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Eintracht Frankfurt

Hütter und Co. wollen die Zypern-Reise für das vorzeitige Weiterkommen in der Europa League nutzen

Mit einem Sieg heute bei Apollon Limassol wäre Eintracht Frankfurt schon sicher im Sechzehntelfinale der Europa League - eine gute Gelegenheit für einen Paukenschlag.

Als die Frankfurter Entourage am frühen Mittwochnachmittag nach einem knapp vierstündigen Direktflug die Insel der Aphrodite erreichte, umspielte die Reisegruppe angenehme 21, 22 Grad, ein leichtes Lüftchen wehte und die Zuversicht, schon am Donnerstagabend nächste Runde der Europa League in der Tasche zu haben, war mit Händen zu greifen. Mit einem Sieg bei Apollon Limassol heute im GPS Stadion zu Nikosia (18.55 Uhr/live bei Dazn) wäre der deutsche Pokalsieger sicher durch – dann viel früher als gedacht, noch vor den ausstehenden Spielen zu Hause gegen Olympique Marseille und bei Lazio Rom. Beide Teams gelten als deutlich stärker als Limassol, vor 14 Tagen in Frankfurt glatt 0:2 unterlegen.

Adi Hütter, kaum auf Zypern gelandet, hat dann auch nicht lange um den heißen Brei herumgeredet. „Das ist der erste von drei Matchbällen“, und den wolle Eintracht Frankfurt verwandeln. Sollte zur gleichen Zeit Marseille nicht in Rom gewinnen, würde selbst ein Remis für das Erreichen des am 14. und 21. Februar ausgetragenen Sechzehntelfinales reichen. „Wir möchten in die nächste Runde aufsteigen“, betonte der Frankfurter Fußballlehrer gestern, ehe die Mannschaft am Abend zum Abschlusstraining eilte: „Wir haben eine große Chance, und die wollen wir nutzen.“

Hütter ließ auch wenig Zweifel daran, dass er seine vermeintlich beste Elf auf den Rasen schicken wird. „Wir werden keine große Rücksicht auf das Spiel in der Liga am Sonntag gegen Schalke nehmen. Wir spielen voll“, sagte er, ließ sich dabei aber nicht in die Karten schauen. Ob er erneut mit dem magischen Dreigestirn im Angriff beginnen werde, wollte er nicht verraten. Überraschend wäre es nicht, wenn erneut Luka Jovic, Ante Rebic und Sebastien Haller auflaufen würden. Ungewiss ist hingegen der Einsatz von Gelson Fernandes, der sich beim 3:0-Sieg beim VfB Stuttgart verletzt, sich am Dienstag allerdings gut gefühlt und die Reise mit angetreten hat. Aber selbst wenn der mittlerweile 32 Jahre alte Schweizer nicht zum Einsatz kommen könnte, würde das Hütter keine großen Sorgen bereiten.

Keine Spur von Müdigkeit

Die Eintracht müsste dann zwar ohne gelernten defensiven Mittelfeldspieler agieren. Aber auf eine gelernte Fachkraft für die Sechser-Position hatte man zuletzt auch im zweiten Abschnitt in Stuttgart und gegen Düsseldorf verzichten müssen – und Marc Stendera, von Haus aus offensiv ausgerichtet, erledigte die defensive Rolle zur Zufriedenheit aller. Ob mit ohne ihn selbst: „Wir wollen richtig Gas geben“, versprach Mittelfeldrenner Fernandes nicht nur den gut 5000 mit auf die Insel gereisten Eintracht-Fans, und: „Wir sind gekommen, um ein richtig gutes Ergebnis zu holen.“

Im Vorbeigehen wird man freilich nicht zu dem gewünschten Erfolg kommen, ließ Hütter durchblicken. „Apollon wird zu Hause ein anderes Gesicht zeigen als in Frankfurt“, warnte der Trainer. Limassol besitze gerade in spielerischer Hinsicht „viel Qualität“, sagte Hütter. Gelson Fernandes pflichtete bei: „Wenn man ihnen Zeit lässt, können sie gut Fußball spielen.“

Genau das wollen die Frankfurter Gäste verhindern, genau das ist ja die neue Stärke der Eintracht, die möglichst früh und möglichst körperbetont attackieren will. In Frankfurt hat das prima geklappt, auf Zypern will man es wiederholen. Diese Spielweise ist aufwendig. Doch abgesehen vom 1:1 in Nürnberg nach dem ersten Treffen mit Limassol, als die Frankfurter doch etwas durchhingen, ist trotz der zusätzlichen Belastung durch die europäischen Zusatztermine von Mühsal oder Müdigkeit kaum eine Spur. Im Gegenteil: „Wir freuen uns auf die Spiele“, hat Hütter zuletzt nach der Gala in Stuttgart noch einmal gesagt, als die Frage nach der nächsten Herausforderung aufkam: „Wir haben das nicht zum Thema gemacht.“

Leichter wird es nicht mehr

Fast sieht es gar so aus, als beflügelte die Europa League die Eintracht-Profis. Tatsächlich genießen sie die internationalen Auftritte, selbst Stimmungskiller wie ein leeres Stadion zu Beginn in Marseille, schrecken niemanden ab. Die Europa League ist bislang aus Frankfurter Sicht eine prima Spaßveranstaltung. Drei Partien, drei Siege, 8:2 Tore und die schwersten Brocken schon mal aus dem Weg geräumt, dazu bislang bereits 4,63 Millionen Euro von der Uefa kassiert– die Zwischenbilanz fällt erfreulich aus und deutet rosarote Perspektiven an, die vor der Auslosung des Wettbewerbs nicht unbedingt vorherzusagen waren.

Mit einem Sieg auf Zypern hätte die Eintracht Gewissheit, dass die Reise weitergeht. Wer weiß, ob man Marseille und Rom noch einmal auf dem falschen Bein erwischt? Die Gelegenheit nun ist günstig, vorzeitig für einen Paukenschlag zu sorgen und sich als einer der Ersten für die nächste Runde zu qualifizieren. Die Eintracht spielte weiter im Konzert der Großen mit, dann sogar bei den noch Größeren. Eintracht Frankfurt sollte diese Chance nicht ungenutzt verstreichen lassen. Leichter wird es nicht mehr.

von Thomas Kilchenstein

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