Eintracht Frankfurt

Interview mit Johannes Flum: "Es wird sich alles entwickeln"

  • VonRoland Stipp
    schließen

Im Dezember brach sich Johannes Flum bei einem Zusammenstoß mit seinem Mitspieler Slobodan Medojevic im Training die linke Kniescheibe. Neuneinhalb Monate später arbeitet der 28-Jährige immer noch auf sein Comeback hin. Er ist guter Dinge, auch was das neu formierte Team angeht

Hallo Johannes, was macht das Knie? Wie läuft das Training?

Dem Knie geht es gut, ich habe keine Schmerzen. Das war ja zum Glück auch in der Reha schon so, dass ich keine Beschwerden hatte. Die Verletzung wurde einfach von Anfang an super behandelt. Und das Training läuft gut, ich kann ganz normal mit der Mannschaft trainieren. Aber ich muss natürlich nach so langer Zeit noch Kraft aufholen.

Sie sind also sozusagen im Zeitplan?

Also wie lange es dauern würde, war für alle Beteiligten schwer abzuschätzen – das war ja keine Alltagsverletzung. Aber man hat mir schon gesagt, dass es eine ganze Weile dauern würde, bis ich wieder Fußball spielen kann.

Ihr letztes Bundesligaspiel liegt bald ein Jahr zurück. Wie bekommt man denn eine so lange Zeit als Leistungssportler überbrückt? Kann man den ganzen Tag nur mit dem Gedanken daran verbringen, wieder fit zu werden?

So lange ist das schon her? Wahnsinn. Also im Moment bleibt mir ja nichts anderes übrig, als da Tag für Tag und Woche für Woche dran zu denken. Ich muss die Kraft, die ich brauche, wieder auftrainieren – und zwar neben dem Mannschaftstraining. Aber ehrlich: Ich hoffe, es ist absehbar, dass ich wieder bei hundert Prozent bin.

Immerhin durften Sie in der Vorbereitung auch hin und wieder spielen...

Ja, gegen kleinere Mannschaften durfte ich mal ran. Es war wichtig, dieses Gefühl zu bekommen, auf dem Platz zu stehen. Das ist schon etwas anderes als ein Trainingsspiel – aber natürlich auch etwas ganz anderes als Bundesliga. Und da will ich wieder hin, auch wenn ich nicht genau sagen kann, wie lange das noch dauern wird. Im Verlauf der Vorrunde soll es aber schon noch sein.

Entscheiden Sie alleine, wann Sie so weit sind?

Nein. Es ist so, dass ich einen Krafttest machen muss, und dann wird sich der Reha-Trainer mit dem Arzt absprechen. Und wenn alles gut ist, geben sie dem Trainer das Okay. So ungefähr läuft das wohl. Wichtig ist ja, dass man nicht zu früh wieder anfängt. Und Geduld ist nicht gerade meine ganz große Stärke.

Wie erleben Sie ihr neues Team? Es hat sich ja einiges getan personell. Hat sich da schon eine Gemeinsamkeit entwickelt?

Wir sind da mitten in einem Prozess, und es wird sich alles entwickeln. Das dauert natürlich etwas, aber es sind viele interessante und gute Fußballer zu uns gekommen und charakterlich prima Jungs, deshalb mache ich mir keine Sorgen und freue mich, alle noch näher kennen zu lernen. Und die Jungs freuen sich, die Bundesliga zu entdecken und sind gewillt zusammen zu arbeiten, das merkt man sofort.

Die Eintracht war und ist nur ganz schwer einzuschätzen und hat mit dem Auftaktsieg gegen Schalke viele überrascht. Sie auch?

Mich hat die Art und Weise positiv überrascht, wie die Mannschaft das vor allem in der ersten Halbzeit gespielt hat. Das war beeindruckend. Überrascht würde ich nicht sagen, weil in der Bundesliga, von Bayern und Dortmund abgesehen, jeder jeden schlagen kann.

Leider gab es im zweiten Spiel gleich einen Rückschlag. Waren Sie in Darmstadt und wie haben Sie das Spiel erlebt?

Klar, ich war im Stadion, das wollte ich mir ja nicht entgehen lassen. Es war natürlich unglaublich, dass die Darmstädter nachher noch ein Tor geschossen haben – das hätten die doch selbst nicht für möglich gehalten. Für uns war das ärgerlich, denn sonst hätten wir natürlich einen Bombenstart hingelegt. Der Trainer hat zu Recht gesagt: Wenn man so ein Spiel nicht gewinnen kann, darf man es wenigstens nicht verlieren.

Ja, ein Spiel zu verlieren, bei dem man 78 Prozent Ballbesitz hat, ist bitter. Beim Sieg über Schalke waren es nur 44 Prozent. Und Leipzig haben 34 Prozent gereicht, um Dortmund 1:0 zu bezwingen. Sollte man also den Fußball ohne Ball kultivieren?

Ich hoffe nicht, dass es so kommt. Und man kann es ja auch so nicht sagen. Die Bayern zum Beispiel haben um die 70 Prozent Ballbesitz. Okay, das kann man mit anderen Mannschaften nicht unbedingt vergleichen, aber grundsätzlich ist es doch schon so, dass man eher entscheiden kann, wohin so ein Spiel läuft, wenn man den Ball hat.

Es dürfte so oder so wieder ein hartes Stück Arbeit werden, in der Liga zu bestehen. Oder sehen Sie Potenzial für mehr?

Wie gesagt: In der Bundesliga ist es so, Bayern und Dortmund ausgenommen, dass jeder jeden schlagen kann. Wir können das auch, also liegt es an uns, was wir daraus machen. Wir haben eine junge Truppe, und es wird sicher auch mal Rückschläge geben – so wie jetzt in Darmstadt. Es kommt halt darauf an, wie man damit umgeht, wie man sich danach präsentiert. Man muss fähig sein, sich immer auf die nächste Aufgabe zu konzentrieren.

Also immer von Spiel zu Spiel schauen?

Das ist auf jeden Fall ratsam. Der Trainer hat uns jetzt schon wieder in die Pflicht genommen für das anstehende Heimspiel. Er hat gesagt, wir hätten gut gearbeitet in der Vorbereitung und müssten jetzt auf dem Platz das Gleiche tun wie gegen Leverkusen, müssen mutig sein und alles abrufen. Er hat vollkommen Recht, und ich würde sehr gerne mithelfen und Verantwortung übernehmen, aber so weit ist es leider noch nicht.

Hört sich so an, als hätten Sie genug davon, die Spiele von der Tribüne aus verfolgen zu müssen?

Es ist auf jeden Fall nicht so prickelnd. Ich bin ja nun schon länger verletzt und habe echt genug davon, von draußen zuzuschauen. Daran kann und will ich mich nicht wirklich gewöhnen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare