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Adi Hütter.

Eintracht Frankfurt

Es menschelt wieder bei der Frankfurter Eintracht

Fredi Bobic, der Sportchef des Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt, will seinem neuen Trainer Adi Hütter viel Zeit bei Umbruch einräumen.

In München gehen die Uhren jetzt anders, so, wie sie erst kürzlich noch in Frankfurt tickten, was allerdings nun gar nichts mit Jupp Heynckes zu tun hat, den -Uhrenversteller von anno dazumal, sondern mit seinem Nachfolger bei den Bayern, Niko Kovac.

Kovac hat die Seiten gewechselt, und seit er in München sein nicht eben auf Nachsicht ausgelegtes Regiment führt, sind die Zeitungen und Portale voll: „Die sieben Regeln des Niko Kovac“; „Neun Dinge, die sie noch nicht über Kovac wussten“; „So krempelt er die Bayern um“. Vom Schleifer ist gar die Rede, dem allenfalls Oberquälix Magath in puncto Gnadenlosigkeit das Wasser reichen könne. Das ist natürlich ausgemachter Unfug. Klar ist aber, dass sich die Bayern auf eine andere Zeitrechnung einstellen können: Ausuferndes Training, bis zu drei Stunden, Ernährungsregeln, lauwarmes Trinkwasser, tägliche Blutabnahmen, Ausradeln nach den sowieso schon schlauchenden Einheiten. Ein Portfolio an kleinen Piesackereien.

In Frankfurt atmen die verbliebenen Spieler zwar nicht auf, dass Kovac weitergezogen ist, dafür sind es ja auch professionelle Hochleistungssportler, aber der eine oder andere ist sehr wohl froh, neue Reize, Inhalte und Ansprachen zu erfahren. Adi Hütter, der neue Mann an der Seitenlinie, pflegt einen andere Philosophie. Zum einen legt er fußballtaktisch sehr viel größeren Wert auf die Offensive und das Stilmittel Pressing. „Die Trainingssessions sind kürzer, aber intensiver, mit vielen spielerischen Elementen versehen. Die Absicht, Fußball zu spielen, ist größer“, befand Linksverteidiger Jetro Willems.

Zum anderen ist Hütter ein anderer Typ als der maximal verbissene Kovac. Der Österreicher ist keiner, der die Zügel schleifen lässt, er kann hart und konsequent sein, was als Cheftrainer eines Profiteams so sein muss. Aber es menschelt mehr, Hütter wirkt empfänglicher, empathischer. „Er tut uns insgesamt gut, auch die Art und Weise, wie er mit allen Menschen umgeht, sehr respektvoll nämlich“, sagte Sportvorstand Fredi Bobic dem HR. „Er ist jemand zum Anfassen.“ Das ging der gesamten Eintracht, im übertragenen Sinne, in den vergangenen zwei Jahren ab.

Im Trainingslager in den USA nimmt Hütter seine Spieler immer wieder mal in den Arm, führt kurze Gespräche. „Er hat eine unheimliche Ruhe“, berichtete Bobic. Dann aber unterbricht der Fußballlehrer die Einheiten wieder, gibt deutliche Kommandos, versucht, den Spielern seine Vorstellungen plastisch näherzubringen. „Nach vorne verteidigen, Pressing und Gegenpressing – schon früh in der Vorbereitung geht es in den taktischen Bereich“, pflichtete Willems bei. Hütter, auf all seinen Stationen erfolgreich, überlässt nichts dem Zufall, er weiß, wie er einer Mannschaft seine Ideen zu verklickern hat. „Er hat eine brutale Zielstrebigkeit“, bestätigte Bobic.

Für Hütter ist der Sprung in die Bundesliga der nächster Karriereschritt, er hat zielstrebig darauf hingearbeitet. Nun, nach dem Double in Salzburg und dem Meistertitel mit Young Boys Bern, sieht er sich reif genug, dieses Abenteuer anzugehen. Der 48-Jährige hat keine leichte Aufgabe vor der Brust, zum einen hat Kovac die Messlatte sehr hoch gelegt. Zum anderen muss er ein neues Ensemble zusammenbauen. „Er übernimmt hier eine Mannschaft, die im Umbruch ist“, betonte Fredi Bobic. Wie jedes Jahr eigentlich.

Vier Leistungsträger haben den Verein bereits verlassen: Lukas Hradecky (Leverkusen), Marius Wolf (Dortmund), Omar Mascarell (Schalke) und Kevin-Prince Boateng (Sassuolo). Ein Verbleib von Ante Rebic steht in den Sternen. Sollte der Kroate bei der WM weiterhin derart auftrumpfen, wird er noch stärker in den Fokus der Topclubs rücken. Sollte ein richtiger Big Player die Angel auswerfen, hätte die Eintracht keine Chance. „Wir planen fest mit Ante Rebic. Er hat einen langfristigen Vertrag bis 2021. Natürlich ist uns bewusst, dass immer viel passieren kann, wenn ein großer Verein Interesse anmeldet. Wir können wirtschaftlich mit den ganz Großen nicht mithalten“, sagte Bobic bei Sport 1.

Es scheint relativ wahrscheinlich, dass die Eintracht in dieser Saison ihre Schwierigkeiten bekommen wird und ein paar Klippen umschiffen muss, dessen sind sich die Verantwortlichen bewusst: neuer Trainer, neues Team, neuer Spielstil – und der Abgang von Führungskräften. Bobic verspricht dennoch: „Die Fans dürfen sich auf ein entwicklungsfähiges Team freuen, das vor allem Ehrgeiz und Spielfreude verbindet.“ Und der Sportchef gibt seinem Chefcoach schon mal vorsorglich Rückendeckung: „Er wird seine Zeit bekommen. Es wird sicherlich auch schwerere Phasen geben, in denen wir aber zu ihm stehen werden.“

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