Eintracht Frankfurt

Interview mit Mijat Gacinovic: „Am Anfang war es schwer für mich“

  • vonRoland Stipp
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Bei der Rettung in den Relegationsspielen schlüpfte Mijat Gacinovic im Mai fast aus dem Nichts in eine Hauptrolle, und auch an dem folgenden Aufschwung hat der 21-jährige Serbe seinen Anteil. Dabei war fast sein ganzes erstes Frankfurter Jahr schwierig für ihn. Unter Trainer Niko Kovac aber hat auch der risikobereite Tempodribbler Gacinovic einen großen Schritt nach vorne gemacht.

Hallo Mijat, noch ein Spiel bis zur Winterpause – freuen Sie sich auf ein paar ruhige Tage ohne Fußball?

Ja, schon, auch wenn Weihnachten bei uns zu Hause in Serbien erst am 7. Januar gefeiert wird, und da sind wir ja schon im Trainingslager. Dennoch freue ich mich darauf, die freien Tagen mit meiner Familie und Freunden zu verbringen.

Es hat etwas gedauert, bis Sie in Frankfurt Ihren Platz gefunden hatten. Wie schwer war der Anfang in Deutschland für Sie – als Fußballer und als junger Mann in einer fremden Stadt?

Es war am Anfang schwer für mich. In Serbien war ich Kapitän und als ich nach Frankfurt kam, habe ich lange Zeit nicht gespielt und war dann krank. Das war eine Situation, die schwierig war und mich im Kopf belastet hat. Jetzt bin ich frei davon und möchte meiner Mannschaft helfen. Ich fühle mich sehr wohl in Frankfurt und habe den Wechsel zu keinem Zeitpunkt bereut.

Im Grunde war der Trainerwechsel von Armin Veh zu Niko Kovac für Sie die Wende zum Guten, oder?

Niko Kovac ist ein super Trainer, weil er mit uns allen spricht und jedem das Gefühl gibt, dass er dazu gehört. Ich persönlich brauche diese Art der Motivation. Er hat mir die Chance gegeben und ich habe sie, denke ich, nutzen können. Nach meinem Fehlpass im Darmstadt-Spiel, der zum Gegentor führte, hat er viel mit mir gesprochen und mir damit geholfen.

Fakt ist, dass die Eintracht zu den positiven Überraschungen der Liga gehört. Es sieht so aus, als habe die Mannschaft richtig Spaß am Fußball – auch daran, sich in umkämpften Spielen für nichts zu schade zu sein?

Ich glaube, wir sind gestärkt aus den beiden Relegationsspielen gegangen und wollten erst gar nicht mehr in eine solche Situation geraten. Natürlich ist die Saison noch lang, aber wir haben uns schon einmal eine sehr gute Basis erarbeitet. Wir hatten eine super Vorbereitung im Sommer und die Neuzugänge passen sehr gut ins Team. Jeder kämpft für jeden und jeder freut sich für den anderen. Ich denke, die Spielphilosophie von Niko Kovac passt einfach sehr gut zu unserer Mannschaft.

Niko Kovac wechselt immer wieder, gibt vielen eine Chance und anscheinend allen das Gefühl, gebraucht zu werden. Ist das ein Erfolgsrezept? Von Ihren Mitspielern hört man jedenfalls immer wieder von einem außergewöhnlichen Zusammenhalt im Team.

Das stimmt auch, wir verstehen uns untereinander wirklich alle sehr gut, egal welche Nationalität ein Spieler hat. Der Zusammenhalt ist groß und durch das gemeinsame Frühstück und Mittagessen sprechen wir über alle möglichen Themen. Und ja, Niko Kovac gibt jedem Spieler das Gefühl, dass er wichtig für die Mannschaft ist.

Sie haben sich mit Ihrem Tor in der Relegation und der Vorbereitung des Siegtreffers im Rückspiel schon unsterblich gemacht bei der Eintracht. Spüren Sie eine andere Wertschätzung durch die Fans als vorher?

Natürlich freut es einen, wenn man auf der Straße angesprochen wird oder Selfies mit den Fans macht, aber mir persönlich ist der Erfolg der Mannschaft wichtiger als mein eigener. Wenn wir weiter alle so für das Team arbeiten wie bisher, können wir auch weiter so erfolgreich spielen.

Und sind Sie jetzt zufrieden mit Ihrer Rolle?

Auch wenn es für mich gut läuft, weiß ich, dass ich es noch besser kann. Ich bin noch jung und muss weiter an mir arbeiten und im Training richtig Gas geben.

Es hat sich für die Mannschaft bewährt, von Spiel zu Spiel zu denken. Das Wort „Europapokal“ hört man trotzdem immer wieder. Kann man sagen, dass das große Ziel der Spieler und der Traum der Fans ähnlich aussehen?

Wir spielen einen guten Fußball und haben eine Mannschaft, die topfit ist. Unser erstes Ziel ist natürlich der Klassenerhalt, und es gibt in der Bundesliga viele gute Mannschaften, die Europapokal spielen wollen und können. Ob wir am Ende vielleicht dazugehören können, wird sich zeigen. Schön wäre es für alle.

Wissen Sie schon, ob Sie gegen Mainz spielen? Wie hält es der Trainer denn damit – überrascht er die Spieler oder weiß man schon Tage vorher Bescheid?

Ich konnte wegen einer starken Erkältung nicht mit nach Wolfsburg fahren und weiß nicht, ob es für das Spiel gegen Mainz reicht. Grundsätzlich spürt man vielleicht im Training, ob man dabei sein könnte, aber der Trainer erarbeitet für jeden Gegner ein taktisches Konzept und gibt den Spielerkader erst nach dem Abschlusstraining bekannt. Natürlich möchte jeder Fußballer spielen, aber es muss auch in das Konzept des Trainers passen – und bisher hat Niko Kovac dabei wenig falsch gemacht.

Ein paar Mal waren Sie jetzt schon in der Vorbereitung dabei, die letzte unter Niko Kovac soll besonders anstrengend gewesen sein. Haben Sie schon Bammel vor dem Trainingslager?

Natürlich war es im Sommer eine harte Vorbereitung, aber man sieht doch, dass wir als Team davon profitieren. Wir sind topfit und können unsere Spielweise jede Woche umsetzen.

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