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Die Leiden der jungen Wilden

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Von: Peppi Schmitt

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Mehr Frust als Lust: Auch Marc Stendera hat in der Abstiegsnot viel Grund zum Hadern.
Mehr Frust als Lust: Auch Marc Stendera hat in der Abstiegsnot viel Grund zum Hadern. © Uwe Anspach (dpa)

Sie gelten als große Talente, wurden aber alle drei auch schon von schweren Verletzungen gebremst. Kittel, Stendera und Waldschmidt kämpfen gegen den Abstieg – und für den Durchbruch.

Sie haben schon viel Lob gehört, die jungen Spieler im Aufgebot der Frankfurter Eintracht. Sonny Kittel gilt schon seit vielen Jahren als eines der größten Talente im deutschen Fußball. Er habe „außergewöhnliche Fähigkeiten“, hat der frühere Trainer Thomas Schaaf mal gesagt. Marc Stendera hat Schaafs Vorgänger und Nachfolger Armin Veh prophezeit, „dass er bald schon der Anführer der Eintracht sein wird“. Gar mit dem italienischen Superstar Andrea Pirlo wurde er schon verglichen. Und Luca Waldschmidt wurde gerade vom aktuellen Trainer Niko Kovac mit den Worten geadelt, „dass er ganz bestimmt ein guter Bundesligaspieler wird“.

Doch nicht immer korrespondieren die Worte mit den Taten. Und so gilt für die Eigengewächse durchaus, dass sie viel Talent besitzen, aber ebenso, dass noch keiner von ihnen den ganz großen Durchbruch geschafft hat und der Mannschaft gerade in dieser Saison so viel helfen konnte, wie es denn alle hoffen. Die Gründe dafür sind unterschiedlich. Auffallend freilich ist, dass alle drei mit ihren jungen Jahren schon schwere Verletzungen hinter sich haben, die Entwicklung also immer wieder unterbrochen wurde.

Beim inzwischen 23 Jahre alten Kittel haben sich Kreuzbandrisse und Knorpelschäden in beiden Knien quasi abgewechselt. Es ist ein kleines Wunder und spricht für Einstellung und Moral des Spielers, dass er immer wieder zurückgekommen ist. Auch der 20 Jahre alte Stendera hat schon einen Kreuzbandriss und die damit verbundene Leidenszeit hinter sich. Und der noch 19 Jahre alte Waldschmidt hat sich im vergangenen Jahr immer wieder mit Leistenproblemen geplagt und musste operiert werden.

Das sind natürlich nicht die besten Voraussetzungen, um als Jugendlicher im Profifußball durchzustarten. Und so wird das Trio nach wie vor in der Kategorie „Talent“ eingeordnet und noch nicht etwa als Leistungsträger oder gar Star wie andere, beispielsweise der Schalker Leroy Sane oder der Münchner Joshua Kimmich.

Nicht aufgeben

Sonny Kittel ist der älteste aus der Riege vom Riederwald, und er wäre ohne die gesundheitlichen Rückschläge wohl auch am weitesten. Wie weit er freilich noch kommen wird in seiner Karriere ist offen. Aktuell hat er sich wieder an die Mannschaft heran und in die Mannschaft hinein gekämpft. Kittel verfügt über eine außergewöhnliche Technik, über Wendigkeit und Spritzigkeit. Was ihm abgeht ist die Torgefährlichkeit. Das muss er als offensiver Mittelfeldspieler noch lernen.

Marc Stendera schien den Sprung auf Anhieb zu schaffen. Schon bei seinem ersten Engagement hatte Armin Veh den jungen Mann mit dem auffallenden Bart protegiert. Und auch in seiner zweiten Amtszeit hat Veh ebenso wie Schaaf auf Stendera gesetzt. Doch zuletzt hat die Entwicklung stagniert. „Seine Freistöße sind eine Waffe“, hatte Veh einst gesagt. Davon ist nichts mehr übrig, gefährliche Freistöße oder Eckbälle hat „Stender“ schon lange nicht mehr geschlagen. Seine Bilanz in dieser Saison ist dürftig, zwei Tore und ein einziger Assist, das ist wenig für einen Spieler, der regelmäßig auch in der U 20 und U 21 Nationalmannschaft eingesetzt wird und noch von den Olympischen Spielen träumt.

Luca Waldschmidt hatte unter Thomas Schaaf wegen der langwierigen Verletzung keine große Rolle gespielt und hat sich auch bei Armin Veh schwer getan. Dem Stürmer fehlen wie vielen seiner erfahrenen Kollegen einfach die Erfolgserlebnisse. Er hat noch kein Tor erzielt, obwohl speziell beim 1:1 gegen den FC Ingolstadt genügend Chancen vorhanden waren. Das jüngste Lob von Trainer Kovac sollte ihm freilich Mut machen, nicht aufzugeben.

Die U 23 fehlt

Alle drei Talente sollen auch in der kommenden Saison in Frankfurt spielen, ganz unabhängig von der Liga. Bei den Fans stehen sie alle drei allein wegen ihrer Abstammung aus der Eintracht-Talentschmiede hoch im Kurs – und ihnen selbst geht die Eintracht auch etwas näher als möglicherweise manch anderem Profi-Kollegen. Da ist es eine bittere Pointe, dass jeder aus dem jungen Dreierpack zuletzt an entscheidenden Szenen zuungunsten der Eintracht beteiligt war: Waldschmidt mit seinen vergebenen Chancen gegen Ingolstadt, der danach untröstliche Stendera mit dem Ballverlust, der die Niederlage gegen Hoffenheim einleitete. Und jüngst Kittel mit der großen Gelegenheit, die Eintracht in Leverkusen in Führung zu schießen.

Nicht verschwiegen werden darf, dass die Entwicklung des begabten Trios auch gelitten hat unter der Fehlentscheidung, die U 23 vom Spielbetrieb abzumelden. Gerade Kittel und Waldschmidt, auch der inzwischen an den FSV ausgeliehene Joel Gerezgiher, hätten Spielpraxis in der Regionalliga sammeln können, die ihnen bei Einsätzen in der Bundesliga dann sicher weitergeholfen hätte.

Noch mehr gilt das für Yannick Zummack. Der 20 Jahre alte Torwart steht seit Saisonbeginn unter Vertrag, wird von Torwarttrainer Moppes Petz allenthalben für seine Fortschritte gelobt. Zeigen aber konnte er sie noch nicht. Bis auf zwei, drei Einsätze in Freundschaftsspielen hat er die gesamte Saison nur trainiert. Für einen Torwart ist das das reinste Gift. Seit 2006 spielt der gebürtige Frankfurter schon für die Eintracht, und trotzdem weiß nach dieser Saison keiner so richtig einzuschätzen, ob es für beide Seiten Sinn macht, gemeinsam weiterzumachen.

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