Glücksfall: Jesus Vallejo, Leihgabe von Real Madrid
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Glücksfall: Jesus Vallejo, Leihgabe von Real Madrid

Serie (Teil 2): Die Saison der Frankfurter Eintracht

Leiharbeit als Geschäftsmodell: Die internationale Auswahl der SGE

Die Frankfurter Eintracht war in der abgelaufenen Saison der Fußball-Bundesliga wieder einmal auf einer Berg- und Talfahrt. Dem tollen ersten Halbjahr in der Bundesliga (29 Punkte) folgte ein ziemlich schlechtes zweites (13 Punkte). Dass die Stimmung rund um die Eintracht gut geblieben ist, war den Erfolgen im Pokal zu verdanken. Am Ende aber bleibt es ein durchwachsenes Fazit. Unser Mitarbeiter Peppi Schmitt beleuchtet die Eintracht-Saison in vier Teilen.

Die Eintracht war dem Teufel Abstieg gerade noch einmal von der Schippe gesprungen, als Sportvorstand Fredi Bobic die Arbeit aufnahm. Die Leiharbeit wurde zum Geschäftsmodell. Am Ende waren die Hälfte der zwölf Neuzugänge Leihspieler. Die Eintracht schaute sich bei den Fußball-Spitzenclubs des Kontinents um. Nach dem Motto: Wen die ganz Großen für gut befinden, der kann auch für uns nicht schlecht sein.

Es kamen Spieler aus der zweiten oder dritten Reihe von Real Madrid, Manchester United, FC Chelsea, FC Everton und AC Florenz. Die Frankfurter hatten gut hingeschaut, Jesus Vallejo hat sich als „Knaller“ herausgestellt, Ante Rebic hat viele gute Spiele abgeliefert, auch Michael Hector wurde, nimmt man die Anzahl der Spiele als Maßstab, zum Stammspieler.

Dass nicht alle einschlagen können, das war sicher auch Bobic klar. So spielten Shani Tarashaj und Guillermo Varela keine wirklich große Rollen, auch weil sie mit Verletzungen zu kämpfen hatten. Und der aus Hannover geliehene Marius Wolf steht sowieso auf einem anderen Blatt. Sportlich war die Einkaufspolitik also durchaus zufriedenstellend, finanziell mehr als das. Bobic investierte lediglich gut vier Millionen Euro und erlöste 8,7 Millionen Euro.

„Wir müssen mit viel Fantasie arbeiten“, hatte der Nachfolger von Heribert Bruchhagen den Ansatz seiner Arbeit beschrieben. So wurde die Eintracht zu einer internationalen Auswahl. Die Spieler kamen aus insgesamt 15 Nationen, auch aus anderen Kulturkreisen. So hat die Eintracht den Israeli Taleb Tawatha in die Bundesliga geholt und im Winter den Ecuadorianer Andersson Ordonez. Beide wurden gekauft, nicht geliehen, jeweils wurde mehr als eine Million Euro bezahlt.

Als die Eintracht kurz vor Saisonstart mit Stefan Aigner einen wichtigen Spieler nach München ziehen ließ, war die Gruppe der deutschen Spieler ziemlich ausgedünnt. Um die von der DFL vorgeschriebene Quote von zwölf deutschen Profis zu erfüllen, bekam Jugendspieler Furkan Zorba einen Vertrag. „Frankfurt ist eine internationale Stadt, wir haben eine internationale Mannschaft“, stellte Bobic sachlich fest. Es hat funktioniert. Nach ein paar Wochen sprach niemand mehr von Ausländern und Inländern. Die Fans hatten das Team in ihr Herz geschlossen, gerade Spieler wie Jesus Vallejo oder auch dessen spanischen Landsmann Omar Mascarell.

Die andere Seite der „Leiharbeit“ wurde in der Rückrunde sichtbar. Je länger die Saison dauerte, desto näher rückte der Abschied vieler Spieler. Nachteil eins: Die Zukunftsplanungen werden erschwert, die Fluktuation wird wieder hoch sein. Bestes Beispiel ist Vallejo, den die Eintracht gerne weiter behalten würde. Aber sie muss auf eine Entscheidung von Real Madrid warten. Und das kann dauern.

Nachteil zwei wurde an Guillermo Varela deutlich. Dem Uruguayer schien die Eintracht am Ende ziemlich egal, anders ist die „Tattoo“-Affäre, die zu seinem Rauswurf geführt hat, nicht zu erklären. Und nicht allen fiel die Identifika-tion für ihren Übergangsarbeitgeber leicht. Hector und Tarashaj sind dafür Beispiele. Und was Ante Rebic über seine Zukunft denkt, hat auch noch keiner herausgefunden.

Bobic dürfte das nicht überrascht haben. Er kannte die Probleme, musste aber zwischen Chancen und Risiken der „Leihpolitik“ abwägen. In Zukunft, das hat sich die Eintracht-Spitze vorgenommen, soll es wieder weniger Leiharbeiter geben. Darauf deuten die ersten Neuzugänge Sebastién Haller und Danny da Costa hin, die fest verpflichtet wurden. „Wir müssen Werte schaffen“, sagt Bobic.

In der sportlichen Krise der Rückrunde war die Struktur der Mannschaft nicht wirklich stabil. Es hat an Anführern gefehlt. Jene, die qua Leistung dazu befähigt waren, wie beispielsweise David Abraham oder Makoto Hasebe, sind nicht wirklich Spieler, die andere auch außerhalb des Platzes führen können. Zudem war der Argentinier Abraham zwar als Vertrauensperson für die spanisch sprechende Fraktion die Idealbesetzung, aber als zwischenzeitlicher Kapitän fehlte es ihm dann doch an grundlegenden Kenntnissen der deutschen Sprache. Andere wie Alex Meier oder Marco Russ, die eigentlichen Spielführer, waren zu häufig wegen Erkrankung oder Verletzung nicht dabei. So hatte die Eintracht in der Rückrunde auch ein Hierarchie-Problem.

Stolz ist Bobic darauf, dass das Scouting verbreitert werden konnte. Im Grunde sind die Frankfurter in der ganzen Welt unterwegs. Elf Scouts sollen es sein, die in Frankreich, in Belgien und im westlichen Europa genau hinschauen, auch in Südamerika und Afrika. Das war auch nötig, nachdem diese Sparte der Personaloptimierung über viele Jahre vernachlässigt worden war. Aber darüber sollte die zweite und dritte Liga nicht vergessen werden.

Nicht wenige stellen sich die Frage, ob Spieler wie Tawatha oder Ordonez nicht vielleicht doch in den unteren deutschen Profiligen zu finden gewesen wären. Das Argument, deutsche Spieler könne sich die Eintracht eigentlich nicht leisten, wird vom wirtschaftlich sicher nicht besser aufgestellten SC Freiburg widerlegt, der im einen oder anderen Spiel ausschließlich auf deutsche Profis zurückgegriffen hat.

Am Dienstag lesen sie: Zäune und Planen.

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