+
Klare Vorstellungen: Seit nun zwei Jahren gibt Niko Kovac bei der Eintracht die Richtung vor ? und das sehr erfolgreich.

Eintracht Frankfurt

Kovac hat die Eintracht weit voran gebracht

  • schließen

Als Niko Kovac die Eintracht vor zwei Jahren übernahm, befand sie sich in höchster Abstiegsgefahr. Jetzt steuert sie auf Europa zu – und ist überhaupt kaum wiederzuerkennen. Das Credo des Trainers: „Hart arbeiten bringt uns voran.“

Am Donnerstag ist Niko Kovac zwei Jahre Trainer bei der Frankfurter Eintracht. Und er hat, so viel kann man ohne Übertreibung sagen, die Mannschaft umgekrempelt. Die Eintracht spielt einen anderen Fußball als noch vor zwei Jahren, sie spielt einen besseren Fußball, auch einen erfolgreicheren. Übernommen hat Kovac den Club in höchster Abstiegsgefahr. Mit ein bisschen Glück, aber vor allem viel Entschlossenheit, hat er 2016 in den letzten elf Spielen inklusive Relegation den Absturz in die Zweitklassigkeit verhindert. In der vergangenen Saison hat er die Eintracht ins Pokalendspiel geführt und in der Liga zu einem ruhigen Frühjahr ohne Existenzängste verholfen. Und aktuell, in Kovacs dritter Saison, stehen die Frankfurter kurz vor dem Einbiegen in die Zielgerade auf einem Champions-League-Platz und haben beste Chancen, in der kommenden Spielzeit europäisch zu spielen. Kovacs Bilanz seiner bislang 80 Pflichtspielen mit den Frankfurtern: 37 Siege, 16 Unentschieden, 27 Niederlagen.

Es hat gedauert, bis sich die Spieler an den Trainer Kovac und dessen Methoden gewöhnt hatten. Auch jetzt noch, wenn neue dazukommen, brauchen sie Zeit zur Eingewöhnung. Aber der Erfolg gibt ihm Recht und die Spieler sind trotz viel höherem Aufwand, den sie gegenüber früheren Jahren betreiben müssen, voll des Lobes. Wer Erfolg hat, hat recht.

„Der Trainer hat ganz, ganz viel geändert“, hat am Dienstag Makoto Hasebe gesagt, einer der erfahrensten Profis im Kader. „Taktik und Training sind anders“, sagt der 34 Jahre alte Kapitän der japanischen Nationalmannschaft, „aber auch die Abläufe sind professioneller, zum Beispiel das Essen“. Die Ernährung wurde umgestellt, der Tagesablauf sowieso. Der Arbeitstag umfasst inzwischen viele Stunden täglich, beginnend mit gemeinsamen Frühstück über das eigentliche Training hinaus, Sondereinheiten im Kraftraum, Video-Analysen, Blutuntersuchungen auf dem Platz. All das hat es auch schon vorher gegeben und wurde auch nicht neu erfunden, aber nun ist alles eine Spur intensiver. Kovac ist offen für wissenschaftliche Einflüsse, nutzt eben diese wissenschaftlichen und medizinischen Erkenntnisse, um die Mannschaft gewinnbringend nach vorne zu bringen.

Kovac ist ehrgeizig, er kann und will nicht verlieren. Das alleine aber macht noch nicht den Unterschied zu vielen seiner Kollegen aus. Der liegt in der Persönlichkeit des 46 Jahre alten Kroaten, der in Berlin geboren wurde und dort aufgewachsen ist. Er bestritt selbst 241 Bundesligapartien, für die Hertha, Bayer Leverkusen und den Hamburger SV, wurde mit dem FC Bayern Meister und Pokalsieger. Er war kroatischer Nationalspieler und kroatischer Nationaltrainer. Er hat das Feuer des Südländers. Doch irgendwie, ganz in seinem Innersten, ist er auch Deutscher. Fleißig, pünktlich, akkurat. Kovac ist selten zufrieden, findet selbst nach guten Leistungen noch den einen oder anderen Punkt, der zu verbessern ist. Er ist ein Getriebener und einer, der treibt. Damit hat er diese Eintracht weit vorangebracht.

Dabei ist sein Ansatz ziemlich einfach. „Hart arbeiten bringt uns voran“, sagt er. Harte Arbeit würde den Spielern auch ein gutes Gefühl vermitteln. Die Eintracht gehört unter Kovac und seinem Trainerteam zu den laufstärksten Mannschaften. Die körperlichen Voraussetzungen sind gut, besser als beim einen oder anderen Konkurrenten. Die Fitness war die Basis in den letzten eineinhalb Jahren unter Kovac. Doch damit alleine wollte er sich nicht zufrieden geben. Er hat gegrübelt und analysiert und Pläne entworfen, wie er auch das Spielerische verbessern kann. Und es ist ihm gelungen. Der Leistungssprung seit der kurzen Winterpause mit dem auch nur fünf Tage dauernden Trainingslager in Spanien ist frappant. Es habe „ein bisschen gedauert“ bis die Spieler die Ideen „verinnerlicht“ hätten, sagt er im kurzen Blick zurück, „das ist jetzt gelungen“.

Kovac ist nach außen jovial, er betont das Menschliche in seiner Arbeit, er lebt diesen Charakterzug. Intern aber kann er auch hart sein, ein Fordernder. Er gibt sich nicht zufrieden mit dem durchaus guten Ist-Zustand der Eintracht. Er will mehr. Und hat mit Sportvorstand Fredi Bobic einen Bruder im Geiste an seiner Seite. Kovac und Bobic, übrigens auch dessen Vorstandskollege Axel Hellmann, wollen weiterentwickeln. Bei Kovac ist es die Mannschaft. Da hat er klare Vorstellungen. Als er im Sommer bemerkt hat, dass die Substanz vielleicht doch nicht ausreichend sein könnte, hat er auf weitere Neuzugänge gedrängt. Kevin-Prince Boateng und Ante Rebic sind noch gekommen, zwei Spieler, die den Unterschied ausmachen. Kovac hat auch darauf bestanden, dass Lukas Hradecky geblieben ist und das monatelange Hick-Hack um den Torwart beendet wurde. Nur drei Beispiele von Kovacs Entschlossenheit, manchmal auch Unnachgiebigkeit.

Nun steht die Eintracht vor dem nächsten Entwicklungsschritt. Aller Voraussicht nach mit Kovac. Zwar haben dessen Erfolge und seine grundsätzliche Arbeitsweise Begehrlichkeiten bei der besser betuchten Konkurrenz geweckt. Doch der Vertrag in Frankfurt läuft noch bis 2019. Und es spricht alles dafür, dass Kovac ihn erfüllt. Alles andere würde nicht seinem Selbstverständnis von Moral, Anstand und Zuverlässigkeit entsprechen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare