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Seltenes Gefühl: So oft war Jetro Willems (vorne) in dieser Saison noch nicht am Ball.

Eintracht Frankfurt

Jetro Willems kämpft um einen Platz im Team

Verteidiger Jetro Willems hat seinen Stammplatz hinten links bei der Frankfurter Eintracht verloren – nur vorerst, wie er hofft.

Nach dem ersten Training am Dienstag nach drei Tagen Kurzurlaub ist Jetro Willems gefragt worden, ob er womöglich in Erwägung ziehe, im Winter den Club zu wechseln. Die Frage, gar nicht despektierlich gestellt, sagt eine Menge aus über den aktuellen Stellenwert des Niederländers mit Wurzeln in Curacao im Dress von Eintracht Frankfurt: Jetro Willems hat seinen Platz hinten links verloren, und unlängst hat er sogar auf der verkehrten Seite verteidigen müssen, auf rechts. „Schwierig“ sei das für ihn, den ausgemachten Linksfuß, gewesen. Aber was blieb ihm anderes übrig.

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Sein angestammter Platz ist die Position des linken Verteidigers, dafür wurde er vor eineinhalb Jahren für rund sechs Millionen Euro vom PSV Eindhoven geholt. Er sollte Bastian Oczipka ersetzen, den es zu Schalke 04 gezogen hatte. Inzwischen muss Willems, einst der jüngste Fußball-Nationalspieler, der je für die Niederlande bei einer EM spielte, froh sein, „auf meine Minuten zu kommen“. Denn sein Platz links an der Außenlinie ist mittlerweile anderweitig vergeben. Filip Kostic heißt der Mann, im Sommer auf den letzten Drücker vom Absteiger Hamburger SV ausgeliehen, der Willems ein bisschen die Laune verhagelt hat. Denn Kostic spielt und Willems guckt meistens zu.

Zwei Platzverweise

Aber wenn der 24-Jährige mit dem lustigen Ziegenbärtchen ehrlich zu sich ist, dann muss er einräumen, dass er selbst ein gerüttelt Maß an Schuld an seiner Zuschauerrolle trägt. Es waren zwei Platzverweise binnen drei Wochen, die ihn weit zurückwarfen. Erst verpasste er dem Bremer Theodor Gebre Selassie am zweiten Spieltag einen Schlag mit der flachen Hand, wofür er die Rote Karte sah und für zwei Spiele gesperrt wurde, dann sah er im Geisterspiel in Marseille bei seinem nächsten Einsatz Gelb-Rot. Und während Willems gezwungenermaßen außen vor war, stellte Trainer Adi Hütter auf ein anderes Defensivsystem um – und vor allem Kostic, von Haus aus Linksaußen, überraschend als linken Verteidiger auf. Ein Schachzug, der ein Volltreffer war. Fortan zählte der Serbe, der wegen einer Zahn-OP gerade auf die jüngsten Spiele seiner Nationalelf verzichtet hat, zu den herausragenden Spielern der Frankfurter Höhenflieger und zu den Entdeckungen der noch jungen Saison – zu Willems’ Leidwesen. Er kam bislang auf sechs Bundesliga-Einsätze, einen einzigen über 90 Minuten.

Insofern war die Frage nach einer möglichen Veränderung in der Winterpause berechtigt. Für Willems freilich komme sie „zu früh“, er wisse noch nicht, wohin die Reise gehe. Aber der Mann mit dem strammen Schuss ist keiner, der so leicht aufgeben würde. „Ich bin fit, ich bin frisch“, sagt er. Er werde seine Chance bekommen und sie dann auch nutzen.

Auch in dieser Saison hat er ja schon auf sich aufmerksam gemacht, er und Nicolai Müller. Denn diese beiden waren es, die den einzigen aller 26 Frankfurter Liga-Treffer produzierten, bei dem die Torfabrik der Herren Rebic, Haller, Jovic nicht ihre Füße im Spiel hatte – in Stuttgart, beim 3:0 gegen den VfB, hatte der eingewechselte Willems auf den eingewechselten Müller geflankt, der zum Endstand einköpfte. Und das soll nicht das Ende gewesen sein. „Wir brauchen alle Spieler“, sagt Willems, gerade jetzt, vor der nächsten englischen Woche mit den Spielen am Samstag beim FC Augsburg, am Donnerstag gegen Olympique Marseille und dann zu Hause gegen den VfL Wolfsburg, dürfte wieder rotiert werden.

Ein brillanter Pass

Und es ist ja auch nicht so, dass Willems ein schlechter Spieler wäre. Im Gegenteil: Er verfügt über eine feine Technik und einen guten Schuss, er ist schnell und zweikampfstark. Was er nicht so mag, sind Läufe in die Spitze und bis zur Grundlinie, lieber bricht er vorher ab und spielt quer. Früher, unter Trainer Niko Kovac, fühlte er sich oft unwohl, weil seinerzeit mehr mit langen Bällen operiert wurde. Unter Hütter ist der Kurzpass häufiger im Programm, „das kommt mir entgegen“. Jüngst gegen Apollon Limassol in der Europa League durfte er mal wieder links ran und leitete prompt mit einem brillanten Außenristpass auf Luka Jovic die Führung ein. Das würde er gerne wieder machen. Und dafür notfalls auch rechts hinten verteidigen.

Thomas Kilchenstein

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