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„Die Hoffnung stirbt zuletzt“

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Von: Roland Stipp

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© Fredrik von Erichsen (dpa)

Torhüter Lukas Hradecky gehört zu den wenigen Spielern, mit deren Leistungen die Eintracht-Fans einverstanden sind. Und er hat den Klassenerhalt noch längst nicht abgehakt.

Hallo Lukas, wie war das Training? Wie ist die Stimmung im Team?

Das Training ist immer gut und wir arbeiten sehr intensiv. Natürlich ist die Stimmung im Augenblick nicht so gut, wie sie am Anfang der Saison war. Aber wir schauen weiter nach vorne und werden weiter kämpfen.

Als wir Ende September das letzte Interview gemacht haben, stand die Eintracht ganz solide da. Nach dem 6:2 gegen Köln wurde sogar schon wieder vom Europapokal geträumt. Wieso ging es so nicht weiter? Welche Fehler wurden gemacht?

Uns war schon klar, dass wir Spiele wie gegen Köln nicht am laufenden Band produzieren können. Schauen Sie sich nur mal die Aufstellung von damals und heute an. Da haben Alex, Haris und Luc die Tore gemacht. Danach haben sie wegen Verletzungen nicht mehr zusammen gespielt. Und auch auf anderen wichtigen Positionen mussten verletzte Spieler ersetzt werden. Das soll aber keine Entschuldigung dafür sein, dass wir jetzt um den Klassenerhalt spielen. Uns fehlen seit längerer Zeit einfach das Erfolgserlebnis und ein Sieg.

Wie hat sich Ihre Sicht der Bundesliga seither verändert? Ist die Liga noch stärker als Sie gedacht haben?

Ich wusste schon immer, dass die Bundesliga eine der stärksten Ligen in Europa ist. Da darf man sich keine Schwäche leisten, weil du schnell nach unten rutschen kannst.

Seit wann ist Ihnen denn klar, dass Sie sich mit Ihrer Mannschaft im Abstiegskampf befinden? Nach dem 0:1 gegen Darmstadt war das offenbar noch nicht jedem klar.

Da konnte man, meiner Meinung nach, auch noch nicht von Abstiegskampf sprechen. Natürlich tat die Niederlage uns und den Fans weh, aber dann kam ja auch noch der 2:1-Sieg gegen Bremen, der uns wieder positiv gestimmt hat. Uns war in der Rückrunde aber schnell klar, dass es eng werden könnte.

Haben Sie den Eindruck, dass die Gegner eine stabilere Mentalität mitbringen als Ihr Team? Oder eine klarere Vorstellung haben, was sie auf dem Platz erreichen wollen – und vor allem wie?

Bei vielen Gegnern läuft es einfach besser, weil sie mehr Siege erreicht haben. Das spiegelt sich dann natürlich auch in der Mentalität auf dem Platz wider. Das Selbstbewusstsein wird größer, wenn du erfolgreich bist.

Liegt es vielleicht an der fehlenden individuellen Klasse der Spieler?

Eigentlich nicht, bei uns fehlt im Moment die mentale Stärke. Wir sind natürlich alle nicht zufrieden, wie die Saison bisher verlaufen ist.

Hätte es geholfen mehr, intensiver, öfter zu trainieren? Oder ist da aus Ihrer Sicht genug investiert worden?

Im Vergleich zu Dänemark wird in der Bundesliga insgesamt schon mehr und intensiver trainiert als in Dänemark. Es geht aber mehr um die Qualität im Training und weniger darum wie oft man trainiert.

Hat sich denn aus Ihrer Sicht seit dem Trainerwechsel etwas geändert? Und wenn ja, was?

Momentan kann man es vielleicht nicht in den Ergebnissen sehen, aber wir Spieler fühlen schon, dass der Trainer uns kompakter spielen lassen will und dass wir für den Gegner schwerer auszurechnen sind.

Unter Niko Kovac hat die Mannschaft in fünf Spielen nur ein Tor erzielt. Alex Meier wird schmerzlich vermisst. Wer soll es denn jetzt machen gegen Mainz, Darmstadt, Dortmund und Bremen?

Klar, Alex fehlt uns schon als Torjäger, aber mir persönlich wäre es eigentlich egal, wer die Tore schießt, Hauptsache sie fallen für uns. Jedes Tor stärkt das Selbstbewusstsein.

Können Sie im Training nicht einfach mal ein paar Bälle mehr rein lassen, um Ihren Kollegen Selbstvertrauen zu geben?

(lacht) Wenn ich das mache, dann stehe ich nicht mehr lange im Tor. Aber im Ernst, das wäre nicht professionell.

Apropos Ernst: Was kann man jetzt noch tun? Muss man jetzt eine Art „Lust am Überlebenskampf“ vermitteln? Eine „Bundesliga-Survival-Challenge“ daraus machen? Aufgeben ist ja wohl keine Option?

Natürlich nicht, wie heißt es doch: die Hoffnung stirbt zuletzt. Die Geschichte hat schon gezeigt, dass es, wie 1999, in einer ähnlichen Situation gut ausgehen kann.

Falls es schief geht: Würde der finnische Nationaltorhüter in der Zweiten Liga spielen?

Wenn es passieren sollte, dann wäre es unsere Verantwortung, den Verein wieder in die Erste Liga zu bringen. Dennoch hoffe ich natürlich, dass es nicht so weit kommen wird und wir in der Ersten Liga bleiben. Im Fußball kann alles passieren.

Stand heute wäre das Erreichen der Relegation schon ein Erfolg. Das könnte ja durchaus eine reizvolle Zusatzaufgabe sein – was meinen Sie?

Viele haben uns ja bereits abgeschrieben. Wenn wir es aber schaffen und nach dem Spiel in Bremen in der Liga bleiben können, dann wäre es am Ende noch ein versöhnlicher Abschluss der Saison.

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