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Satter Schuss ins Glück: Filip Kostic (rechts) erzielt das 2:1 für die Frankfurter Eintracht.

Eintracht Frankfurt

Ein magischer Abend für die Eintracht in der Europa League

Mehr als viereinhalb Jahre nach dem letzten Heimspiel in der Europa League feierte die Frankfurter Eintracht einen 4:1-Triumph über Lazio Rom.

Es war eine Europapokal-Nacht wie gemalt für . Alles passte, die Stimmung, das Ergebnis, und eine Partie, die lange im Gedächtnis haften bleiben wird. Eintracht Frankfurt bezwang vor ausverkauftem Haus den großen Favoriten Lazio Rom mit 4:1 (2:1) und führt nach zwei Spieltagen die Europa League-Gruppe H mit sechs Punkten an. Für den Sieg dürfen die Hessen mit 590 000 Euro rechnen, dazu haben sie einen großen Schritt auf dem Weg zu ihren großen Ziel gemacht: die Gruppenphase zu überstehen.

Es war unter den Augen von Bundestrainer Joachim Löw, der neben Eintracht-Vorstand Fredi Bobic Platz genommen hatte, eine magische Nacht im Frankfurter Stadtwald. Die Hessen zeigten auf internationalem Parkett eine außergewöhnliche Leistung und ihr mit Abstand bestes Spiel der Saison. Die Eintracht kämpfte ihren Widerpart aus Italien nieder, jeder Spieler ging bis an seine Grenzen und darüber. Die Eintracht war gallig und nicklig und verdarb den Römern den Spaß am Fußball. Es war auch ein Sieg der Leidenschaft und des Willens, die Eintracht kaufte den Römern schlicht den Schneid ab. Denn fußballerisch war der Tabellensiebte der Serie A besser – zumindest so lange er mit elf Mann auf dem Platz gestanden hatte.

Zum ersten Mal emotional an diesem europäischen Abend wurde es bereits eine Viertelstunde vor dem Anpfiff. Da wurde Kevin-Prince Boateng, einer der Wegbereiter des Pokaltriumphs von Berlin, unter dem lautstarken Jubel des Stadions offiziell verabschiedet. „Dieses eine Spiel hätte ich gern noch gespielt“, sagte der Publikumsliebling ergriffen, der laut Vorstand Fredi Bobic „immer ein Teil der Eintracht-Familie bleiben“ werde. „Hier holten wir den Pokal – auf ihr schwarz-weißen Helden, holt ihn noch einmal“ – stand auf den Plakaten, und darunter die Zahl 1980, das Jahr als Grabowski, Pezzey, Hölzenbein und Co, den Europacup zum letzten Mal gewannen. Dazu skandierten die Fans ununterbrochen ihr Lieblingslied: „Europacup in diesem Jahr“.

Eintracht-Trainer Adi Hütter hatte im Vergleich zum Hannover-Spiel vom Sonntag gleich drei Veränderungen vorgenommen. Allan Sousa, der gar nicht für die internationalen Spiele gemeldet war, war nicht dabei, Verteidiger Evan Ndicka und, überraschend, auch Stürmer Ante Rebic trotz seiner Gala-Vorstellung gegen 96 mussten zunächst auf der Ersatzbank Platz nehmen, wo unter anderem auch nach schier ewigen Zeiten der zwischenzeitlich schon aussortierte Marc Stendera zu finden war, der am Ende soga noch eingewechselt wurde. Hütter schenkte anstelle des Trios Simon Falette, Mijat Gacinovic und Luka Jovic das Vertrauen. Roms Trainer Simone Inzaghi hatte weitgehend seine vorgeblich beste Elf nominiert, also mit den beiden Starspielern Sergej Milinkovic-Savic und Ciro Immobile.

. Und dieser Funke übertrug sich sofort auf das Spielfeld. Es waren gerade vier Minuten gespielt, da lag die Eintracht schon in Führung. Das Stadion wurde zum Tollhaus. Jonathan de Guzman hatte eine Ecke in den Strafraum geschlagen und Danny da Costa mit der Innenseite volley verwandelt. Es war der perfekte Auftakt für eine außergewöhnliche erste Halbzeit, eine Halbzeit, in der die Hessen alles an Leidenschaft und Herzblut in die Waagschale warfen, was nur ging. Die Römer, das wurde sehr schnell deutlich, waren das fußballerisch klar bessere Team. Doch die machten dieses Manko mit unwahrscheinlichem Einsatz und Willen mehr als wett – auch wenn das anfangs streckenweise nicht besonders schön aussah. Viel anderes, als den Ball nach vorne zu spielen, blieb den Frankfurtern kaum. Es war nur eine Frage der Zeit, bis der Ausgleich fiel. Nach 23 Minuten war es soweit: Hatten die Frankfurter eben noch langatmig ein Handspiel von Lucas Leiva moniert, da hatte Joaquin Correa auf Linksaußen schon den Ball und seinen feinen Querpass drückte Marco Parola fast mühelos ins Netz.

Doch das Erstaunliche war: Die Eintracht kämpfte sich im wahrsten Sinne des Wortes zurück in diese Partie. Sie gab keinen Ball verloren, ackerte und rackerte, machte und tat, immer wieder lautstark vom euphorisierten Publikum nach vorne gepeitscht, und sie erzielte tatsächlich die erneute Führung. Sebastien Haller hatte sich nach 28 Minuten mit viel Einsatz durchgesetzt, seinen Pass nahm Mijat Gacinovic, gleichermaßen unermüdlich wie unglücklich in seinen Aktionen, auf, spielte das Leder in den Rücken der Abwehr, wo Filip Kostic heranrauschte und die Kugel mit Verve ins Tor schoss. Damit hatten die Frankfurter den Italienern ein bisschen den Nerv gezogen. Und praktisch mit dem Halbzeitpfiff handelte sich Dusan Basta die Gelb-Rote Karte ein. Mit tobendem Applaus wurden die Frankfurter zur Pause in die Kabine verabschiedet.

Und im zweiten Abschnitt ging es weiter so. Mittlerweile vermochten die Hessen auch spielerische Akzente zu setzen. In der 49.Minute scheiterte Luka Jovic mit einem Schuss noch um Haaresbreite, doch vier Minuten später war es soweit: Marco Russ hatte im eigenen Strafraum per Kopf gerettet, als der Ball zu Sebastien Haller kam. Der lief übers halbe Feld, bediente Jovic und der lupfte die Kugel mit viel Gefühl zum 3:1 ins Tor. Es war ein Konter wie aus dem Lehrbuch. Kurz darauf schwächten sich die Römer weiterhin selbst, als Correa de Guzman von hinten mit einer Grätsche in die Hacken trat und dafür Rot sah. Danny da Costa sorgte mit dem 4:1 in der 90. Minute für den passenden Schlusspunkt – ehe die Euro-Hessen auf eine ausgedehnte Ehrenrunde gingen.

Eintracht Frankfurt: Trapp – da Costa, Hasebe, Russ, Falette – de Guzman (87. Stendera), Torro – Gacinovic, Kostic (78. Tawatha) – Haller, Jovic (67. Rebic). – Lazio Rom: Proto – Luis Felipe, Acerbi, Wallace – Parolo, Lucas Leiva (76. Alberto), Milinkovic-Savic (64. Berisha) – Basta, Durmisi (18. Lulic) – Immobile, Correa. – SR: Gözübüyük (Niederlande). – Zuschauer: 47 000 (ausverkauft). – Tore: 1:0 da Costa (4.), 1:1 Parolo (23.), 2:1 Kostic (28.), 3:1 Jovic (52.), 4:1 da Costa (90.+4). – Gelbe Karten: de Guzman, Trapp, Russ, Kostic – Basta, Immobile). – Gelb-Rote Karte: Basta (45.) wegen wiederholten Foulspiels. – Rote Karte: Correa (58.) wegen groben Foulspiels.

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