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Trainer Armin Veh steht bei den Eintracht-Fans schwer in der Kritik.

Eintracht Frankfurt

Veh kontra Fans: Stimmung in Frankfurt gefährlich gereizt

Eintracht Frankfurt steckt nach dem 0:0 gegen den Hamburger SV weiter tief im Abstiegskampf fest. Zu den sportlichen Problemen kommen jetzt aber noch massive atmosphärische hinzu.

Armin Veh auf der einen Seite, immer mehr Fans auf der anderen: Mitten im ohnehin schon stressigen Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga ist die Stimmung bei Eintracht Frankfurt gefährlich gereizt. Deutlich wie nie wurde das am Umgang mit dem trostlosen 0:0 am Freitagabend gegen den Hamburger SV.

Die eigenen Anhänger pfiffen die Mannschaft lautstark aus, als die sich wenige Minuten nach dem Schlusspfiff Richtung Fankurve bewegte. Veh ging daraufhin zum Gegenangriff über. "Wenn die Jungs nach diesem Spiel ausgepfiffen werden, dann verstehe ich das nicht. Das hilft keinem", sagte er. "Unzufrieden kann man mit der ersten Halbzeit sein. Aber in der zweiten haben die Jungs alles gegeben und alles reingeworfen." Die Reaktion der Fans sei "doch nicht normal. Also bitte, dann sollen sie doch daheim bleiben."

Klare Worte eines angezählten Trainers. Dennoch hat diese Auseinandersetzung nur sicht- und vor allem hörbar gemacht, was in Gesprächen oder Internetforen schon länger gärt. Niemand in Frankfurt ist zufrieden mit einem 0:0 gegen einen direkten Konkurrenten im Abstiegskampf. Niemand ist auch zufrieden mit nur 22 Punkten nach 22 Spielen und der Art und Weise, wie die Eintracht Fußball spielt. Die Gräben rund um diesen Verein tun sich bei der Frage auf, woran das liegt beziehungsweise wer dafür die Verantwortung trägt.

Immer mehr Fans sagen: Veh ist das Problem. Nach seiner Rückkehr im Sommer sprach der einstige Heilsbringer von offensivem und mitreißendem Fußball, aber tatsächlich schleppt sich sein Team nun schon seit Monaten ohne erkennbare Idee oder Struktur in die gegnerische Spielhälfte. Am Freitagabend hing ein Plakat im Stadion, darauf war ein Wortspiel zu lesen: "Armin Geh". In den harten Zeiten kommen jetzt die alten Vorbehalte wieder hoch. Dass der 55-Jährige die Eintracht schon einmal verließ. Dass er vermeintlich nur ein Mann für die erfolgreichen Phasen des Trainerlebens ist. Aber niemand, der sich hartnäckig gegen eine Krise stemmt.

Veh trifft diese Kritik. Das wurde schon in den Tagen vor dem HSV-Spiel deutlich ("Ich stehe hier nicht im Büßerhemd"). Nach seiner Lesart hat die Krise der Eintracht vor allem etwas mit den typischen Symptomen des Abstiegskampfes zu tun. "In der ersten Halbzeit hat jeder gesehen, dass wir natürlich etwas zu verlieren haben", meinte er. "Wir waren ziemlich verunsichert." Später sagte er sogar: "Wir waren ziemlich ängstlich." Abstiegskampf lähmt, Abstiegskampf blockiert. "In so einer Situation werden die Spieler nicht besser."

Die Vereinsführung steht weiter zu ihm. "Armin Veh wackelt nicht", sagte Aufsichtsrats-Chef Wolfgang Steubing der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Wir sind in den Gremien ganz cool. Wir haben uns versprochen, nicht in Panik zu verfallen."

Und so gibt die Eintracht weiter ein paradoxes Bild ab. Vor einem Jahr hatte sie in Thomas Schaaf einen Trainer, der zumindest auf dem Papier deutlich erfolgreicher war, als es Veh aktuell ist. Bei den Fans wurde er dafür zumindest geachtet. Nur große Teile der Führung und noch größere Teile der Mannschaft sahen ihn sehr kritisch. Bei Veh ist das heute genau umgekehrt. Die Trainerfrage "stellen wir nicht", betonte auch Sportdirektor Bruno Hübner.

"Im Moment ist es so", sagte Verteidiger Marco Russ. "Wir arbeiten viel und wir kämpfen viel, aber der letzte Punch fehlt uns noch. Wir arbeiten darauf hin. Und wenn man unsere Einstellung sieht, dann kann keiner uns vorwerfen, dass wir nicht begriffen haben, worum es geht."

 

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