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Keine gemeinsame Zukunft: Auch Änis Ben-Hatira (links) hat Niko Kovac schon erklärt, dass er künftig nicht mehr auf ihn baut.

Eintracht Frankfurt

Kovac knallhart: Das große Ausmisten

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Bei der Eintracht wird umgebaut. Zuletzt musste Ignjovski gehen. Doch was ist Castaignos oder Fabián? Oder den Jungen?

Am 8. März hat Niko Kovac als Nachfolger von Armin Veh seinen Dienst bei der Frankfurter Eintracht angetreten. Gut zehn Wochen hat er als Trainer gearbeitet und in letzter Minute mit dem Sieg in der Relegation beim 1.FC Nürnberg die Klasse erhalten. Über Personalien hatte Kovac in den zweieinhalb Monaten des Abstiegskampfes in der Fußball-Bundesliga so gut wie nie geredet. „Wir brauchen alle“, lautete sein Credo. Und tatsächlich hat er den einen oder anderen, der bei seinem Vorgänger keine Rolle mehr gespielt hatte, wieder integriert. Beste Beispiele sind Verteidiger Timothy Chandler und Angreifer Mijat Gacinovic. Kovac hat also Wort gehalten.

Genauso macht der 44 Jahre alte ehemalige kroatische Nationaltrainer nun weiter, knallhart und konsequent. „Alle und alles“ würden auf den Prüfstand kommen, hatte er nach der Rettung angekündigt und sich gemeinsam mit dem neuen Sportvorstand Fredi Bobic und Manager Bruno Hübner daran gemacht, die letzte Saison aufzuarbeiten und daraus Schlüsse zu ziehen für die neue Spielzeit. Das Dreigestirn ist dabei, den Kader auszumisten. Mit freundlichen Worten zwar, dennoch klar und deutlich.

Jüngstes „Opfer“ war Aleksandar Ignjovski. Dem 25 Jahre alten defensiven Mittelfeldspieler, bei der Eintracht ab und zu auch als Verteidiger eingesetzt, wurde mitgeteilt, dass er in Kovacs Planungen keine große Rolle spielen wird. Ignjovski hat darauf reagiert und sich einen neuen Arbeitgeber gesucht. Er wird in Zukunft für den SC Freiburg spielen. Die Eintracht wird für ihn, der vor zwei Jahren ablösefrei von Werder Bremen gekommen ist, eine kleine Ablösesumme erhalten, geschätzt eine halbe Million Euro.

Bei Kovac hatte der stets freundliche Kämpfer Ignjovski kaum eine Rolle gespielt. Und musste nun gehen. So wie vor ihm das Talent Sonny Kittel oder der linke Verteidiger Constant Djakpa. Und sogar Änis Ben Hatira. Sie alle hatten ihre Chance bei Kovac, haben sie aus Sicht des Trainers aber offenbar nicht ausreichend genutzt. Auch diesem Trio wurde mitgeteilt, dass in Zukunft für sie kein Platz mehr bei der Eintracht sein wird.

Dass Stefan Reinartz aus eigenem Antrieb um Auflösung seines Vertrages gebeten hat, hat Kovac wohl auch in den Kram gepasst. Bobic, Hübner und Kovac wollen den Kader in weiten Teilen umbauen. Mit Ausnahme von Haris Seferovic und Heinz Lindner, die mit ihren Nationalmannschaften bei der EM weilen, sind alle anderen Spieler in Urlaub. Und der eine oder andere muss durchaus zittern um seinen Job. Denn wenn der Trainer weiter so konsequent vorgeht, könnte es auch für Luc Castaignos und Marco Fabián eng werden. Beide gehörten nicht gerade zu jenen Spielern, denen Kovac im Abstiegskampf viel Vertrauen geschenkt hat.

Ganz spannend wird es sein, zu beobachten, wie die Eintracht in den nächsten Wochen mit den jungen Spielern umgeht, mit jenen, die aus der eigenen Jugend nach oben gekommen sind, den Sprung aber (noch) nicht wirklich geschafft haben. Nico Rinderknecht (18), einmal in der Bundesliga eingesetzt, wurde schon gesagt, dass er gehen kann. Joel Gerezgiher (20) kehrt vom FSV Frankfurt zurück. Dort war er in der Rückrunde der Zweiten Liga ebenso auf dem Abstellgleis gelandet wie zuvor in der Vorrunde bei der Eintracht.

Von Luca Waldschmidt (20) haben die jüngsten Frankfurter Trainer wie Thomas Schaaf, Armin Veh und Niko Kovac allesamt schon in höchsten Tönen geschwärmt. Und doch ist der junge Mann meist auf der Bank versauert. Und da ist auch noch Enis Bunjaki (18). Er wurde schon vor einem Jahr mit einem Profivertrag ausgestattet. Bei der A-Jugend war er dann wegen disziplinarischer Verfehlungen in Ungnade gefallen, durfte aber unter Kovac bei den Profis mit trainieren.

Was also passiert mit diesem Trio? Sportvorstand Bobic hat bei der „Sport-Bild“ gesagt, die Eintracht wolle „ein Ausbildungsverein“ sein. Junge Spieler sollten die Möglichkeit erhalten, „bei uns besser zu werden“. Doch werden sie besser, wenn sie keine Einsatzzeiten haben? Und grundsätzlich: Haben sie die Qualität, um sich tatsächlich auf höchstem Niveau durchzusetzen? Kovac wird auch diese Fragen bald beantworten müssen.

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