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Kevin Trapp

Eintracht Frankfurt

Kevin Trapp: Ehrgeizig bis zum Anschlag

Die roten Teppiche hat Kevin Trapp seit der Rückkehr aus Paris hinter sich gelassen. Dafür ist er bei der Eintracht der erhoffte Rückhalt auf dem grünen Rasen.

Mal posiert das brasilianische Topmodel Izabel Goulart lächelnd vor dem Eiffelturm, dann sieht man sie, ganz der Vamp, in einer Gondel in Venedig sitzen oder auch liegend im Bett mit einem üppigen Strauß roter Rosen, den ihr ihr Verlobter per Bote zukommen ließ. Ihr Verlobter ist Kevin Trapp, Fußballtorwart der Nationalmannschaft und bei Eintracht Frankfurt. Die Turteltäubchen zelebrierten das Jetsetleben, nicht nur in den sozialen Netzwerken.

In Paris galten beide als Traumpaar, en vogue, eine heiße Liaison, wie gemalt für die Klatschspalten. Als Kevin Trapp sich dann entschied, den Flirt mit einer anderen guten Bekanntschaft, der Eintracht, wieder aufleben zu lassen, dachte manch einer, der Glamourfaktor in Frankfurt werde rasch nach oben schnellen. Pustekuchen. Die roten Teppiche hat der 28-Jährige erst mal hinter sich gelassen, Trapp geht einfach seiner Handarbeit nach, akribisch und voller Hingabe. Die Rückkehr zur Eintracht, so viel vorneweg, ist für ihn ein Glücksfall gewesen – umgekehrt gilt das ebenso.

Keine Frage: Kevin Trapp, ein gebildeter Mann, ist während seiner Zeit in Paris beim Spitzenclub Saint Germain gereift, er kommt reflektiert und fast schon staatsmännisch daher, ist als Persönlichkeit gewachsen. Vor dem Europa-League-Spiel in Marseille übersetzte er während der Pressekonferenz seine Ausführungen ganz ungezwungen ins Französische, er hat Stil und Selbstvertrauen, er stellt etwas dar. Für einen Torwart sind Präsenz und Ausstrahlung enorm wichtig.

Kevin Trapp, cool und gewiss nicht uneitel, stand im Sommer vor seiner persönlichen Weggabelung: In Paris auf der Bank bleiben oder wieder den Fußball, den Wettkampf in den Fokus schieben. Er entschied sich für die sportliche Herausforderung, für Eintracht Frankfurt. Er geht seiner Arbeit verbissen wie früher nach, geht an Grenzen, schuftet im Training mit Torwarttrainer Manfred „Moppes“ Petz, mit dem ihn fast schon ein freundschaftliches Verhältnis verbindet und der auch in Paris stets den Kontakt zu „Trapper“ hielt. Seine tadellose Einstellung ist wichtig für die Mannschaft, er gibt sich mit Mittelmaß nicht zufrieden – dieses Sieger-Gen bekommt man bei den Topclubs eingepflanzt.

Der Saarländer ist ehrgeizig bis zum Anschlag. Dass es bis zum zehnten Spieltag dauerte, ehe er erstmals ohne Gegentor blieb, wurmte ihn. Schuld traf ihn nicht, selbst wenn er zu Beginn gewiss nicht so souverän wirkte wie jetzt. Die fehlende Spielpraxis war ihm anzumerken, er hatte auch nicht das rechte Spielglück. Gegen Bremen oder Dortmund kassierte er Tore, die er nicht verhindern muss, aber vielleicht kann. Doch spätestens seit dem Spiel in Hoffenheim, als er den Sieg mit starken Paraden festhielt, ist der Bann gebrochen. Trapp ist der erhoffte Rückhalt, er gibt der Mannschaft die notwendige Sicherheit. Ein nicht zu unterschätzender Fakt, denn ein Team, das sich erst finden muss, braucht eine Achse und ein Fundament.

Der Schlussmann ist auch kein eiskalter Engel, sondern ein empfindsamer, nachdenklicher Typ, er beschäftigt sich mit seinen Leistungen und auch den öffentlichen Bewertungen. Selbst zu seiner Pariser Zeit verfolgte er, was über ihn in der Heimat geschrieben wurde. Die Rückkehr ist für ihn eine emotionale Geschichte, die Eintracht mehr als nur ein Projekt. Wer sich ansieht, wie exaltiert er nach den Toren jubelt, kann erahnen, wie wichtig ihm diese Phase seines Lebens ist. Doch wie lange wird seine zweite Zeit am Main währen? „Es gibt Überlegungen, Kevin über die Saison hinaus zu halten“, sagt Sportdirektor Bruno Hübner. Das ist nur logisch. Aber auch realisierbar?

Trapp verdient in Paris rund fünf Millionen Euro pro Jahr, eine Summe, die die Eintracht nur schwerlich wird stemmen können. Nun, während der auf ein Jahr ausgelegten Leihe, beteiligen sich die Franzosen am Gehalt. Zudem würde eine Ablöse anfallen, weil der Torhüter vertraglich noch bis 2020 an der Seine gebunden ist. Wegen der kurzen Restlaufzeit dürfte diese aber nicht allzu üppig ausfallen. Trapp könnte sich sehr wohl vorstellen, in Frankfurt zu bleiben – wenn die Bedingungen stimmen und er eine Entwicklung im Verein sieht. Momentan ist diese ja unverkennbar.

Die Trapp-Entscheidung hat auch Auswirkungen auf die Positionen hinter ihm. Da ist Frederik Rönnow, der ursprünglich als Nummer eins geholt wurde, dann aber, auch wegen anhaltender Kniebeschwerden, auf die Bank musste. Ob er sich noch ein Jahr antun würde? Zweifelhaft. Der 26-Jährige hat auch nicht restlos überzeugen können. Felix Wiedwald, der eigentlich die Nummer zwei werden sollte, ist in der Hierarchie noch hinter Jan Zimmermann abgerutscht. Der 33-Jährige wiederum ist ungemein beliebt im Team und wichtig für die innere Hygiene. Er könnte nach seiner Karriere im Verein eingebunden werden. Kevin Trapp wird dann noch immer im Kasten stehen – die Frage ist nur, wo.

von INGO DURSTEWITZ

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