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Eintracht jubelt über den Sieg in Mailand.

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Kommentar zur Eintracht: Alleinsein in Europa

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Alleine in Europa? Vor dieser Saison war ganz bestimmt nicht abzusehen, dass die Frankfurter Eintracht Mitte März der einzige verbliebene Vertreter aus der ersten Klasse des deutschen Fußballs im internationalen Geschäft sein würde.

Was nun für so manche Branchengröße Anlass zum tieferen Nachdenken sein sollte, ist für die Adlerträger eine weitere Auszeichnung, wohl verdient, und alles andere als ein Zufall. Man reibt sich erstaunt die Augen, welche Quantensprünge dieser vor nicht einmal drei Jahren in Nürnberg am Abgrund zur Zweitklassigkeit stehende Verein gerade vollzieht.

Nach dem berauschenden Pokalsiegersommer hat sich die Frankfurter Sportgemeinde weder von schmerzhaften Abschieden allzu lange ernüchtern noch sonst wie gleich wieder auf gewohnte Verhältnisse schrumpfen lassen, ganz im Gegenteil. Dass ihr beim nächsten Kapitel der aktuellen Erfolgsgeschichte, dem Besuch im legendären Stadion San Siro, nun allerhöchstens der Vorwurf gemacht werden könnte, das Schwergewicht Inter Mailand angesichts etlicher Chancen dazu nicht schon früher auf die Bretter geschickt zu haben, drückt alleine schon aus, zu welch’ beeindruckend reifen Leistungen diese Mannschaft inzwischen in der Lage ist, voller Charakter, Courage und Klasse – und notfalls auch ohne ihren Kapitän Abraham oder Pokal- und WM-Star Rebic.

Eintracht Frankfurt: Unvergesslicher Abend in Mailand

Was immer aus den verheißungsvollen Aussichten in Bundesliga und Europa League am Ende werden mag: Dieser Abend in Mailand wird im Eintracht-Gedächtnis bleiben, da werden seit dem Berliner DFB-Pokal-Mai munter neue Erinnerungswerte aneinandergereiht. Dass die Frankfurter Fußballer und ihre Fans, der ganze Verein und alle drumherum die anderswo als lästige Zweit- oder Drittbelastung empfundene Europa League zu leben verstehen wie sonst kaum jemand, gehört auch dazu und ist das wichtigste Erfolgsgeheimnis. Umso bitterer wäre es da, sollten die unzähligen friedlichen, feier- und reiselustigen Anhänger von der nach Lissabon führenden nächsten Etappe der Traumreise ausgesperrt und ihre Helden dort ohne Unterstützung bleiben, weil ein kleiner Teil Unverbesserlicher trotz dieser drohenden Strafe wieder nicht von einem unsäglichen Feuerwerk lassen konnte. Diese Art des Alleinseins in Europa wäre dann keine Auszeichnung. Sondern ein großes Ärgernis.

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