Eintracht Frankfurt

Hradecky bestimmt beim Poker das Tempo

  • VonPeppi Schmitt
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Es ist noch gar nicht so lange her, genau 36 Tage, da war Lukas Hradecky der „Held von Frankfurt“. Der finnische Torwart hatte die Eintracht mit seinen Elfmeterparaden beim Pokal-Halbfinale in Mönchengladbach ins Finale gebracht.

Es ist noch gar nicht so lange her, genau 36 Tage, da war Lukas Hradecky der „Held von Frankfurt“. Der finnische Torwart hatte die Eintracht mit seinen Elfmeterparaden beim Pokal-Halbfinale in Mönchengladbach ins Finale gebracht. Hradecky war nicht nur wegen seiner Leistungen auf dem Rasen der Liebling der Fans, sondern auch wegen seines Auftretens. Ein vorbildlicher Profi, immer fröhlich, immer ehrlich, eine Persönlichkeit, ein Fußballer mit eigener Meinung. Davon gibt es nicht mehr so viele in der Bundesliga, bei der Eintracht schon gar nicht.

In den letzten Tagen sind die Sympathiewerte des 27 Jahre alten Torwarts in den Keller gerauscht. „Bild“ hat ihn nach dem verlorenen Pokal-Endspiel abschätzig den „Elfmeter-Verschulder“ genannt, was sachlich zwar richtig ist, dem Gesamtbild des Spielers aber nicht mehr gerecht wird. Es sind viele Emotionen im Spiel, noch mehr Spekulationen. Es geht um die Zukunft Hradeckys in Frankfurt.

Die Fakten: Hradecky, im Sommer 2015 von Bröndby IF für 2,5 Millionen Euro geholt, steht noch bis zum 30. Juni 2018 unter Vertrag. Er ist im unteren Bereich der Gehaltsliste angesiedelt, will, seinen Leistungen angemessen, mehr Geld verdienen. Das sieht die Eintracht auch so. So weit, so einig.

Doch der Teufel steckt im Detail. Lukas Hradecky wird in den Gesprächen von seinem Vater Vlado vertreten. Und der hat das Ziel, den wohl wichtigsten Vertrag seines Sohnes mit richtig viel Geld zu vergolden. Die Forderungen für eine vorzeitige Vertragsverlängerung bis 2020 oder 2021 sollen exorbitant gewesen sein. Gerade erst hat der Aufsichtsratsvorsitzende Wolfgang Steubing Vater Hradecky als „Hardcore-Vertreter“ bezeichnet.

Beide Seiten haben ihre „Claims“ abgesteckt. Sportvorstand Fredi Bobic versucht Hradecky unter Druck zu setzen. Die Zeit der Gespräche sei vorbei, die Eintracht erwarte eine „zeitnahe Entscheidung“. Hradecky lächelt das weg. „Ich fahre erst mal in Urlaub und komme dann zum Trainingsstart zurück“, sagt er. Für die Eintracht ein Horrorszenario, denn die Reaktionszeit bei einem Abgang des Torwarts würde dadurch extrem verkürzt. Und wer weiß, ob etwaige Nachfolgekandidaten so lange Geduld haben werden. Dies alles gehört freilich zum normalen Gebaren im Geschäft Profifußball. Bitter für die Eintracht: Sie sitzt in letzter Konsequenz am kürzeren Hebel. Hradecky bestimmt das Tempo.

Womöglich haben aber auch Vater und Sohn zu hoch gepokert und es liegt ihnen (noch) kein anderes werthaltiges Angebot vor. Ein Wechsel würde für Hradecky ja auch nur Sinn machen, wenn er bei einem anderen Club, ob in England oder irgendwo sonst, mehr verdienen kann und sportlich gesetzt wäre. „Ich will auf jeden Fall spielen“, hat er mal gesagt. Gibt es dieses Angebot nicht, der neue Arbeitgeber müsste ja zusätzlich bereit sein, eine Ablöse von sechs oder sieben Millionen Euro zu zahlen, hat er immer noch zwei Möglichkeiten: Zum einen könnte er dem neuen Angebot doch noch zustimmen, solange die Eintracht es nicht zurückgezogen hat, zum anderen könnte er sich einfach nur „vertragstreu“ zeigen und weiter zu den 2015 vereinbarten Konditionen in Frankfurt spielen. Dann würde er zwar zunächst viel Geld verlieren, könnte aber in einem Jahr ablösefrei gehen und den finanziellen Verlust dann mehr als wettmachen. Auch das ist geübte Praxis im Profifußball.

Fredi Bobic will dies unbedingt verhindern. „Entweder verlängern oder verkaufen“, hatte er bei seinem Amtsantritt vor einem Jahr gesagt, es gebe nur diese beiden Alternativen. Doch das war leichter gesagt als getan. Schon sein Vorgänger Heribert Bruchhagen musste sich monatelang vorwerfen lassen, dass er Sebastian Rode einst ablösefrei nach München ziehen lassen musste. Doch Bruchhagen war machtlos. So machtlos wie Bobic bei Haris Seferovic, der im letzten Winter an Benfica Lissabon verkauft werden sollte. Doch der Schweizer hat nicht mitgespielt, hat die letzten vier Monate seines Vertrags bei der Eintracht erfüllt und geht nun ablösefrei. Was Benfica viel Geld spart und Seferovic noch mehr Geld bringt.

(pes)

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