Da läutet die Börsen-Glocke: Dass seit diesem Jahr auch die Deutsche Börse ein Eintracht-Partner ist, freut Vorstand Axel Hellmann.
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Da läutet die Börsen-Glocke: Dass seit diesem Jahr auch die Deutsche Börse ein Eintracht-Partner ist, freut Vorstand Axel Hellmann.

Eintracht Frankfurt

Mehr Geld, viel Tradition: 2017 war ein Jahr des Wachstums

Ein Jahr voller Aufregungen und Emotionen, mit vielen Höhen und einigen Tiefen, mit Erfolgen und Enttäuschungen geht für die Frankfurter Eintracht zu Ende. Insgesamt aber gelten für 2017 die Worte von Vorstand Axel Hellmann: „Eintracht Frankfurt ist auf dem Vormarsch.“ Unser Mitarbeiter Peppi Schmitt beleuchtet die aufregenden Monate und blickt in die Zukunft. Im zweiten Teil unserer Serie: Richtige Wege zwischen Tradition und Moderne.

Beurteilt wird immer das Endprodukt, die Leistung der Mannschaft auf dem Spielfeld, die Ergebnisse und Platzierungen. Das hat bei der Eintracht im Großen und Ganzen gestimmt im fast abgelaufenen Jahr 2017. Auch auf vielen anderen Ebenen sind die Frankfurter nach vorne gekommen, haben richtige Wege eingeschlagen. Bei harten und bei weichen Faktoren. Es sind diese kleinen und großen Schritte, die sportliche Erfolge erst möglich machen.

„Wir sind ausverkauft“, sagt Vorstand Axel Hellmann. Und meint damit nicht die Arena, in die zum ersten Mal in der Geschichte 50 000 Menschen im Schnitt pro Spiel gepilgert sind. Da ist ja bei einem Fassungsvermögen von 51 500 Zuschauern noch ein klitzekleines bisschen Luft bis zu einer hundertprozentigen Auslastung. An positive Grenzen gestoßen ist die Eintracht aber auf anderen Feldern. Die Werbeflächen im Stadion sind ausgeschöpft, einschließlich des letzten Zentimeters. Logen und Business-Seats sind voll besetzt, mehr geht nicht, die VIP-Räume platzen schon jetzt aus allen Nähten. Auch alle 29 000 angebotenen Dauerkarten wurden verkauft. Längst gibt es Wartelisten.

Parallel zum Zuschauerboom gibt es einen Mitgliederboom, den die Eintracht mit mehr als 45 000 Mitgliedern in vor einigen Jahren noch ungeahnte Höhen getrieben hat. Die Fußball-Schule in Verantwortung von Bundesliga-Rekordspieler Karl-Heinz Körbel ist meist im voraus ausgebucht und expandiert immer weiter. Das Museum hat gerade seinen zehnten Geburtstag gefeiert. Auch dies ein Beispiel für funktionierendes Vereinswesen.

„Nie erlebte Nachfrage“

Bei der direkten Vermarktung rund um die Mannschaft sind große Fortschritte erkennbar geworden. Mit dem amerikanischen Unternehmen „Indeed“ (sechs Millionen Euro pro Jahr) haben die Frankfurter einen potenten Trikotpartner gefunden, so wie sie seit einigen Jahren vom US-Branchenführer „Nike“ (drei Millionen Euro pro Jahr) ausgerüstet werden. Neue Partner wurden vorgestellt, darunter die Deutsche Bank und die Deutsche Börse. Die jahrelang erhobenen Forderungen und geäußerten Wünsche, dass in der Stadt der Banken und der Wirtschaft mehr Potenzial zu akquirieren sein müsste, ist zumindest auf einem sehr guten Weg. Die jahrelange seriöse Arbeit im gesamten Club hat das möglich gemacht. „Vor allem von Unternehmen am Finanzplatz Frankfurt erfahren wir eine nie erlebte Nachfrage“, sagt Hellmann, „wir gehören aktuell zu den vier, fünf am stärksten wachsenden Bundesliga-Clubs“.

Die Eintracht ist 2017 in vielen Bereichen expandiert. Das hat den Verein erst in die Lage versetzt, auch mal teurere Spieler zu verpflichten und damit die Mannschaft zu verstärken. Die Führungsspitze hat viele Ideen entwickelt, um das wirtschaftliche Wachstum weiter voranzutreiben, hat Impulse für die nähere Zukunft gesetzt.

Internationale Beziehungen

Vor ein paar Wochen wurde eine neue Abteilung mit den Namen „Internationalisierung und Sportkooperation“ ins Leben gerufen. Hellmann zeichnet dafür verantwortlich, geführt wird der neue Geschäftsbereich von Markus Weidner, der zuletzt in ähnlicher Aufgabenstellung beim Deutschen Fußball-Bund tätig war. Sogenannte Zielmärkte sind die USA, wo im vergangenen Sommer schon ein Trainingslager abgehalten wurde, der Mittlere Osten mit der langjährigen Partnerschaft zum Emirat Abu Dhabi, Japan, Korea und China. Wirtschaftlich und konzeptionell ist die Eintracht der Welt schneller näher gekommen als sportlich Europa.

Die nächsten Schritte sind längst konkret. 2018 wird der Bau einer neuen Geschäftsstelle inklusive Funktionsräumen für die Lizenzspieler in direkter Nachbarschaft der Arena auf dem Gelände des Tennisstadions beginnen. Mit der Stadt werden Gespräche über den Ausbau der Arena auf rund 60 000 Zuschauer geführt. Ziel der Eintracht ist es, vor allem weitere Stehplätze zu günstigen Preisen zu schaffen.

Der Aufsichtsrat hat sich mit konkreten Planungen beschäftigt, die finanziellen Mittel des Vereins aufzustocken, um die sportliche Wettbewerbsfähigkeit weiter zu erhöhen. „Unser Geldgeber sind keine Scheichs aus Katar, die den Ölhahn aufdrehen, sondern ehrwürdige Institutionen, Privat- und Geschäftsleute“, betont Aufsichtsrats-Chef Wolfgang Steubing den Frankfurter Weg der Geldbeschaffung. Zwischen zehn und fünfzehn Millionen Euro sollen über dieses Kapital-Konstrukt erreicht werden. Und schließlich will die Eintracht in Verhandlungen mit der Stadt beziehungsweise der Stadion-Gesellschaft nach Ablauf des aktuellen Vertrages 2020 bessere Bedingungen für die Nutzung der Arena aushandeln. Derzeit gibt es keinen anderen Verein in der Liga, der so viel Miete zahlt wie die Eintracht.

Botschafter der Eintracht

Doch alleine den wirtschaftlichen Gedanken nach vorne zu schieben, wäre für einen Traditionsverein wie die Eintracht zu kurz gedacht. Gerade deshalb wurde auch zurück und zur Seite geblickt. Für die Verbindung zwischen Tradition und Moderne wurde im ablaufenden Jahr viel getan. Die Eintracht hat ihre ehemaligen großen Spieler an den Verein gebunden, ganz dem leuchtenden Beispiel des FC Bayern München folgend. Jürgen Grabowski, Bernd Hölzenbein, Karl-Heinz Körbel, Ervin Skela , Ronald Borchers, Uli Stein, Uwe Bein und Dragoslav Stepanovic wurden zu „Markenbotschaftern“ ernannt, die ihren Ex-Klub national wie international in der Öffentlichkeit repräsentieren. Ein geschickter Schachzug.

Und da sind ja noch die Fans des Clubs, jener harte Kern, der zu Hause wie auswärts die Mannschaft unterstützt. Der mit beispiellosen Choreographien Verbundenheit mit der Eintracht dokumentiert. Leuchtendes Beispiel war der Auftritt beim Pokalendspiel im Mai. Doch gerade der Umgang mit den Fans zeigt, wie fragil das Gebilde noch ist.

Denn es gibt nach wie vor auch das andere Gesicht der Anhänger, das hässliche. Ausgerechnet im letzten Spiel des Jahres, im Pokal im Heidenheim, haben sie es wieder einmal gezeigt, als ein Feuerwerk gezündet und damit nicht nur der Spielbeginn um sechs Minuten verzögert wurde, sondern auch die anderen Zuschauer wie die Spieler beider Mannschaften mit der verpesteten Luft massiv in Mitleidenschaft gezogen wurden. Noch immer glauben einige wenige, oder sind es doch viele, dass sie mit ihrer Eintrittskarte das Recht kaufen, gegen Gesetze und Vernunft zu verstoßen. Und dass die Eintracht die Geldstrafen dafür klaglos übernimmt. Quasi als Preis für die Stimmung.

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