Das passt Meier gar nicht. Dazu kommt der Hohn der Mitspieler: Bastian Oczipka und Slobodan Medojevic (re.) lachen ihn aus.
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Das passt Meier gar nicht. Dazu kommt der Hohn der Mitspieler: Bastian Oczipka und Slobodan Medojevic (re.) lachen ihn aus.

Eintracht Frankfurt

16. Januar 2015: Als der Höllenritt begann

  • VonJochen Müller
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Es muss sich grausam angefühlt haben: Deutschlands Keeper Oliver Kahn spielt im Jahr 2002 eine grandiose WM, bleibt absolut fehlerfrei – bis zum entscheidenden Patzer im Finale, der die Führung von Ronaldo und gleichzeitig die Niederlage gegen die Brasilianer einleitet. Oder der vermaledeite Wechselfehler von Christoph Daum im Jahr 1992: Sportlich zu diesem Zeitpunkt für die nächste Runde des Landesmeisterpokals qualifiziert, bringt der damalige Trainer des VfB Stuttgart den Jugoslawen Jovica Simanic ins Spiel – in bester Absicht sicherlich, der vierte Ausländer verstieß nur leider gegen die Regel. Das Entscheidungsspiel verliert der VfB mit 1:2. Ausgeschieden, alles futsch.

Im Leben und im Sport gibt es diese Momente immer wieder: Eigentlich alles richtig gemacht, wird man durch einen Moment der Unachtsamkeit um die Früchte seiner Arbeit gebracht. Manche dieser folgenschweren Fehler offenbaren sich im selben Moment, andere zeigen ihre hämische Fratze erst im Abstand von einigen Wochen oder Monaten. Wie im Fall von Thomas Schaaf und der Sache mit der Achterbahn.

Rauf auf die 240 km/h-Sause

Im Januar floh der Adler-Tross vor dem Frankfurter Winter ins mollige Abu Dhabi. Im Trainingslager gingen die Spieler an ihre Grenzen, hängten sich voll rein, um in der Rückrunde Bäume auszureißen oder sonstwie ihren Gegnern das Fürchten zu lehren. Trainer Schaaf  lobte seine Schützlinge für die Leistungen ausdrücklich und kam auf die Idee, seine Jungs mit einem Tag im Freizeitpark zu belohnen. „Wir werden nicht nachlassen. Aber die Jungs sollen auch mal durchschnaufen“, sprach der Coach großzügig – und das Unheil nahm seinen Lauf.

Im Spaßpark „Ferrari World“ angekommen, zog es die Spieler zur größtmöglichen Parkattraktion wie die Fliegen zum Licht: Eine 240 km/h schnelle Achterbahn, die rasanteste ihrer Art weltweit. Und plötzlich wurden aus gestandenen Adlern kleine Kindern auf dem Rummelplatz. Bilder geben Zeugnis davon, wieviel Freude die Kicker an der Sause hatten. Hoch und runter ging es in einem Affenzahn, begleitet vom Lachen und Jauchzen der Eintracht-Buben. Was für eine Gaudi.

"Noch eine Runde!"

Knapp zwei Monate später muss man fragen: Hätte es eine Fahrt im Riesenrad oder eine Zuckerwatte für jeden nicht auch getan? Wieso ausgerechnet der Höllenritt auf der Achterbahn? Die Spieler hatten anscheinend einen solchen Spaß, dass sie bis heute einfach sitzen geblieben sind und seitdem begeistert „Noch eine Runde!“ fordern.

Die bisherigen Spiele und Leistungen der Eintracht in der Rückrunde lassen sich fast eins zu eins auf das Streckenprofil des Fahrgeschäfts übertragen. Ein ständiges Auf und Ab. Seit sechs Spielen wechseln sich Sieg und Niederlage ab, Hoffnung auf die Europa-League-Plätze und Angst vor dem Abstieg geben sich die Klinke in die Hand - es ist zum Verrücktwerden.

Jetzt kann man natürlich behaupten, dass die Eintracht auch ohne die wilde Fahrt in der Wüste zum jetzigen Zeitpunkt nicht besser dastehen oder konstantere Leistung abrufen würde. Möglich. Sogar wahrscheinlich. Aber einen interessanten Aspekt hat die Geschichte dennoch. Ein Spieler durfte - zu seinem großen Unmut - nicht mit auf die Achterbahn, er war mit 1,96m schlicht zu groß: Alexander Meier. Und der hat seit der Winterpause schon sechsmal getroffen und ist auf dem besten Weg, Torschützenkönig der Bundesliga zu werden.

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