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Kovac feilt in Abu Dhabi am Angriffsspiel

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Gut angekommen in Abu Dhabi ? und gleich bei der Arbeit: Trainer Niko Kovac will im Wintercamp gezielt eigene Attacken üben.
Gut angekommen in Abu Dhabi ? und gleich bei der Arbeit: Trainer Niko Kovac will im Wintercamp gezielt eigene Attacken üben. © Jan Huebner

Zum Start des Trainingslagers in Abu Dhabi lässt es Eintracht-Trainer Kovac ruhig angehen. Das wird nicht so bleiben. Vor allem Angriffe gilt es zu üben – vorerst weiter mit Haris Seferovic.

Wer die Anlage des Emirates Palace in Abu Dhabi das erste Mal besucht, der glaubt leicht, sich in einer Wohlfühloase zu befinden. Kein Wunder, dass Trainer Niko Kovac schon wenige Stunden nach der Ankunft in dem Golfstaat noch einmal deutlich gemacht hat, dass die Fußballprofis der Frankfurter Eintracht mit harter Arbeit in den kommenden zehn Tagen zu rechnen haben. „Wir sind zwar als Tabellenvierter hierher gekommen, haben also bisher nicht viel falsch gemacht. Aber das alles zählt nicht mehr, wir wollen uns in allen Bereichen steigern.“

Am ersten Tag des Trainingslagers ließ es der Coach trotzdem noch relativ ruhig angehen. Schließlich waren die 24 Feldspieler und die drei Torhüter nach einem sechsstündigen Nachtflug erst gegen sechs Uhr gelandet. Um neun Uhr wurde gefrühstückt, dann wurde ein paar Stunden geschlafen, ehe um 14 Uhr das Mittagessen anstand. Danach wieder etwas Ruhe. Erst um 17 Uhr traf man sich, natürlich auch mit Geburtstagskind Jesus Vallejo (20), auf dem Trainingsplatz. „Die Knochen sind etwas müde, da müssen wir es behutsam angehen“, meinte Kovac: „Wir wollen ja nicht gleich den ersten Verletzten beklagen.“

Schließlich will er am Sonntag in einer Woche, wenn es wieder zurück in die deutsche Kälte geht, das Gefühl haben, „dass wir gut gearbeitet und uns weiter entwickelt haben.“ Er ist überzeugt davon. Die Mannschaft habe immer gut mitgezogen, seit er in Frankfurt das Sagen hat. Und bei der Trainingssteuerung, beim Wechselspiel zwischen Belastung und Regeneration helfen ihm die Erfahrungen, die selbst als Profi gesammelt hatte: „Manchmal war ich fit, manchmal nicht. Und ich konnte immer sagen, warum ich fit war oder eben nicht.“ Viele dieser Prinzipien habe er übernommen.

Auf der Hut sein

Nach der relativ kurzen Winterpause sei die Grundlagenausdauer noch vorhanden, die Konditionsarbeit kann etwas im Hintergrund bleiben: „Wenn wir viele lange Läufe machen, dann sind wir beim Start in Leipzig nicht frisch.“ Man müsse vielmehr versuchen, wieder viel Tempo ins Spiel zu bekommen und an den Grundtechniken feilen. Der Trainingsplatz neben dem Hotel sei dafür gut geeignet: „Trockenübungen sind zwar auch notwendig, aber hier können wir gut viel mit dem Ball arbeiten.“

Der Trainer weiß, dass die bereits gewonnenen 29 Punkte zwar ein starkes Ergebnis, aber kein Ruhekissen sind: „Die hinter uns stehenden Mannschaften werden alles versuchen, uns zu überholen.“ Weshalb er nicht im Traum daran denkt, das Saisonziel von 40 Punkten derzeit zu verändern. Elf fehlende Zähler aus noch 18 anstehenden Partien scheinen zwar keine ernsthafte Aufgabe darzustellen, aber schon der Auftakt könnte schwer werden: „An den kommenden vier Spieltagen treten wir drei mal bei Spitzenteams an, nur Darmstadt kommt zu uns.“ Ein Derby, das Schlusslicht kommt mit neuem Trainer – da müsse man auch verdammt auf der Hut sein.

Beide Tests mit Seferovic?

Vermutlich hat der Vorrundenplan der Eintracht auf ihrem Erfolgsweg auch geholfen. Zu Hause sah sie gegen starke Teams gut aus, auswärts konnte sie bei den Schwächeren ordentlich punkten. In den kommenden Monaten ist das genau umgekehrt. Auswärts warten die dicken Brocken, im Stadtwald werden viele Gegner ihr Heil in einer verstärkten Defensive suchen. Was zu einem weiteren Schwerpunkt des Trainingslagers führt: „Der Angriffsbereich liegt uns sehr am Herzen.“ Soll heißen, dass hier noch Luft nach oben ist, dass Prinzipien eingespielt werden müssen, um Beton knacken zu können. Viel verraten wollte der Coach nicht, doch eine Möglichkeit ließ er durchblicken: Man verlagere das Spiel auf einen Flügel, dann ein rascher Seitenwechsel, „und dort kann man dann über den Gegner fahren.“ Auswärts müsse man sich dagegen auf die Abwehr verlassen können. Die kassierte bisher zwar nur zwölf Gegentore, aber auch hier seien Verbesserungen möglich. Kovac plakativ: „Der Sturm gewinnt Spiele, die Abwehr Meisterschaften.“

Inzwischen scheint klar zu sein, dass die Eintracht in Abu Dhabi den Ernstfall zwei Mal testen kann. Am Sonntag geht es wohl gegen den chinesischen Erstligisten Changchun Yatei FC, Ex-Club von Szabolcs Huszti, am Samstag drauf wird Zenit St. Petersburg der Gegner sein. Kovac rechnet damit, dass Haris Seferovic bei beiden Tests zur Verfügung steht. Dass sich der Stürmer laut portugiesischer Medien inzwischen mit Benfica Lissabon einig sei, konnte er nicht bestätigen: „Davon habe ich nichts gehört.“ Ausschließen wollte er aber den Verkauf des Schweizers in dieser Transferperiode auch nicht: „Wir haben einige Ideen für diesen Fall, aber das heißt nicht, dass wir sie auch realisieren können.“

Wechsel im Winter seien ein schweres Geschäft: „Da wird von allen Seiten geschachert und gepokert“, weiß Kovac. Weshalb er auch nicht annimmt, dass im Fall des Falles ein neuer Stürmer noch in Abu Dhabi zum Team stößt: „Wir haben ja bis Ende Januar Zeit.“ Und es gibt ja auch noch die Möglichkeit, dass Seferovic erst im Sommer geht, wenn sein Vertrag ausläuft. Dass dieser, wie von Sportvorstand Fredi Bobic erhofft, so oder so verlängert wird, davon ist derzeit bei der Eintracht wenig zu hören.

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