Kein Vorbeikommen: Eintracht-Keeper Lukas Hradecky hielt seinen Kasten sauber.
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Kein Vorbeikommen: Eintracht-Keeper Lukas Hradecky hielt seinen Kasten sauber.

Eintracht Frankfurt

Nach Bayern-Spiel: Nur Veh ist angefressen

  • VonKlaus Veit
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Fußball-Bundesligist Eintracht Frankfurt: Sind die Erwartungen zu hoch? Oder steckt im Team mehr drin?

Attila sah aus wie immer. Ruhig ließ sich der Steinadler, bei seinem Falkner Norbert Lawitschka auf dem Arm sitzend, durch die Katakomben des Stadions im Frankfurter Stadtwald tragen. Keine Gefühlsregung, im Gegensatz zu allen anderen. Schließlich hatte die Frankfurter Eintracht an diesem Freitagabend fast schon Historisches vollbracht. Als erstem Team der Fußball-Bundesliga gelang es ihr, gegen den Rekordmeister in dieser Saison nicht zu verlieren.

0:0 hieß es am Ende, die Bayern hatten es verpasst, den europäischen Start-Rekord der Tottenham Hotspurs einzustellen, die Frankfurter freuten sich diebisch über diesen zuvor nie erwarteten Zusatzpunkt. Wenn sie denn noch dazu in der Lage waren. Viel mehr als ein „ich bin sehr müde“ bekam beispielsweise Alexander Meier nicht mehr heraus. Der Kapitän war der Fleißigste der Fleißigen gewesen, hatte während der Partie mehr als zwölfeinhalb Kilometer zurückgelegt.

Aber genau das war der Schlüssel des Erfolgs. Beim 1:5 gegen Mönchengladbach war die Mannschaft gut 111 Kilometer gelaufen. Diesmal wurden über fünf Kilometer mehr zurückgelegt, obwohl man meistens nur die eine, die eigene Hälfte des Feldes beackerte. Das sah nicht toll aus, aber es war die einzige mögliche Taktik für ein Team, das sich nun derzeit wirklich nicht in Topform befindet. Da wurden Stefan Aigner rechts und Haris Seferovic zu zusätzlichen Außenverteidigern, da rannten sich vor der eigentlichen Abwehr Aleksandar Ignjovski und Slobodan Medojevic die Lunge aus dem Leib, bis auch den hoch gelobten Bayern nicht mehr viel einfiel.

Und wenn sie mal eine Chance herausspielten, war da ja auch noch Lukas Hradecky, der im Tor seinen Job völlig unaufgeregt und souverän erledigt hatte. Der Finne ist nicht nur ein guter Keeper, sondern auch ein starker Typ. Grinsend hatte er sich anschließend von den Journalisten verabschiedet, er müsse jetzt erst einmal in der Kabine ein Bier trinken.

Strahlend hatte Sportdirektor Bruno Hübner wenige Meter daneben gesagt, dass die Mannschaft nach der 0:1-Blamage im Pokal beim Drittligisten Erzgebirge Aue eine sehr gute Reaktion gezeigt habe: „Und der Trainer hat die Mannschaft hervorragend eingestellt. Angesichts unserer mentalen Situation war die Defensivtaktik genau das Richtige.“

Nur der gelobte Trainer hatte an diesem Abend keine Lust, in den Jubel einzustimmen. Armin Veh sprach von sehr viel Leidenschaft, von großer Disziplin und davon, dass er froh, aber nicht stolz, über den Punktgewinn sei. Mit dreizehn Punkten aus elf Spielen sei man durchaus im Soll.

Weshalb der 54-Jährige der Meinung ist, dass zu hart auf ihn, besonders aber auf die Mannschaft, eingeschlagen worden sei. Die Kritik am „beschämenden Auftritt“ in Aue sei völlig in Ordnung, ansonsten aber empfindet er die Erwartungen rundherum als zu hoch: „Müssen wir denn Fünfter, Sechster oder Siebter werden?“ Im Internet sowie in den Medien werde eine „gefährliche Stimmung“ erzeugt, „die meiner Mannschaft gar nicht gut tut“. Wer wolle, dass die Eintracht ganz unten in die Tabelle rutscht, der „sei auf einem guten Weg“. Veh sprach’s und verschwand, auf die bisher anschließende obligatorische kleine Runde mit den Frankfurter Journalisten verzichtend und auch am Samstag rund ums lockere Regenerationstraining nicht auftauchend.

So kann derzeit nur gemutmaßt werden, was genau ihn besonders verärgert hatte.

Tatsache ist, dass am kommenden Samstag die Mannschaft bei 1899 Hoffenheim erneut gefordert ist. Natürlich kann keiner mehr der Eintracht den Punkt gegen die Bayern wegnehmen, aber kurzfristig so richtig wertvoll würde er nur dann werden, wenn es auch im Kraichgau etwas zu holen gibt.

Man wird sehen, ob die Mannschaft eine ähnlich couragierte Einstellung auf den Platz bringt, wenn es nicht den „Sonderfall Bayern München“ gibt, sondern wenn es gilt, beim Tabellen-Vorletzten zu bestehen. Dann wird auch wieder offensiver Fußball eine Rolle spielen. Nimmt man die letzten Spiele, sollte da noch Luft nach oben sein.

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