Eintracht Frankfurt

Jetzt beginnt der Umbau

  • VonChristian Heimrich
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In Frankfurt wartet alles auf den neuen Sportvorstand. Erste Entscheidungen sind schon gefallen.

Am Morgen danach waren die Augen klein, aber Freude und Erleichterung immer noch sehr groß. „Es war das beste Erlebnis, was ich bisher in meiner Karriere hatte“, beschrieb Torhüter Lukas Hradecky die Stimmung auf der Busfahrt zurück nach Frankfurt.

Das 1:0 in Nürnberg und der dadurch geschaffte Klassenerhalt wurden dann im „Roomers“ bis in den frühen Morgen weiter gefeiert. Haris Seferovic übernahm mit Feuereifer den Job des DJ. Wobei der Schweizer mit bosnischen Wurzeln bevorzugt Musik vom Balkan spielte. Wer ein Tor schießt, das Millionen wert ist und eine ganze Region in einen Freudentaumel versetzt, hat viele Freiheiten. „Das war uns alles egal“, meinte Hradecky lachend.

Die Mannschaft wurde gestern Vormittag nach einer letzten Ansprache von Niko Kovac in den Urlaub geschickt. Am 4. Juli bittet der Coach, dessen Vertrag für die Bundesliga nun über ein weiteres Jahr läuft, zum ersten Training der neuen Saison. Zwei Wochen haben die Spieler, die nicht mit Nationalmannschaften unterwegs sind, jetzt komplett frei, danach greifen die gestern ebenfalls verteilten individuellen Fitness-Direktiven.

„Er hat ganz großen Anteil, ohne ihn und seinen Bruder hätten wir es nicht geschafft“, sagt Hradecky über den Trainer: „Kompliment, wie er auch als Mensch aufgetreten ist.“ Fußball-Romantiker sehen den Veh-Nachfolger schon in einer Reihe mit Frankfurter Retter-Idolen wie Jörg Berger, Jan-Aage Fjörtoft und Alex Schur.

Auf Kovac kommt jetzt aber auch viel neue Arbeit zu. Der frühere Bundesliga-Profi war im Abstiegskampf der richtige Mann zur richtigen Zeit, weckte bei den zuvor in Lethargie verfallenen Spielern wieder Emotionen und Kampfgeist. Nun muss der 44-Jährige zeigen, dass er auch in der Lage ist, eine Mannschaft weiterzuentwickeln.

Dabei wird Kovac Unterstützung durch den neuen Sportvorstand erhalten. Gestern tagten bei der Eintracht Vorstand und Aufsichtsrat. Fredi Bobic soll nun zügig vorgestellt werden und anpacken. Denn das Team braucht neue Gesichter und wohl auch eine neue Mentalität. Stand jetzt ist Bruno Hübner der Dritte im Bunde. Unumstritten war der Sportdirektor zuletzt allerdings nicht. „Das habe ich nicht zu entscheiden“, sagt Hübner über seine Zukunft. Bei der Eintracht steht er noch bis 2018 unter Vertrag.

„Kann passieren“

„Ich kann mit Kritik leben, aber manches war unsachlich“, sagt Hübner. Seine Personalpolitik sei nicht so schlecht gewesen, wie vereinzelt dargestellt: „So eine Saison kann bei Eintracht Frankfurt immer mal passieren.“ Die Erwartungshaltung in Frankfurt sei im Verhältnis zu den finanziellen Möglichkeiten des Clubs einfach zu hoch. Die Eintracht würde die Mannschaft komplett aus dem sportlichen Betrieb bezahlen und könne deshalb keine großen Sprünge machen.

Die konkrete Personalplanung für die kommende Saison läuft nach der bestandenen Relegation jetzt erst an. Der Hamburger Ilicevic ist laut Hübner wohl kein Thema mehr. Mit Änis Ben-Hatira soll es noch Gespräche geben.

Fest steht aber bereits, dass die Zusammenarbeit mit Constant Djakpa und den Torhütern Yannick Zummack und Emil Balayev nicht fortgesetzt wird. Mit Makoto Hasebe soll der auslaufende Vertrag verlängert werden. Die Zukunft von Haris Seferovic hingegen erscheint offen. Sollte der Stürmer, an dem sich die Geister scheiden, eine gute EM spielen und die Eintracht ein werthaltiges Angebot erhalten, wird sie wohl darüber nachdenken.

„In unserer Situation müssen wir Transfererlöse erzielen“, sagt Hübner. Er erinnert an den Verkauf von Torhüter Kevin Trapp an Paris St. Germain für neun Millionen Euro vor der Saison: „Hätten wir das nicht gemacht, hätten wir damals auch keine solchen Investitionen tätigen können.“

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