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Ein neues Erfolgsgespann: Eintracht-Trainer Niko Kovac (links) und Danny da Costa.

Eintracht Frankfurt

Kovac hat aus Problemfällen Leistungsträger geformt

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Europa ist für die Frankfurter Eintracht in Reichweite – dank eines großen, ausgeglichenen Kaders und der positiven Entwicklung einiger Spieler.

Geht da wirklich noch mehr? In Frankfurt ist man begeistert von der besten Eintracht seit 25 Jahren: Platz vier, auf Augenhöhe mit Clubs wie Dortmund, Schalke, Leverkusen und Leipzig. Und in der Fußball-Bundesliga sind nur noch neun Spieltage zu absolvieren. Da ist es schon fast logisch, dass man sich mit Dienstreisen durch Europa beschäftigt. Heimlich natürlich, aber inzwischen werden auch die Statements in der Öffentlichkeit zu diesem Thema entspannter. „Es tut uns gut, wenn man auf die Tabelle schaut“, hat der Frankfurter Sportvorstand Fredi Bobic nach dem 1:0 über Hannover 96 lächelnd gesagt. Das kann man auch so deuten: Ab sofort wird alles mitgenommen, was irgendwie möglich ist.

Und es ist einiges möglich. Die noch ausstehenden fünf Auswärtsspiele in Dortmund (am Sonntag), Bremen, Leverkusen, München und Schalke haben es zwar in sich. Doch die Eintracht gehört nach den Bayern zu den auswärtsstärksten Teams der Liga. Und zu Hause trifft sie noch auf Mainz, Hoffenheim, Berlin und Hamburg. Das bietet die Chance auf einige Punkte mehr als die aktuellen 42. Denn die Mannschaft hat – gerade rechtzeitig zum Saison-Endspurt – ihre Heimschwäche abgelegt: In diesem Jahr hat die Eintracht zu Hause 13 von 15 möglichen Punkten geholt. Und so wird fleißig gerechnet. Vor noch nicht allzu langer Zeit reichten 55 Punkte für die Königsklasse (Mönchengladbach) und 48 für die Europa League (Freiburg). Rosige Aussichten also.

Dank der Transferpolitik vor der Saison und der Arbeit des Trainers. Ein Einbruch wie während der Rückrunde der vergangenen Saison hat bislang nicht stattgefunden, ist auch nicht zu erwarten. „Die Mannschaft ist sehr ausgeglichen“, sagt Niko Kovac: „Das macht uns aus: Dass wir ein großes Pfund an Spielern haben.“ Der Konkurrenzkampf im Team ist groß. Kovac kann nach einem schwachen Spiel – wie in Stuttgart – reagieren und neue Leute bringen. Und die werfen dann das Ruder – wie gegen Hannover – herum.

Und Kovac hat aus Reservisten und ehemaligen Problemfällen Stammspieler und Leistungsträger geformt.

  Beispiel Danny da Costa: Nach dem Sieg gegen Hannover stand der 24-Jährige wie ein großes, glückliches Kind in der Interview-Zone und musste immer wieder über sein erstes Tor in der Bundesliga sprechen. „Pures Glück“ empfand da Costa, hinter dem eine entbehrungsreiche Zeit lag – auch bei der Eintracht. Gerade einmal 25 Minuten war der Ex-Leverkusener während der Hinrunde zum Einsatz gekommen. An Timothy Chandler und Marius Wolf kam er als rechter Verteidiger zuerst nicht vorbei. Und eine Sehnenverletzung warf ihn im vergangenen Jahr wochenlang zurück. Aber dann begann Kovac, die Mannschaft umzubauen. Und da Costa stand bereit, so wie es der Trainer verlangt. „Er ist einer, der im Training immer Gas gibt“, lobt der Coach die Einstellung seines Flügelspielers: „Auch wenn er nicht im Kader und enttäuscht war, hat er keine schlechte Stimmung verbreitet, sondern er hat die Ärmel hochgekrempelt und gearbeitet. So erwarte ich mir das.“ Seit fünf Pflichtspielen ist der ehemalige Junioren-Nationalspieler fester Bestandteil der Startelf.

  Beispiel Marius Wolf: Der 22-Jährige kam im Januar 2017 auf Leihbasis nach Frankfurt, nachdem er bei Hannover 96 zeitweise in die zweite Mannschaft abgeschoben worden war. Und er wirkte damals noch ziemlich schmächtig. „Wir müssen ihn erst mal aufpäppeln“, meinte Kovac. Das hat geklappt. Wolf ist momentan aus der Stammformation nicht weg zu denken. Kovac hat in dem gebürtigen Coburger das Stürmer-Gen wiederbelebt. Fünf Tore und acht Vorlagen stehen in Liga und Pokal zu Buche. Freund und Kollege Kevin-Prince Boateng sieht Wolf als künftigen Nationalspieler. Die Eintracht wird ihn für 500 000 Euro fest verpflichten und möglicherweise demnächst für einen Millionenbetrag verkaufen können.

  Beispiel Kevin-Prince Boateng: Als er vor der Saison auf den letzten Drücker nach Frankfurt kam, gab es einige Skeptiker. So eine schillernde Figur bei der Eintracht – kann das gut gehen? Es ging gut. Boateng hat konditionelle Defizite aufgeholt. Er hat sich eingeordnet. Und er hat – auch ohne Amt – eine Führungsrolle in der Mannschaft. „Er pusht mich“, sagt der 30-Jährige über seinen ehemaligen Berliner Mannschaftskollegen Niko Kovac: „Mit Dir kann ich Kriege gewinnen, hat er immer gesagt.“

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