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Eintracht Frankfurt

Kommentar zum Spieltag: Die SGE hat die Kovac-Konstanz

  • Alexander Gottschalk
    VonAlexander Gottschalk
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3:3 hieß es am Ende zwischen Eintracht Frankfurt und Hertha BSC. Das klingt im ersten Moment spektakulärer, als es wirklich war. Denn: Die SGE hat eine neue Qualität. Konstanz.

Zugegeben: Es klingt verrückt, wenn man behauptet ein 3:3 Unentschieden sei kein gigantisches Spektakel. Bei sechs Toren, einer Eintracht, die zweimal einen Rückstand aufholt und einem Ausgleichstreffer für die Heimmannschaft in letzter Sekunde. Aber sonst war es eben ein ganz alltägliches Kovac-Spiel. Aber warum?

Das fängt bei den ersten 20 Minuten an: Die SGE und die Hertha neutralisierten sich. Oder anders: Beide Mannschaften waren spielerisch nicht in der Lage, die gut gestaffelten gegnerischen Reihen zu überwinden. Kovacs Team presste in zwei Viererreihen etwas halbherzig gegen wenig zwingende Herthaner, meist nur mit Meier und Fabian, die kurz vor der Mittellinie den Berliner Spielaufbau stören sollten. Wie gewohnt hat im kollektiven Aberwehrverhalten vieles zusammengepasst. Sichere Defensive vor spektakulärer Offensive ist man mittlerweile gewohnt.

Und so setzte die SGE auch gegen Berlin meist auf lange Bälle und wenig Risiko. Die Räume im Mittelfeld waren eng, kurze Pass-Stafetten kamen selten zustanden. Mascarell und Hustzi gehen und gingen im Spielaufbau lieber auf „Nummer Sicher“. Letztlich versprang aber doch hier und da der Ball, ein Pass war zu kurz oder es fehlte die Reaktionsschnelligkeit. Ein Kombinations-Monster ist die SGE unter Kovac nicht.

Die spannendste und einzige Offensiv-Aktion blieb so lange Zeit der satte Schuss aufs kurze Eck vom Neuen in der Eintracht-Startelf Danny Blum. Der zeigte sich durchaus bemüht. Das machte das Angriffsspiel allerdings arg linkslastig. Besonders tragisch für Chandler, der bei seinen wenigen Vorstößen seine Seite verwaist vorfand: Seferovic beackerte zu häufig die Mitte. Weil Meier kaum stattfand, wie so oft, und die Berliner Fabian eng deckten, blieb die Eintracht leicht ausrechenbar.

Zumindest hatte man kaum Probleme. Bis zur 19. Minute. Dann wurde ein unter Kovac üblicher taktischer Kniff der SGE zum Verhängnis: Freistoß aus dem Halb-Feld, die Eintracht verteidigt hoch, Stocker kann den Ball im Sechszehner annehmen, lässt Seferovic mit einer Finte aussteigen und wird getroffen. Elfmeter, Tor. Soweit, so unglücklich.

In der Folge entwickelte sich ein Spiel, wie es dem Kovac-Team auch weiterhin nicht liegt: Hertha ließ die Eintracht kommen. Und die wusste nichts mit dem Ballbesitz anzufangen. Nach einer Ecke der Hertha zeigte sie dann aber ihre ganze gewonnene Qualität: Ein langer Ball – natürlich - auf Blum, der sich durchtankt und Fabian wunderbar in Szene setzt. Beim anschließenden Tor konnte man Fabians ganze technische Klasse bewundern. Mittlerweile ist er eine echte Verstärkung.

Wieder nach einer Ecke folgte die Führung. Wenn auch etwas glücklich, es bleibt dabei: Standards sind unter Kovac eine Waffe. Das zeigte auch der Beinahe-Treffer von Hrgota in der zweiten Hälfte.

Nach der Halbzeit agierte die Eintracht dann in neuer Formation. Bei gegnerischem Ballbesitz attackierte wechselnd immer wieder einer aus der Mittelfeldreihe in vorderster Front. Das half: Fabian gewann mehr Freiheit im Mittelfeld. Gleichzeitig  wirkte die Hintermannschaft immer wieder kurz unkoordiniert. Den konstant sichereren Vallejo mal ausgenommen. Vor allem die linke Seite mit Oczipka und Hector spielten unglücklich. Bei den beiden Gegentoren sahen beide nicht gut aus: Wenig Zugriff, zu weit weg vom Mann. Überhaupt zeigten sich alte Schwächen bei schnellen Seiten-Verlagerungen des Gegners.

Warum hat die Eintracht also doch noch den Ausgleich geschafft? Wegen der Kovac-Konstanz. Die Eintracht hat sich mittlerweile gefunden; sie spielt ihr Spiel herunter. Man kämpft, arbeitet und hat einen klaren Plan. Wenn Kurzpassspiel nicht funktioniert, dann muss es halt mit langen Bällen klappen. Wenn die Außenverteidiger nicht hinterlaufen, dann ruft Kovac eben die Mittelfeldzentrale zu sich, damit wenigstens dort Sicherheit herrscht. Wenn man hinten schon nicht sicher ist, dann muss man den Ball eben vorne reinkämpfen, wie Hector.

Die Eintracht hat bislang in jedem Spiel konstant das geliefert, was sie kann. Gegen Hertha hat das eben mal nur zu einem Punkt gereicht. Diese Qualität sollte dem Kovac-Team aber eine ruhige Saison bescheren.

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