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Trainer und Sportdirektor in Leipzig: Ralf Rangnick.

Eintracht Frankfurt

RB-Leipzig im Gegner-Check: Was ist los bei den sächsischen Rasenballsportlern?

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Bei RB Leipzig gibt es auf dem Rasen und den Rängen rasante Entwicklungen. Hier der nicht ganz ernst gemeinte Eintracht-Gegner-Check.

  Der Trainer Thomas Doll, das ist nicht der von RB Leipzig, sondern noch der von Hannover 96, hat bei seinem Amtsantritt den Umgang mit seinen Berufskollegen beklagt. Man sollte doch bitte schön nach England und Italien gucken. Dort gebe es den Mister und den Boss. Abgesehen davon, dass wir in Deutschland schon genug unter Anglizismen leiden, ist es Dolls Verdienst, den Blick auf die Arbeitsteilung im modernen Club-Fußball geschärft zu haben. Mister lassen sich die großen Trainer nennen, der Boss ist, wie der Name schon sagt, der Chef vom Ganzen.

So gesehen ist Ralf Rangnick bei RB Leipzig eine Art Misterboss. Professor war der Schwabe immer schon, aber erst bei den Sachsen ist er in Sachen Titeln richtig durchgestartet. Sportdirektor ist der 60-Jährige schon länger, seit vergangenem Sommer aber auch noch einmal Trainer. Theoretisch könnte Boss Ralf den Mister Ralf also bei anhaltender Erfolglosigkeit entlassen. So weit wird es nicht kommen, die durch eine klebrige Brause beflügelten Leipziger belegen momentan Champions-League Rang vier und spielen eigentlich beständig guten Überfallfußball. Und im Sommer kommt ja der lang ersehnte Mister Julian.

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  Die Stimmung Ist gemischt. Sportlich läuft es ja ganz gut. Seit Mittwochabend sind die „Roten Bullen“, die ja eigentlich nur „Rasenballsportler“ sind, Pokal-Viertelfinalist, zum allerersten Mal seit ihrer Gründung. Aber diesen Erfolg haben nur knapp über 21 000 Besucher verfolgt. Es gibt also ein Akzeptanzproblem. Grund dafür könnte sein, dass es zwischen dem Club und Teilen seiner Fans mal wieder gewaltig rumort. Die haben vor dem Achtelfinale gegen Wolfsburg in einem offenen Brief harsche Kritik an der Führung geäußert. Anlass war der Abschied von Timm Merten. Der Fanbeauftragte hatte – wie zwei seiner Vorgänger – nach wenigen Monaten im Amt am Montag seine Arbeit niedergelegt und die Roten Bullen verlassen. Denn selbst am Event- und „Dosen“-Standort Leipzig gibt es mittlerweile Pyro und Stadionverbote. Und es gibt Redebedarf. „RB Leipzig – wir fühlen uns als Fans von Dir schon lange nicht mehr richtig ernst genommen und respektiert. In anderen Stadien dieses Landes sind wir das gewohnt. Im eigenen Stadion werden wir uns jedoch ganz sicher nicht zu den meinungslosen und stromlinienförmigen Konsumenten machen lassen, als die uns andere Fanszenen gern verrufen“, heißt es in dem Schreiben. Das klingt recht forsch und nach der nächsten friedlichen Revolution in Ostdeutschland.

  Die Mannschaft Groß waren die Personalsorgen vor dem Pokalspiel gegen Wolfsburg. Leipzig ging einmal mehr ohne große Namen wie Emil Forsberg, Kevin Kampl, Timo Werner und Dayot Upamecano in die Partie. Aber es gibt im Sächsischen eine ganze Reihe von Jungbullen, die hungrig auf Einsätze sind. Werner-Ersatz Matheus Cunha etwa, der mit seinem ersten Treffer im Pokal gleich das Viertelfinale klar machte. Gegen die Eintracht wird wieder mit Werner und womöglich auch mit Forsberg gerechnet. Im Mittelfeld gehört Konrad Laimer zu den großen Gewinnern der Verletztenmisere. Der 21-Jährige stopfte gegen Wolfsburg jede Menge Löcher und war auf dem Feld quasi überall zu finden.

Gleiches gilt für Willi Orban. Der Kapitän fehlte zum Rückrundenauftakt noch im Aufgebot gegen Borussia Dortmund, ist seit der Verletzung von Dayot Upamecano aus der Innenverteidigung aber im Moment nicht wegzudenken. Die Bilanz spricht für Orban: Drei Siege und null Gegentore gab es zuletzt es mit dem 26-Jährigen als Abwehrchef. Gegen Hannover traf er gleich zweimal per Kopf. Noch nie waren einem Leipziger zwei Kopfballtreffer in einem Spiel gelungen.

  Die Statistik Fünf Mal trafen Leipzig und die Eintracht in der Bundesliga bislang aufeinander. Einem Sieg der Eintracht – vor fast genau einem Jahr, im historischen ersten Montagabendspiel – stehen zwei Remis und zwei Siege der Sachsen gegenüber. Auswärts konnten die Adler bei zwei Gastspielen auf der Bullen-Weide noch nicht punkten.

  Und das noch Die beiden Trainer kennen sich sehr gut: Adi Hütter und Ralf Rangnick arbeiteten in der Saison 2014/15 erfolgreich in Salzburg zusammen und gewannen als Trainer und Sportdirektor das Double in Österreich. Beide verließen Salzburg im Sommer 2015. Rangnick wurde erstmals Trainer in Leipzig, Hütter ging zu den Young Boys Bern, wo er bis Sommer 2018 erfolgreich wirkte und sensationell Schweizer Meister wurde.

(rich)

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