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Engagierter Testspieler: Allan Souza (links).

Eintracht Frankfurt

Adi Hütters Mannschaft ist noch eine Baustelle

Auf dem Platz arbeitet die Eintracht an ihrer Form, hinter den Kulissen am Kader. Ein Stürmer aus Portugal soll kommen.

Erst klatschte Adi Hütter in die Hände, dann ein kurzer Handschlag mit seinem engsten Vertrauten, Co-Trainer Christian Peintinger, darauf der Dank in Richtung der Spieler auf der Bank. Zufrieden, ja, das war der Trainer der nach dem 1:1 (0:1) gegen Real Salt Lake aus der US-amerikanischen Major League Soccer durchaus. Euphorisch, nein, dafür hatte er noch zu viele Baustellen erkannt. „Es ist klar, dass wir nicht annähernd so spritzig waren wie unser Gegner“, sagte der Österreicher dem HR nach dem ersten Härtetest im USA-Trainingslager, „aber ich fand, dass wir es besonders im zweiten Durchgang gut gemacht haben.“

Hütter hatte seine Spieler gegen die im vollen Ligabetrieb steckenden Gastgeber im 4-1-4-1-System angeordnet. Die Außen doppelt besetzt, Breite ins Spiel bringend. So die Idee. In der ersten Hälfte jedoch mit mäßigem Erfolg. Die kräftezehrenden Einheiten in der Hitze von Utah machten sich bemerkbar. Es mangelte an Spritzigkeit in den Beinen und an Frische im Kopf.

„Es hat noch sehr viel gefehlt, ein bisschen wäre noch untertrieben“, sagte Hütter, der beim 0:1 (10.) einen außen zu spät attackierenden Danny da Costa und einen in der Mitte zu spät kommenden Jetro Willems beobachten konnte. „Wir müssen uns noch besser kennenlernen“, so Hütter, „wir sind noch ziemlich weit von dem entfernt, was ich sehen will.“ Immerhin: Testspieler Allan Souza machte 45 Minuten lang im offensiven Mittelfeld einen engagierten Eindruck, Hütter will den 21-jährigen Brasilianer vom FC Liverpool weiter „genau im Auge behalten“. Zur Pause tauschte der Coach bis auf Torhüter Felix Wiedwald sein komplettes Personal. Einzig Kapitän David Abraham wurde geschont, hatte er doch tags zuvor einen Schlag aufs rechte Schienbein abbekommen und über leichte Schmerzen geklagt. Etwas Wildes soll es nicht sein. „Wir haben vertikaler gespielt“, sagte Hütter. Zuständig dafür: Neuzugang Lucas Torro, der ebenso wie Nicolai Müller, Kopfball-Torschütze zum Ausgleich kurz vor Schluss, als Gewinner des ersten Kräftemessens bezeichnet werden kann. „Es fühlt sich gut an, für die Eintracht zu treffen“, sagte Müller, der bereits beim Test in Offenburg zweimal eingenetzt hatte.

Weniger lief in Abwesenheit der beiden WM-Fahrer Luka Jovic und Ante Rebic, an dem Manchester United und der FC Arsenal Interesse haben sollen, im Sturm zusammen – anfangs Sebastien Haller, später Branimir Hrgota konnten kaum Akzente setzen. Nachlegen wollen die Verantwortlichen auf dieser Position ohnehin. Gestern bestätigte der Club, sich mit einer Verpflichtung von Goncalo Paciencia zu beschäftigen – 23 Jahre jung, 1,84 Meter groß, vom FC Porto. Der Angreifer hat beim Champions-League-Teilnehmer noch ein Jahr Vertrag, die Portugiesen könnten also letztmals mit ihm Kasse machen. Verschiedene Modalitäten seien noch zu klären, teilte die Eintracht mit. Die Ablöse soll zwischen drei und fünf Millionen Euro liegen. „Im Hintergrund wird fleißig gearbeitet“, sagte Hütter: „Wir wissen, dass wir an gewissen Schrauben noch drehen müssen.“ Klar ist, der Sohn des 34-fachen portugiesischen Nationalspielers Domingos Paciencia passt ins Einkaufsprofil. Er ist technisch versiert, kräftig gebaut, in Deutschland weitgehend unbekannt, ein echter Mittelstürmer, dem bislang der große Durchbruch verwehrt blieb.

Der in der Porto-Jugend ausgebildete Paciencia wurde von seinem Stammverein mehrfach verliehen: Olympiakos Piräus in Griechenland, Rio Ave FC und Vitoria Setúbal in Portugal hießen die Stationen. Erst im vergangenen Halbjahr kam er regelmäßig zu Einsätzen bei seinem Heimatclub – unter anderem zu zwei Einwechslungen im Achtelfinale der Champions League gegen den FC Liverpool. Wettbewerbsübergreifend gelangen dem Rechtsfuß in der vergangenen Saison zehn Treffer in 36 Partien.

Während in der Heimat fleißig am Kader gebastelt wird, stehen den Spielern im fernen Amerika anstrengende Tage bevor. „Wir müssen ein bisschen härter trainieren, dass die Spieler die kompletten 90 Minuten durchziehen können. Das heißt, wir werden auch ab und an länger trainieren und Krafteinheiten einbauen“, ließ Hütter wissen. Heute fliegt der Eintracht-Tross weiter an die Ostküste, in Philadelphia treffen die Frankfurter am Samstag um 19 Uhr (1 Uhr deutscher Zeit) auf Philadelphia Union.

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