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Der Kopf guckt noch raus

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Charly Körbel (61) ist mit 602 Einsätzen, alle im Trikot der Frankfurter Eintracht, Bundesliga-Rekordspieler. Inzwischen schon traditionell erklärt er vor jedem Heimspiel die aktuelle Lage aus seiner Sicht.

Also, ganz ehrlich: Eigentlich habe ich keine Lust mehr. Was soll ich noch schreiben? Von Woche zu Woche, von Heimspiel zu Heimspiel, wird die Lage brenzliger, immer dramatischer. Wir wollten unbedingt vermeiden, von anderen Mannschaften abhängig zu sein. Jetzt müssen wir auf Ausrutscher der Konkurrenz hoffen und endlich auch mal selber wieder gewinnen. Die Zahl der Spiele wird kleiner, der Druck dagegen immer größer. Vier Chancen gibt es noch, die erste gegen Mainz 05. Ein besonderes Spiel, gegen den Nachbarn, gegen den Rivalen, der uns in dieser Saison deutlich den Rang abgelaufen hat, der selbst noch um die Teilnahme an der Europa League kämpft.

Natürlich kann die Eintracht es noch schaffen. Gerade weil sie ein Verein ist, der ein Spezialist für das Unmögliche ist. Leider nicht immer im positiven, sondern auch manchmal im negativen Sinn.

Schade, dass derzeit alles so negativ dargestellt wird für den Fall des Abstiegs. Nichts sei in diesem Fall da. Kein Trainer, kein Sponsor und kein Sportvorstand. Deshalb finde ich es gut, dass wohl in der kommenden Woche der neue Mann vorgestellt wird. Denn die Zeit läuft uns davon, besonders, wenn wir den Abstiegskampf verlieren würden. Selbst wenn erfolgreiche Wochen vor uns liegen, kann es passieren, dass wir erst in der zweiten Maihälfte wissen werden, in welcher Liga die Eintracht demnächst spielen wird. Ist es die Zweite Bundesliga, wäre der Trainingsstart bereits vier, fünf Wochen später.

Deshalb darf keine Zeit verschenkt werden. Wenn der neue Sportvorstand da ist, muss er mit den Kovac-Brüdern reden: „Wollt ihr bleiben, so oder so?“ Und dann müssen die drei mit Sportdirektor Bruno Hübner sofort eine Zweitliga-Mannschaft aufbauen, eventuell bevor der Abstieg feststeht. Ich würde Alex Meier einen Drei-Jahresvertrag geben, denn er ist, wie man gerade in diesen Wochen sieht, einfach unersetzlich. Ich finde es toll, dass Torhüter Lukas Hradecky bereits erklärt hat, im Notfall versuchen zu wollen, die Suppe auch wieder auszulöffeln, die man sich da eingebrockt hat.

Bei den Feldspielern würde ich, wenn ich Trainer wäre, mit Marco Russ, David Abraham, Marc Stendera, Luca Waldschmidt und Luc Castaignos reden, hoffen, dass sie gerne hier bleiben. Dann wäre wenigstens ein Grundstock da. Auch Stefan Aigner würde ich nicht gleich abschreiben, würde ihn fragen: „Wie siehst du das?“

Leider hat unser Finanzvorstand Oliver Frankenbach schon erklärt, dass wir auf Geld aus Verkäufen angewiesen wären, um einen guten Zweitliga-Etat erstellen zu können. So viele Spieler, die wirklich Geld bringen, haben wir aber leider nicht. Am meisten gäbe es für unsere Nummer eins, aber die würde ich unbedingt halten wollen. Lukas ist nicht nur ein starker Keeper, sondern auch ein starker Typ. Und die braucht man natürlich, wenn man gleich wieder oben mitspielen will.

Wie gesagt, noch ist die Eintracht nicht abgestiegen. Aber die Lage ist halt so, dass man sich konkret mit dieser Möglichkeit beschäftigen muss. Wobei ich unserer Mannschaft durchaus Siege gegen Mainz sowie in Darmstadt zutraue. In Leverkusen hat sie 65 Minuten lang mit das beste Spiel seit Monaten gezeigt. Aber so ist das eben, wenn du unten stehst. Bayern-Profi Arturo Vidal nimmt den Ball mit vollem Risiko und drischt ihn ins Tor, unser Sonny Kittel nimmt den Ball mit vollem Risiko, trifft ihn auch noch gut, aber der Ball rauscht um Zentimeter am Pfosten vorbei. Aber ich mache ihm keinen Vorwurf. Das war richtig, was er versucht hat. Und Stefan Aigner hätte seine Chance in der vergangenen Saison vermutlich auch blind reingemacht, diesmal scheitert er am Torhüter. Von dem Trio Seferovic, Meier und Aigner hat in der Vergangenheit immer irgendeiner getroffen, derzeit ist das aus den verschiedensten Gründen nicht der Fall.

Trotz des 0:3 macht der Auftritt in Leverkusen Mut, da hat sich die Mannschaft ordentlich verkauft. Ich wünsche ihr, aber auch unserem Trainerteam, dass sie mal wieder in Führung geht. In einer solchen Phase ist das Gefühl, ein Tor erzielt zu haben, unheimlich wichtig.

Sollte man Mainz und Darmstadt schlagen, dann wäre plötzlich selbst gegen Dortmund etwas drin. So verrückt ist der Fußball. Aber ob das reichen würde, weiß niemand. Denken wir an das vergangene Wochenende: Da haben ja wirklich alle Konkurrenten gegen uns gespielt. Aber das hatte ich im Januar schon gesagt: Im Abstiegskampf gibt es immer überraschende Ergebnisse, mit denen keiner gerechnet hat. Andererseits: So böse kann der Fußballgott nun wirklich nicht auf uns sein, dass sich solche Ergebnisse noch oft wiederholen.

Kurzum, nur der Kopf guckt noch raus, der Rest ist schon in der Zweiten Liga. Ich sehe und verstehe die Verzweiflung der Fans, höre noch, wie sie nach unserem letzten Aufstieg gerufen hatten: „Nie mehr gegen den FSV, nie mehr Zweite Liga!“ Obwohl, der ist ja auch noch nicht gerettet ... Ich kenne Heidenheim jedenfalls noch nicht. Und ich hoffe, dass sich daran auch nichts ändert.

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