1009164696_10092016 Fussball Fußball 1. Bundesliga Saison 2016 /2017  / Darmstadt 98 - Eintracht Frankfurt 
Mijat Gacinovic  Eintracht
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1009164696_10092016 Fussball Fußball 1. Bundesliga Saison 2016 /2017 / Darmstadt 98 - Eintracht Frankfurt Mijat Gacinovic Eintracht

Eintracht Frankfurt

Nach der Derby-Niederlage in Darmstadt: Harte Landung

  • VonChristian Heimrich
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Nach dem Derby gab es viel Kritik an der Darmstädter Spielweise. Viel besser trat die Frankfurter Eintracht aber auch nicht auf.

Manchmal sagen Bilder mehr als Worte. Fredi Bobic zog sich sofort nach dem späten Siegtor der Darmstädter in den Kabinengang zurück. Der Sportvorstand der Eintracht Frankfurt Fußball AG schaute so grimmig drein, dass man besser nicht das Gespräch mit ihm suchte. „Das wollte der doch gar nicht. Der wollte flanken“, stieß Bobic hervor. Was „der“, nämlich Darmstadts Sandro Sirigu, wollte oder nicht, spielte da schon längst keine Rolle mehr. Das Derby war verloren – durch Sirigus Zufallstreffer in der 90. Minute.

Zwei ganz schwache Mannschaften hatten zuvor auf dem Platz gestanden. Zwei Mannschaften, die es in dieser Verfassung schwer haben werden, den Klassenerhalt in der Bundesliga zu schaffen. In der heißen Sonne über dem Jonathan-Heimes-Stadion war die positive Stimmung nach dem Frankfurter Auftaktsieg gegen Schalke weggeschmolzen wie eine Eiswaffel. Kapitän Alexander Meier stellte nach seinem 250. Bundesliga-Einsatz für die Eintracht mit leiser Stimme fest: „Das ist ganz bitter. Wir sind wieder auf dem Boden der Tatsachen.“ Nach einer harten Landung.

Auch Niko Kovac war restlos bedient: „Für uns ist das eine Niederlage, die nicht hätte sein dürfen. Wir haben es nicht geschafft, unsere zwei, drei Chancen in Tore umzumünzen. Ich bin enttäuscht und sehr verärgert“, sagte der Frankfurter Coach und schob einen Exkurs in Fußball-Logik nach: „Wenn man schon nicht gewinnen kann, darf man wenigstens nicht verlieren.“

Nur Querpässe

Gewinnen war aber beim besten Willen nicht drin am Samstag. Die Frankfurter Spieler hatten das Leder zwar oft an den eigenen Füßen, kamen auf über 70 Prozent Ballbesitz. Auf zündende Ideen kamen sie aber nicht. Oft reihte sich lediglich Querpass an Querpass, der Raumgewinn lag in den meisten Fällen bei null.

Zwingende Torchancen blieben vor allem in der zweiten Hälfte gegen immer destruktiver agierenden Darmstädter Mangelware. „Darmstadt hat 90 Minuten nur verteidigt. Aber wir müssen uns vorwerfen, dass wir gegen diese Abwehr keine Mittel gefunden haben“, so Kovac.

Der Trainer hatte schon am Freitag in blumiger Art vor zu hohen Erwartungen nach dem 1:0 gegen schläfrig gestartete Schalker gewarnt: „Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer.“

Nach dem 0:1 von Darmstadt klang sein Fazit nicht komplett negativ, aber einigermaßen ernüchtert: „Wir werden das jetzt nicht alles überbewerten. Aber es könnte eine schwierige Saison werden – wie prognostiziert“, erklärte Kovac.

Das Grundproblem: Nach wie vor fehlt es im Frankfurter Mittelfeld an Tempo und Handlungsschnelligkeit. Einen rein defensiven Gegner wie Darmstadt kann man ohne einen Ideengeber aber nicht ausspielen. „Wir sind nun mal nicht Dortmund oder Bayern, die die Bälle auch mal in die Zwischenräume spielen können“, konstatiert Kovac.

Über die Außen kam auch nicht viel Gutes. Im Gegenteil: Mijat Gacinovic bereitete mit seinem Ballverlust gegen den Darmstädter Jungwirth das 0:1 vor. Kovac wollte den jungen Serben aber nicht zum Alleinschuldigen stempeln. Das Tor hätte durch ein taktisches Foul noch verhindert werden können.

Und so arbeiteten sich die Frankfurter Verantwortlichen dann doch immer wieder an der Spielweise der „Lilien“ ab. „Das war ein Nackenschlag. So deutlich haben wir lange kein Spiel mehr beherrscht. Darmstadt hat nicht einmal versucht, Fußball zu spielen. Für so ein Spiel darf man nicht belohnt werden“, meinte Sportdirektor Bruno Hübner. „Darmstadt hat den Sieg nicht verdient“, krittelte auch Kovac.

Kritik von Hradecky

Es gab aber auch deutlich selbstkritische Beiträge. Von Lukas Hradecky zum Beispiel. Der Torhüter hatte von hinten einen ganz guten Blick aufs Spiel der eigenen Mannschaft. „Es war langweilig zuzuschauen“, meinte Hradecky. Seine Mannschaft habe „zu viele Ballverluste im Mittelfeld“ gehabt, niemand sei „in die Tiefe gelaufen“, alles sei schlicht „zu langsam“ gewesen.

Hradeckys Fazit: „Das war kein Bundesliga-Niveau.“ Fürwahr eine harte Landung auf dem Boden der Tatsachen.

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