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Ultras im Fußball

Was geht und was geht nicht?

Kommentar zu Pyrotechnik und Co.: Zeit für klare Regelungen

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Nicht jeder, der im Stadion zündelt gehört direkt in den Knast. Aber: "Es ist Zeit für klare Regelungen, was geht und was nicht geht – und die im Zweifel auch abschreckende Wirkungen haben dürfen", sagt unser Sportredakteur Markus Katzenbach. 

Ob nun jeder, der im Stadion zündelt, gleich in den Knast gehört, sei hier einmal dahin gestellt. Wohl eher nicht. Der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit bei der Findung der richtigen Strafe für eine Verfehlung dürfte natürlich auch Peter Beuth bekannt sein, Jurist von Haus aus. In einer Hinsicht indes ist der Vorstoß des hessischen Innenministers, den er selbst mit diesen markigen Worten zusammenfasste, zu begrüßen: Wer das zuletzt wieder ausufernde Pyrotechnik-Problem in den Griff bekommen möchte, braucht dafür eine gescheite gesetzliche Grundlage – und muss in erster Linie verstehen, dass öffentliche Sicherheit Sache des Staates ist.

Markus Katzenbach

Natürlich dürfen sich die Vertreter des Fußballs ihrer Verantwortung bei gefährlichen Feuerwerken in ihren Spielstätten nicht entziehen, ebenso bei anderen Auswüchsen. Dafür stellen sie Ordnungsdienste und der Polizei auch die nötige Infrastruktur bereit, wie die Videoüberwachungsanlage in der Frankfurter Arena. Die Clubs sind gefordert, auf ihre Fan-Szene einzuwirken, dass der friedliche Rahmen gewahrt bleiben möge, und sie müssen präventive Arbeit zu leisten. Es überschreitet aber ihre Möglichkeiten und Befugnisse, Einzeltäter zu ermitteln und zu bestrafen – und darum muss es ja gehen: Diejenigen, die andere gefährden oder verletzen, ob in den Stadien oder außerhalb, ihrer Strafe zuzuführen. Nach geltendem Recht, im rechten Maß, angewandt von dafür zuständigen staatlichen Institutionen. Die dann freilich auch personell gut genug ausgestattet sein sollten.

Lange gab es ein Dilemma, das sich regelmäßig bei Verhandlungen im DFB-Sportgericht offenbarte: Da sollten wegen Fan-Zündeleien angeklagte Clubs Täternamen liefern, um selbst milder sanktioniert zu werden. Waren dabei aber auf die Behörden angewiesen, deren Mühlen langsamer mahlen als die Gerichtsbarkeit des Fußballs, die über mangelnde Arbeit ohnehin nie zu klagen haben, und die noch gar keine Schuldigen parat haben konnten. Feuer und Rauch auf den Rängen erschien angesichts anderer polizeilicher Aufgaben bisweilen auch nachrangig. Das kann man verstehen, selbst wenn sich gewisse Vorfälle nicht verharmlosen lassen. Schon gar nicht angesichts der jüngst wieder gesteigerten Zahl und Heftigkeit. Auch deshalb ist es Zeit für klare Regelungen, was geht und was nicht geht – und die im Zweifel auch abschreckende Wirkung haben dürfen.

Hessens Innenminister Peter Beuth wagt einen Vorstoß in Sachen Pyrotechnik und Fan-Ausschreitungen

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