Ein guter Fang? Manager Hübner (re.) freut sich jedenfalls, Omar Mascarell ein Eintracht-Trikot zu geben.
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Ein guter Fang? Manager Hübner (re.) freut sich jedenfalls, Omar Mascarell ein Eintracht-Trikot zu geben.

Eintracht Frankfurt

Mehr Real-Wirtschaft

Leihen, Leasing, Kaufoptionen: Um den Kader zu verstärken, gehen die Eintracht-Bosse verstärkt neue Wege. Für wenig Geld soll viel bewegt werden – mit von Fall zu Fall unterschiedlichen Chancen und Risiken.

Über Vertragsinhalte spricht man in der Branche nicht gerne. Das ist bei der Frankfurter Eintracht nicht anders als bei der Konkurrenz. Bei Neuverpflichtungen wird in aller Regel nur die Vertragslaufzeit bekannt gegeben und ob der Spieler auf Leihbasis wechselt oder direkt gekauft wird. Über die Höhe der Ablösesumme wird meist „Stillschweigen“ vereinbart, wie es in den Pressemittelungen dann heißt. Der neue Frankfurter Sportvorstand Fredi Bobic hat gleich nach seinem Amtsantritt angekündigt, „dass wir bei der Personalpolitik sehr viel Fantasie zeigen müssen.“ Soll heißen: Für wenig Geld viel bewegen. Durchaus hilfreich sind dabei Leihspieler. Die kosten in aller Regel keine hohen Ablösesummen, sondern lediglich eine überschaubare Gebühr.

Bei zwei Spielern ist Bobic bislang diesen Weg gegangen. Vom AC Florenz hat er den kroatischen Nationalspieler Ante Rebic geholt. Vereinbart wurde mit den Italienern eine Leihgebühr für eine Saison, geschätzt 750 000 Euro, darüber hinaus eine Kaufoption. Das ist für den aufnehmenden Verein, in diesem Fall die Eintracht, der Idealfall. Die Frankfurter müssen nicht gleich so viel Geld für den Spieler zahlen, haben aber nach Ende des Probejahres die Möglichkeit ihn dann doch zu verpflichten. Und wissen vorher, was das kosten wird. Anders beim Spanier Jesús Vallejo von Real Madrid. Der 19 Jahre alte Juniorennationalspieler kommt für ein Jahr und wird dann wieder zurückkehren. „Real hält so viel von ihm, dass sie unserem Wunsch nach einer Kaufoption nicht nachgekommen sind“, sagt Manager Hübner.

Dieses zweite Modell wird getragen von der Hoffnung auf eine „win-win-win-Situation“. Die Eintracht würde von starken Leistungen des Youngsters während der Saison profitieren. Real Madrid könnte sich freuen, danach einen Spieler zurückzubekommen, der Erfahrungen in der Bundesliga gesammelt hat. Und der Spieler kann sich auf hohem Niveau weiter entwickeln. Als Vorbild für alle Leihgeschäfte gilt Philipp Lahm. Von 2003 bis 2005 hatte der FC Bayern den heute 32 Jahre alten Weltmeister an den VfB Stuttgart ausgeliehen. Dort hat sich Lahm so gut entwickelt, dass er nach der Rückkehr nach München zu einem der besten Verteidiger der Welt wurde.

Die beiden aktuellen Leasing-Modelle in Frankfurt zeigen die unterschiedliche Risikoverteilung. Bei Rebic hat die Eintracht die besseren Karten. Spielt der Kroate so gut, wie das Trainer Kovac erwartet, können die Frankfurter ihn für eine festgeschriebene Ablöse fest verpflichten.Erfüllt er die Erwartungen nicht, können sie ihn nach einem Jahr nach Florenz zurückschicken. Bei Vallejo ist es umgekehrt. Da trägt die Eintracht das Risiko. Sie bildet den Spieler für einen anderen Club weiter. Schlägt Vallejo ein in der Bundesliga, ist Real der große Zukunftsgewinner. Andernfalls sind alle drei Parteien Verlierer.

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Ein anderes Beispiel der in Frankfurt noch recht neuen Real-Wirtschaft: Omar Mascarell, zuletzt ebenfalls aus Madrid an Derby County und Sporting Gijon verliehen, hat die Eintracht zwar erst einmal gekauft. Die Königlichen aber haben sich eine Rückkaufoption gesichert – und so auch bei ihm den Daumen drauf.

Bei der Eintracht wechseln die Geschäftsmodelle im Personalbereich immer mal wieder, abhängig von der jeweiligen wirtschaftlichen Lage. In diesem Sommer können die Frankfurter im Vergleich zur Konkurrenz wenig Geld für neue Spieler ausgeben, weil bereits im Winter unter dem Druck des Abstiegskampfes die Ressourcen angegriffen worden sind. Unter anderem wurde der Mexikaner Marco Fabián für eine Ablösesumme von 3,7 Millionen Euro geholt.

Für Investitionen ist nicht mehr viel Geld übrig, und doch braucht die Mannschaft Blutauffrischung. Also hat sich Bobic entschieden, entweder ablösefreie Spieler zu verpflichten wie die Stürmer Branimir Hrgota (Borussia Mönchengladbach) und Danny Blum (1.FC Nürnberg) oder eben Leihspieler von den großen Klubs dieser Welt. „Die Topvereine haben quasi zwei Kader“, sagt Bobic, den einen für die nationale Liga und die Champions-League, den anderen zur Aus- und Weiterbildung der jungen Spieler. Aus diesem zweiten Topf hat sich die Eintracht bedient.

Es sind nicht die ersten Versuche mit diesem Transfermodell. Im Januar 2012 war Mohammed Abu von Manchester City gekommen. Nach nur zwei Monaten und ohne Einsatz führte der Weg des Ghanaers wieder zurück nach England und von dort weiter nach Strömsgodset nach Norwegen. In der Saison 2014/15 hatten die Frankfurter vom FC Chelsea Stürmer Lucas Piazon geholt. Der Brasilianer hat wenige Spuren hinterlassen, ist ein Jahr darauf wieder zurück zum FC Chelsea. Piazon ist eines der schlechten Beispiele für Leihgeschäfte. Der Spieler wird dabei zum reinen Spekulationsobjekt.

Chelsea hatte Piazon im Januar 2012 aus Sao Paulo geholt und ihn mit einem Vertrag bis 2017 ausgestattet. Seitdem wurde er viermal verliehen, zum FC Malaga nach Spanien, zu Vitesse Arnheim nach Holland, zur Eintracht, zuletzt zum FC Reading in England. Seit ein paar Tagen trainiert Piazon wieder beim FC Chelsea für den er nur ein einziges Spiel über läppische 16 Minuten bestritten hat. Auch das ist ein Teil der Leihgeschäfte.

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