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Zurück auf dem Rasen: Francisco Geraldes.

Eintracht Frankfurt

Nach seiner Verletzung: Francisco "Chico" Geraldes will sich langsam an die Mannschaft heranarbeiten

Nur für ein Jahr ist Geraldes eigentlich nicht nach Frankfurt gezogen. Die Lissabon-Leihgabe will sich nach einer Zwangspause für einen längeren Verbleib empfehlen. Einen wie ihn könnte die Eintracht im Grunde gut gebrauchen.

Der frühe Vogel fängt den Wurm, heißt es im Volksmund gerne, manchmal verlängert er aber auch nur das Wochenende. Die Profis der Frankfurter Eintracht waren am Freitag schon um neun Uhr morgens auf dem Trainingsplatz, danach hatten sie frei. Fußballlehrer Adi Hütter, der seit Donnerstag Termine wahrzunehmen hat und die Übungsleitung seinen Assistenten Christian Peitinger und Armin Reutershahn überließ, hatte der zuletzt so erfolgreich spielenden Mannschaft bis zum Montag drei freie Tage gegeben; die meisten nutzen dies, um Frankfurt den Rücken zu kehren. Nicht so Francisco Geraldes.

Der Portugiese, neben Ersatztorwart Felix Wiedwald der einzige Neuzugang, der noch keine einzige Pflichtspielminute absolviert hat, bleibt im Lande und wird freiwillig individuell trainieren. „Ich habe noch Rückstand aufzuholen“, sagte Geraldes, den alle nur Chico rufen, gestern nach der frühen Trainingseinheit. Der 23-Jährige war schließlich lange verletzt. Es passierte im Freundschaftsspiel Anfang September gegen den FC Ederbergland, als Geraldes nach einem Kopfballduell zu Boden gegangen war und sich dabei einen Wirbel im Rücken angebrochen hatte. Das hat den schmächtigen Kerl, 1,75 Meter groß, noch weiter zurückgeworfen. Ohnehin hinkte er schon zuvor ein wenig den anderen hinterher, dazu fiel seine Zwangspause in eine Phase, in der es richtig rund lief für den Club. „Es ist nicht so leicht zuzusehen, wie dein Team gewinnt und du bist nicht dabei“, sagt er jetzt.

Futter für die Büffelherde

Ohnehin hat der gebürtige Lissabonner große Mühe, in Frankfurt bei der Eintracht Fuß zu fassen. Dabei ist er ein filigraner Techniker, dazu beidfüßig. Es war sein Vater, der ihm im Jugendalter dazu verdonnerte, im eigenen Garten auch den linken, schwächeren Fuß zu schulen. Obendrein hat Geraldes das Leistungszentrum von Sporting Lissabon durchlaufen, jenes Zentrum, in dem auch Portugals Legenden Luis Figo und Cristiano Ronaldo den Feinschliff erhielten. Geraldes, ein offensiver Mittelfeldspieler hinter den Spitzen, hat das Zeug und das Auge dafür, Stürmer mit klugen Pässen in Szene zu setzen.

Doch in Frankfurt reichte das bislang noch nicht. Hütter hat dem Portugiesen noch vor seiner Verletzung sogar schon einen kleinen Denkzettel verpassen müssen. Er habe zwar „ein ordentliches Niveau“, befand der Coach, doch er müsse sich an das hiesige Tempo und an die Zweikampfhärte gewöhnen, und das möglichst schnell. Andernfalls könnte „es unangenehm werden“. Ohne entsprechendes körperliche Rüstzeug hat es der elegante Fußballer schwer, ins Team zu rücken. „In Deutschland ist es intensiver und schneller als in Portugal“, hat er festgestellt, aber die Flinte will er deswegen nicht ins Korn werfen. Er will jetzt einen neuen Anlauf nehmen.

Denn eigentlich fehlte der Eintracht genau solch ein Passgeber, einer, der die „Büffelherde“, wie Kevin Trapp das stürmische Trio Ante Rebic, Luka Jovic und Sebastien Haller unlängst nannte, gekonnt mit guten Bällen füttert. In den letzten Trainingseinheiten hat Geraldes sein Können immer mal wieder aufblitzen lassen. Er könnte bald eine Chance bekommen, vielleicht sogar auf internationaler Ebene. Geraldes zählt auch zu jenen 25 Spielern, die Eintracht Frankfurt für die Europa League gemeldet hat. 

Noch ein halbes Jahr Zeit

Der Portugiese will sich durchsetzen bei der Eintracht, das ist sein Ziel. Seit einiger Zeit trainiert er wieder voll mit, die Verletzung ist auskuriert, sie behindert ihn nicht mehr. „Es tut gut, zurück zu sein“. Er gebe im Training Gas, und „ich kann abends ruhigen Gewissens ins Bett gehen, weil ich mein Bestes gegeben habe“. Er sei im Sommer gekommen, um länger zu bleiben. „Ich habe meine Heimat nicht wegen einer Saison verlassen“, sagte Geraldes, der ein kluger Kopf und begeisterter Büchernarr ist.

Dennoch ist er von der Eintracht nur ausgeliehen worden, eine Kaufoption ist nicht zustande gekommen, weil er in seinem noch bis 2021 laufenden Vertrag mit Sporting eine festgeschriebene Ablösesumme in Höhe von 45 Millionen Euro verankert hat. Dabei hat Geraldes in der ersten Mannschaft von Sporting, aktuell in Portugal Zweiter hinter dem FC Porto, gerade mal vier Spiele absolviert.

Ohnehin ist der 23-Jährige zweimal verliehen worden, an den FC Moreirense (15 Einsätze) und den FC Rio Ave (30), nicht gerade die Creme de la Creme der portugiesischen Liga. Dennoch glaubt er, in der Bundesliga mithalten zu können, klar, es gebe hier bessere Spieler und bessere Spiele, aber „am Ende des Tages ist es Fußball“. Er sei bereit, „Schritt für Schritt“ wolle er sich an die Mannschaft heranarbeiten. Irgendwann bekomme er seine Chance, „die will ich nutzen“.

Ein halbes Jahr hat er noch Zeit, sich zu zeigen, dann ist die Ausleihe zu Ende. „Entwicklungspotenzial“ habe er allemal, sagt Hütter, der eigentlich genau auf solche technisch feine Fußballer steht. Chico Geraldes hat es jetzt in der eigenen Hand und dafür ackert er – auch an seinen eigentlich freien Tagen.

VON THOMAS KILCHENSTEIN

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