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Markus Katzenbach

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Kommentar zu Eintracht Frankfurt: Urgewalten entfesselt

Sport-Redakteur Markus Katzenbach hält inne und blickt zurück auf eine Zahlenfolge zum Genießen.

Markus Katzenbach

Weiter, immer weiter geht es in der Welt des Fußballs, das weiß man nicht erst, seit Oliver Kahn sich das einst zum Motto machte. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel, nach der Saison ist vor der Saison. Nun, da für die Frankfurter Eintracht nach lauter Festspielen in flottem Takt fast zwei Wochen einmal der Spielbetrieb ruht, darf man ausnahmsweise aber doch einmal kurz innehalten und zurückblicken auf eine besondere Zahlenfolge, zum Genießen – 4:1, 4:1, 2:1, 7:1, 2:0, 1:1, 3:0, 3:2, 3:0. Macht zusammen acht Siege und ein Unentschieden und eine Erfolgssträhne, für die sich nach Frankfurter Verhältnissen nur noch Superlative finden.

Durch den 3:0-Heimsieg über Schalke klettert die Eintracht auf den vierten Platz

Schon fast vergessen, dass vor deren Beginn Ende September der neue Trainer Adi Hütter hier und da bereits zart angezählt wurde. Sechs Wochen voller bemerkenswerter Ergebnisse und Erlebnisse später hat die Eintracht vorzeitig die Zwischenrunde in der Europa League erreicht und in der Bundesliga den vierten Platz erobert – vor den großen Bayern und ihrem alten Trainer, Niko Kovac, der sich den beruflichen Neuanfang bei dem Pokalfinalverlierer gewiss anders vorgestellt hätte. Kovac hat in Frankfurt aus einem Fast-Absteiger einen Pokalsieger gemacht, das war eine historische Leistung. In München scheitert er gerade daran, einen alternden Serienmeister neu zu erfinden, das ist aber nicht allein sein Problem. Und bei der Eintracht? Wohnte seinem Abgang in gewisser Weise vielleicht sogar ein Segen inne, bei allem Respekt, auch wenn das niemand so offen sagen würde.

Nachfolger Hütter gewährt mehr Freiheiten – und hat nach dem holprigen Start so Urgewalten entfesselt. Mit gar nicht groß verändertem Personal übrigens. Kovacs Eintracht erkämpfte sich Ein-Tor-Unterschied-Siege, Hütter lieferte zuletzt erstaunliche Fußballfeste am Fließband. Mit einer Mannschaft, die neben ihrer Geschlossenheit, Hingabe und Energie natürlich von ihren Stürmern lebt, deren Wucht und Präzision am Ende selbst für Schalkes kantige Maurermeister zu viel waren, gegen Ende des ersten Saisondrittels, die Runde ist ja noch lang. Was wohl die nächsten sechs Wochen bringen, bis zu den Weihnachtsferien? Normalerweise wäre mal wieder ein Abwärtstrend an der Reihe. Aber normal ist in diesen Frankfurter Wochen nichts. Und so, wie Rebic und Co. gegen Schalke bis zuletzt weiter wühlten, wissen sie, was Oliver Kahn meint.

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