Sie stehen fest zusammen: Eintracht-Trainer Veh (rechts) und Kapitän Alexander Meier.
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Sie stehen fest zusammen: Eintracht-Trainer Veh (rechts) und Kapitän Alexander Meier.

Eintracht Frankfurt

Krise um Armin Veh: Meier bricht Lanze für seinen Coach

  • vonPeppi Schmitt
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Die Kritik von „Experten“ wird zum Selbstläufer. Kapitän Meier stützt derweil den Trainer und verteidigt die Fans.

Die sportliche Krise der Frankfurter Eintracht ist offensichtlich. Vier Spiele in Folge ohne Sieg, nur noch vier Punkte Vorsprung auf den ersten direkten Abstiegsplatz in der Fußball-Bundesliga, nur noch zwei auf den Relegationsplatz – das kann und will niemand übersehen. Verschärft wird die Situation noch durch die massive Kritik an Trainer Armin Veh, die seit dem 0:0 gegen den Hamburger SV vom vergangenen Freitag auf ihn einprasselt. Und durch den unbedachten Satz des erfahrenen Fußball-Lehrers, Zuschauer sollten  . Längst greifen die Mechanismen des Geschäfts, die Kritik wird zum Selbstläufer, ob berechtigt oder nicht. Nun melden sich sogenannte „Experten“ zu Wort und kritisieren alles und jeden und selbst aus der Fan-Szene kommen schwerwiegenden Vorwürfe. Eine Gemengelage, die nichts Gutes verheißt.

Kapitän Alexander Meier hat in dieser schwierigen Situation, sechs Tage vor dem Heimspiel gegen Schalke 04, nun eine Lanze gebrochen für den Trainer und für die Fans. Gerade der harte Kern der Eintracht-Anhänger habe nach dem Spiel gegen den HSV eben nicht gepfiffen. „Viele haben uns sogar applaudiert, als wir nach Schluss vor die Fankurve gegangen sind“, sagte Meier am Montag, „sie haben anerkannt, dass wir alles gegeben hatten.“ Und er sei sicher, „dass sie gegen Schalke wieder hinter uns stehen werden.“

Bei der grundsätzlichen Bewertung des Spiels ist Meier ganz bei seinem Trainer. „Die erste Halbzeit war wirklich schlecht, da waren alle total verkrampft“, sagt er im Rückblick, „die zweite Halbzeit aber war in Ordnung.“ Niemand könne in einer solchen Lage erwarten, „dass wir spielerisch glänzen.“ Es gehe nur über den Kampf und dazu sei die Mannschaft immer bereit.

Dass der Trainer immer mehr zum Objekt von sachlicher und unsachlicher Kritik wird, spüren die Spieler natürlich. Probleme zwischen Coach und Spielern aber gebe es keine.

„Da stimmt alles“

, sagt Meier. Im Klartext: Die Mannschaft steht weiter uneingeschränkt hinter ihrem Trainer. Und auch innerhalb des Teams herrsche „große Harmonie“. Veh selbst wollte sich am Montag nicht öffentlich äußern.

Über die Anwürfe von Weltmeister Thomas Berthold („Rumpelfußball“), geäußert bei Sport 1, können sie bei der Eintracht nur den Kopf schütteln. Nicht wegen der kritischen Worte an sich, die sind ja in einzelnen Fällen durchaus berechtigt, sondern wegen der Verallgemeinerungen. Dass Berthold schon lange ein Problem mit Trainer Veh hat, ist bekannt. Grund unter anderem: Veh weigert sich seit Saisonbeginn hartnäckig ins TV-Studio des HR zu gehen, eben auch, weil er dort nicht auf den „sogenannten Experten“ Berthold treffen will.

Im Vorstand herrscht die Meinung vor, dass Berthold nur so reden könne, weil er nie irgendwo in der Verantwortung gestanden habe. Hinter vorgehaltener Hand heißt es in der Liga auch, dass der 51 Jahre alte frühere Nationalspieler auch gefrustet sei, weil er seit seinem kurzen Engagement (Juli 2003 bis März 2005) bei Fortuna Düsseldorf bei keinem weiteren Club mehr wirklich gefragt war.

Deutlich ernster nehmen als Bertholds Anwürfe muss die Eintracht Schlagzeilen in einem Artikel der Fan-Zeitung „Fan geht vor“, die vor den Heimspielen verkauft wird. In der jüngsten Ausgabe behauptet der Schreiber Jörg Heinisch, der normalerweise nur als Autor witziger oder historischer Eintracht-Bücher auffällt, ohne Angabe von Quellen unter der Überschrift „Der verlorene Kampf gegen die Disziplinlosigkeit“ unter anderem:

• Im Trainingslager in Abu Dhabi sei das Training „viel zu wenig intensiv“ durchgeführt worden. Der Trainer werde in Spielerkreisen „nicht unbedingt von allen Seiten geliebt.“

• Die aktuelle Krise sei schon in der letzten Saison unter Trainer Thomas Schaaf ausgelöst worden. Es sei viel „Unangenehmes“ vorgefallen. Unter anderem wird von der Disziplinlosigkeit der sogenannten „Südamerika-Fraktion“ (Valdez, Piazon, Zambrano) geschrieben. Auch in dieser Saison gebe es wieder Eskapaden.

• Abwehrchef Zambrano wird heftig angegriffen, weil er zwei Tage vor dem Spiel gegen Darmstadt die Nacht „bis mindestens um 4.30 Uhr durchgemacht“ habe. Im Zusammenhang mit Haris Seferovic gebe es Probleme, „von der Art von der die Eintracht hofft, dass sie nicht bekannt werden.“

Harter Tobak, den der Autor nicht wirklich belegt. Es ist eine Mischung aus Gerüchten, Halbwahrheiten und Wahrheiten, freilich brandgefährlich für das Binnenklima der Eintracht. Das angeblich zu lasche Training in Abu Dhabi haben Beobachter vor Ort komplett anders bewertet. Probleme von Spielern mit dem Trainer sind bislang nicht im Ansatz bekannt geworden. Die nicht immer professionelle Einstellung von Spielern wie Zambrano und Seferovic wurden schon einige Male öffentlich thematisiert und vom Trainer bzw. dem Verein sanktioniert. Es passt freilich ins Bild und wirft kein gutes Licht auf Club und Mannschaft, dass diese Dinge nun in die Öffentlichkeit geraten.

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