Eintracht Frankfurt

Zum Jahresende klopft die Eintracht an die Tür nach Europa

  • VonChristian Heimrich
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Eintracht Frankfurt hat eine sensationelle Entwicklung hinter sich. Die Bosse predigen aber weiter Demut und harte Arbeit.

An diesem Abend, angesichts einer solchen vorgezogenen Bescherung, wurden sie alle zu „Feierbiestern“: Die Fans der Frankfurter Eintracht, die schon lange vor dem Schlusspfiff lauthals den „Schneewalzer“ sangen und schunkelten. Aber auch die mit Weihnachtsmützen auf dem Kopf tanzenden Spieler und die Verantwortlichen. „Die Kabine war randvoll“, berichtete Axel Hellmann, der Marketingvorstand des Fußball-Bundesligisten. Und klar: Nach dem 3:0 (1:0) gegen den FSV Mainz 05 zum Jahresausklang wurde nicht nur Kinderpunsch getrunken.

Unmittelbar nach dem Schlusspfiff hatten sich Mannschaft und Funktionsteam mit einer emotionalen Weihnachts- und Neujahrsbotschaft per Video von den Fans verabschiedet. Auf Kroatisch, Spanisch, Finnisch, Englisch, Deutsch, Schwyzerdütsch etc.: Es wurde noch einmal klar, welch große Integrationsarbeit mit Spielern aus 17 Nationen im vergangenen halben Jahr in Frankfurt geleistet wurde – gekrönt von einem nicht für möglich gehaltenen sportlichen Erfolg. Die Eintracht hat in 16 Spielen 29 Punkte gesammelt und wird auf einem Tabellenplatz überwintern, der am Saisonende die Tür nach Europa öffnen würde. Seit saisonübergreifend zehn Spielen ist das Team im eigenen Stadion unbesiegt – das gab es zuletzt vor 24 Jahren.

Dazu stellte die Eintracht mit nur zwölf Gegentoren in 16 Punktspielen einen neuen Vereinsrekord auf. „Keiner hat erwartet, dass wir so dastehen werden“, stellte Trainer Niko Kovac mit gewissem Stolz fest: „Wenn man sieht, wie wir hier am 8. März begonnen haben, wie wir danach die Relegation geschafft und wie wir im Sommer den Club und die Mannschaft verändert haben, dann bin ich sehr zufrieden“, sagte er. „Ein Riesenkompliment an das Trainerteam“, verteilte Vorstand Hellmann: „Ich freue mich auf die Rückrunde. Die Ausgangsposition ist außerordentlich gut.“

Und dennoch steht das Wort Europa offiziell auf dem Index, seitdem Fredi Bobic bei der Eintracht das Amt des Sportvorstandes übernommen hat. „Wir müssen erst mal unsere Hausaufgaben machen, die Basics“, mahnte Bobic am Dienstagabend zum x-ten Mal: „Wenn die 40 Punkte da sind, können wir die Ziele immer noch korrigieren.“ Bei Kovac klang es praktisch wortgleich.

Ein Einbruch wie in der vergangenen Saison, als die Eintracht sich gerade noch über die Relegation rettete, ist angesichts der Grundstabilität und der Variationsmöglichkeiten im Kader wohl nicht zu befürchten. Dennoch ist man in der Führungsetage froh darüber, dass jetzt erst einmal Winterpause ist. Einige Spieler, so Bobic, liefen „auf der Felge“. „Das ist jetzt der richtige Zeitpunkt“, sagt auch Axel Hellmann: „Wir müssen Frische gewinnen.“

Daran haperte es zuletzt. Bobic hatte sich schon über das 0:1 in Wolfsburg maßlos geärgert. Und auch über das 3:0 gegen Mainz „müssen wir noch reden“. Letztlich gewann die Eintracht ihr Jahresendspiel dank eines bärenstarken Torhüters Lukas Hradecky und des Platzverweises für den Mainzer Cordoba.

Der Neustart kommt am 3. Januar, am 4. geht es ins Trainingslager nach Abu Dhabi. Ein Talent wie Ayman Barkok (lesen Sie dazu unseren gesonderten Bericht) drängt aus den eigenen Reihen nach, lange verletzte Spieler wie Marc Stendera oder Danny Blum werden im Januar zurückerwartet: Eigentlich sieht man bei der Eintracht keinen Anlass, die Mannschaft in der Winterpause zu verstärken.

„Wir haben einen guten Kader. Damit bin ich zufrieden“, sagte Kovac. „Nur wenn sich etwas ergeben könnte, schlagen wir zu.“ Verteidiger Anderson Ordóñez steht bereits als Neuzugang fest. Er kommt aus Ecuador und vertritt damit Nationalität Nummer 18 in diesem bunten, erfolgreichen Team.

Bei aller Euphorie über das Sportliche dachte der Eintracht-Trainer in dieser schönen Stunde aber auch an seine alte Heimat Berlin und den Anschlag auf den Weihnachtsmarkt: „Was dort passiert ist, kann man nicht wegwischen“, sagte Kovac, der in der Hauptstadt geboren wurde und viele Jahre für Hertha BSC spielte. „Dass so etwas passieren kann, schockiert mich und macht mich sehr traurig. Ich wünsche mir, dass wir Frieden finden und dass wir gemeinsam in eine bessere Zukunft gehen.“

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