Luxus pur im Emirates Palace, dem Mannschaftshotel der Frankfurter Eintracht.
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Luxus pur im Emirates Palace, dem Mannschaftshotel der Frankfurter Eintracht.

Eintracht-Trainingslager

Das luxuriöse Leben der Eintracht in Abu Dhabi

  • VonKlaus Veit
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Der Fußball-Bundesligist glaubt an eigene Vorteile und schiebt unter Palmen die Schattenseiten in den Hintergrund. Ist das noch in Ordnung?

Der Blick aus dem Hotelzimmer führt zum Präsidentenpalast. Ein Monstrum mit vielen Kuppeln aus Marmor, das tagsüber weiß erstrahlt und in der Nacht so angestrahlt wird, dass man daran zweifelt, in der Landessprache das Wort „Energiesparlampe“ finden zu können. Öl heißt das Zauberwort, das die Vereinigten Arabischen Emirate, also auch Abu Dhabi, weltweit bekannt und reich gemacht hat.

Luxuriös erscheint das Leben, selbst wenn man die Augen schließt. Die Autos mit ihren V8-Motoren dröhnen unüberhörbar über die breiten Straßen, Karossen mit einem einfachen Stern sind hier so etwas wie ein acht Jahre alter Golf in Castrop-Rauxel. Am Golf wiehert eher das Ferrari-Pferd oder es schießt der Lamborghini über die Corniche, die Prachtstraße von Abu Dhabi, die an einem langen Sandstrand entlangführt. Dass der feine Sand hierfür aus Afrika importiert worden ist, stört keinen, wenn er hier mit nackten Füßen den Sonnenuntergang verfolgt oder gar einen Mocktail schlürft. Vergiss’ einfach beim Cocktail den Alkohol, schon klingeln die Eiswürfel im „Passion Fruit Mojito“ oder im „Mango Margarita“. Doch keine Angst: In großen Hotels sowie in Bars, gerne in einem der Hochhäuser vom 50. Stock an aufwärts, wird Alkohol serviert.

So auch im Emirates Palace, dem nicht wirklich schlichten Teamhotel der Frankfurter Eintracht. Es wirbt mit sieben Sternen und ist so groß, dass sich die Gäste schon mal verlaufen in den riesigen Sälen und Fluren. Aber einer der 1500 Angestellten sorgt dann dafür, dass sogar Carlos Zambrano sein eigenes Bett findet. Und Armin Veh wird von heute an auch mit Wolfgang Steubing ein gutes Gläschen Rotwein nach getaner Arbeit schlürfen können. Auch wenn sich selbst der Aufsichtsratschef überlegen wird, ob er denn die allerteuerste Flasche aus dem Keller kommen lassen wird.

Na, Lust bekommen für einen Kurztrip am Wochenende? Noch sind Zimmer ab 433 Euro frei, bei der Deluxe Suite Khaleej hat man für schlappe 1516 Tucken sogar bereits das Frühstück dabei. Und wer sich schon in der 165 Quadratmeter großen Wohnung verläuft, der kann sich dann vom 24-Stunden-Butlerservice helfen lassen.

Ist das nicht eine Nummer zu groß, zu komfortabel für einen Fußball-Bundesligisten, der gegen den Abstieg kämpft? Nein, sagt man bei der Eintracht und hofft auf das eine oder andere ordentliche Bröckchen vom Finanzkuchen der Scheichs (Was jedoch bisher nicht geklappt hat).

Schließlich läuft beispielsweise der Vertrag mit Trikotsponsor Fiat im Sommer aus, da fehlen dann erst einmal sechs Millionen Euro pro Jahr in der Kasse. Da nimmt man dann halt auch in Kauf, sein Testspiel gegen ein Team aus Saudi Arabien absolvieren zu müssen, das Land, in dem gerade 47 Menschen an einem Tag hingerichtet worden sind. „The Games must go on“ hieß es nicht nur 1972 in München, sondern heißt es auch 2016 in Abu Dhabi.

Genießen wir also die Tage hier, machen uns keinen Kopf darüber, dass in diesem Land beispielsweise das Internet zensiert wird. Und die vielen Tagelöhner, deren Leben aus allem anderen als Luxus besteht, die sehen wir ja nicht zwischen Herrscherpalast, Emirates Palace und Corniche. Sollten wir trotzdem kritische Stimmen hören, hoffen wir einfach auf den nächsten Ferrari. Der übertönt das schon.

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