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Makoto Hasebe, vom Stammspieler zum Reservisten

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Von: Peppi Schmitt

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Was ist los mit dem Libero? Gegen Leverkusen saß Makoto Hasebe nur auf der Bank. Dabei könnte er bei einem Eintracht-Problem helfen.

Es ist noch gar nicht so lange her, ein paar Wochen vielleicht, da galt Makoto Hasebe bei der als unverzichtbar. Trainer Niko Kovac hatte im Laufe der vergangenen Saison genau die richtige Position für den inzwischen 33 Jahre alten Japaner gefunden. Hasebe, über ein Jahrzehnt in allen Saisonaufstellungen als defensiver Mittelfeldspieler geführt, spielte nun in der Mitte der Dreierkette. Er war die Neuerfindung des Liberos. Er gilt nicht nur als der „Beckenbauer Japans“, sondern er spielte nun auch wie Franz Beckenbauer, die Personifizierung des sogenannten Liberos, des „freien Mannes“ hinter der Abwehr. Die Eintracht profitierte von Hasebes ruhiger Spielart, von seiner meist wenig spektakulären aber immer präzisen Spieleröffnung. Seit ein paar Wochen hat sich die sportliche Wertschätzung zumindest vorübergehend geändert. Und keiner weiß so ganz genau, warum.

Jedenfalls hat Hasebe zuletzt gegen Borussia Dortmund (2:2) Innenverteidiger gespielt, danach wurde er nur noch im defensiven Mittelfeld eingesetzt. Und zuletzt hat er zweimal nicht in der Anfangsformation gestanden. In Hoffenheim wurde er noch eingewechselt, beim 0:1 gegen Bayer Leverkusen am Samstag hat er überhaupt nicht gespielt. Der Frankfurter Trainer vertraut plötzlich David Abraham als Mann in der Mitte. Der Argentinier, aktuell Kapitän der Eintracht und so etwas wie die rechte Hand des Trainers, ist der zweikampfstärkste Spieler. „Er hat alles im Griff“, sagt Kovac. Und doch war die Position Abrahams, nicht der Spieler Abraham, Teil der Probleme gegen Leverkusen.

Für die großen Schwierigkeiten beim Spielaufbau sind seine beiden Partner in der Dreierkette, Carlos Salcedo rechts und Simon Falette links, mehr verantwortlich. Ihre Fehlpassquoten sind häufig sehr hoch und machen es der Eintracht als Mannschaft wirklich nicht einfach, das Spiel von hinten heraus aufzubauen. Alle drei, Abraham wie Salcedo und Falette, haben den präzisen Pass nicht erfunden, versuchen sich häufig mit langen weiten Bällen, die im Falle von Falette kaum, bei Salcedo selten und bei Abraham nur ab und zu ankommen. Die Kernkompetenz des Trios liegt beim Bekämpfen des Gegners, nicht beim Spiel mit dem Ball. Das genaue Gegenteil also zu Hasebes Spielweise.

Was also ist passiert, dass der Trainer seine Meinung geändert hat? Warum ist Hasebe plötzlich außen vor? Es darf getrost davon ausgegangen werden, dass Niko Kovac diese Änderungen in der Defensivformation nicht aus Lust und Tollerei, sondern nach genauer Analyse vorgenommen hat. Hasebes Achillesferse in dieser Saison ist sein Knie. Immer mal wieder musste er Pausen einlegen, beim Training wie im Spiel. In Mönchengladbach, gegen Stuttgart und in Mainz hat er wegen dieser Knieprobleme nicht im Kader stehen können. „Ich sehe, wenn Makoto beim Training nicht richtig rund läuft“, sagt Kovac. Das fällt dem beobachtenden Trainer eher auf als dem Spieler selbst, der der Überzeugung ist, topfit zu sein, der zuletzt aber in der Tat nicht in Bestform spielte.

Eine taktische Frage

Für Hasebes Fitness spricht freilich, dass er am 10. November beim Länderspiel der Japaner in Lille gegen Brasilien (1:3) 70 Minuten auf dem Platz gestanden hat. Für ihn wurde übrigens der ehemalige Frankfurter Takashi Inui eingewechselt, jetzt beim SB Eibar in Spanien unter Vertrag. In der Folge hat Hasebe auch in Frankfurt am normalen Trainingsprogramm teilgenommen. Er sei „einsatzfähig“ hatte Trainer Kovac vor den zurückliegenden Spielen jeweils gesagt. An Gesundheit und Fitness hat es also wohl nicht gelegen, dass Hasebe nicht mehr erste Wahl war.

Aber warum spielt er nun nicht? Dazu gibt es keine klaren Aussagen. Dass im Heimspiel gegen Leverkusen für Marc Stendera sein Landsmann Daichi Kamada eingewechselt wurde und Japans Kapitän auf der Bank blieb, lag an der taktischen Ausrichtung. Kovac wollte noch ein bisschen mehr Offensivkraft ins Spiel bringen. Dafür steht Hasebe nicht, Kamada freilich nach seinen Leistungen bislang auch nicht. Als Hauptgrund für die in Teilen schwachen Leistungen der Frankfurter wurde zuletzt immer wieder die mangelnde Passsicherheit angeführt. Gerade da könnte Hasebe helfen, gerade in dieser Beziehung galt er bis vor wenigen Wochen als Idealbesetzung. Sportvorstand Fredi Bobic hat erkannt, „dass Makoto wegen seiner Knieverletzung noch nicht den richtigen Rhythmus gefunden hat.“ Er aber gleichwohl ein „ganz, ganz wichtiger Spieler für uns ist“. Es gibt also keine grundsätzlichen Bedenken.

„Alter spielt keine Rolle“

Hasebe ist aktuell mit 33 Jahren der älteste verfügbare Spieler im Kader, da sich Alexander Meier (34) ja in der Reha befindet. Sein Arbeitspapier läuft im nächsten Sommer aus. Mit dem Thema einer Vertragsverlängerung gehe die Eintracht „sehr entspannt“ um, versichert Bobic. „Der Trainer hält große Stücke auf ihn, er ist ein Musterprofi, ein Typ, wie ihn die Mannschaft braucht“, fügt er hinzu. Noch im Dezember sollen Gespräche über Hasebes Zukunft stattfinden. „Dabei müssen wir ja auch berücksichtigen, wie sein persönlicher Plan aussieht“, sagt der Frankfurter Sportvorstand.

Hasebe wird, Gesundheit vorausgesetzt, im nächsten Sommer mit Japan die Weltmeisterschaft in Russland bestreiten. Und, so ist die Tendenz, danach nach Frankfurt zurückkehren. Dass er dann 34 Jahre alt sein wird, sei zweitrangig. „Das Alter spielt keine Rolle, sondern die Leistung“, sagt Bobic, „wichtig ist, wie fit er ist und wie er uns weiterhelfen kann.“ Auch wenn Hasebe also gerade kein unangefochtener Stammspieler mehr ist, gehört er fest in die sportlichen Planungen für die Eintracht-Zukunft.

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