungen“, lobte Kovac. Und Hasebe brillierte nicht nur erneut als „Libero“. Der Japaner war auch Passgeber beim in Abu Dhabi einstudierten Freistoßtrick vor dem Siegtreffer.

Eine besondere Genugtuung spürte Alexander Meier, der wie schon beim 1:0 über Schalke in der Hinrunde traf. Der Frust über Kovacs Maßnahme, in Leipzig auf ihn zu verzichten, sorgte beim Kapitän für einen besonderen Motivationsschub. „Es war kein schönes Spiel. Der Ball war fast nur in der Luft“, bekannte der Matchwinner. Und er verwies er auf die besondere Qualität der neuen Eintracht: „Das zeigt, dass wir, auch wenn wir schlecht spielen, noch dagegen halten und über den Kampf einen Punkt oder drei mitnehmen können.“

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