So war?s gegen Schalke: Der Block 40 blieb leer. Gegen München sieht es genauso aus.
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So war?s gegen Schalke: Der Block 40 blieb leer. Gegen München sieht es genauso aus.

Eintracht Frankfurt

Nach dem Sportgerichts-Urteil bleiben viele Fragen offen

  • VonKlaus Veit
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Die Auswärtsfahrer der Eintracht dürfen in der Rückrunde bei ihrem Verein nur personalisierte Tickets kaufen. Ist das machbar?

Die dicke Keule hat das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes gegen die Frankfurter Eintracht heraus geholt. Wegen nicht zu akzeptierendem Fehlverhalten einiger Fans in Magdeburg wurde der Fußball-Bundesligist unter anderem dazu verdonnert, zwei Heimspiele im Oktober unter Teil-Ausschluss der Zuschauer auszutragen und ein personalisiertes Ticketing für die Auswärtsspiele in der Rückrunde einzuführen.

Eine Maßnahme, die nicht nur bei den Fans Empörung auslöst, sondern die auch rechtlich zumindest nicht auf wirklich festen Füßen besteht. Zwar haben sich der Bundesgerichtshof (2008) sowie das LG Hamburg (2011) mit dieser Thematik befasst, doch wurde damals lediglich festgestellt, dass der gewerbliche Weiterverkauf von personalisierten Tickets verboten ist.

Festgestellt wurde aber auch, dass der Käufer zumindest die Möglichkeit haben muss, im Verhinderungsfall (etwa bei Krankheit, aber auch aus anderen Gründen) die Karten noch kurzfristig weitergeben kann.

Bei der Eintracht sind hauptsächlich die Fanclubs Großabnehmer der Auswärts-Tickets. Sie bestellen weit vor dem Spieltermin nicht nur einen Bus, sondern eben auch 50 Tickets im Wissen: „Wir bekommen den Bus schon voll!“ Dieses Verfahren wäre nach dem DFB-Urteil vom Montag nicht mehr erlaubt.

Ein weiteres Szenario, das die Problematik aufzeigt: Karten werden gekauft, wenn der Spielplan feststeht, die Partie aber noch nicht genau terminiert ist. Geht es dann nicht, wie erhofft, am Samstag, sondern bereits am Freitag beispielsweise nach Bremen, müssen viele Fans versuchen, andere Abnehmer zu finden, weil sie freitags noch arbeiten müssen.

Der Kölner Rechtsanwalt Tobias Westkamp sieht auch Probleme mit dem Datenschutz. „Ist es verhältnismäßig, wenn man die Daten von 6000 Auswärtsfahrern sammelt?“ Schließlich gäbe es den Grundsatz, mit dem Einsammeln von Daten möglichst sparsam umzugehen. Die Anzahl der Stadionbesucher, die wirklich Ärger verursachen, gehe selten über den Promillebereich, aber eigentlich nie über drei Prozent hinaus.

Natürlich habe das Sportgericht versucht, mit seinem Urteil die Sicherheit in den Stadien zu erhöhen. Aber man habe zumindest 97 Prozent friedliche Fans: „Der Zweck heiligt nicht immer die Mittel.“ Der Fan des 1. FC Köln sieht auch keinen großen praktischen Nutzen für die Polizeiarbeit: „Was hilft es bei der Ermittlung von Tätern, wenn man 6000 Namen kennt?“

Wer mit Pyro hantiert oder andere verbotene Dinge vorhat, der versucht meistens, sich zu vermummen, um so die Identifizierung zu erschweren.

Außerdem verweist er auf die Gefahr, dass Problemgruppen plötzlich in anderen Stadionbereichen als in den speziellen Blocks der Gästefans auftauchen könnten. Frankfurt hat damit schon durchaus Erfahrungen gemacht. Als nach einer DFB-Strafe Dresdener Fans offiziell nicht in die WM-Arena durften, tauchten die Dynamo-Anhänger zu Hunderten plötzlich in einem anderen Block der Osttribüne auf, direkt neben dem geschlossenen Gästeblock.

Damals war alles friedlich geblieben, ähnlich wie beim Verbot für Frankfurter Fans, ihr Team in der Zweiten Liga zu Union Berlin zu begleiten. Tausende Eintrachtler waren trotzdem in der „Alten Försterei“ dabei, bald nach Spielbeginn wurde ihnen sogar vom Veranstalter der Gästeblock geöffnet.

Dass es aber auch zu Auseinandersetzungen kommen kann, wenn die seit Jahren praktizierte Fan-Trennung aufgehoben oder unterlaufen, zeigte das Hessenderby am Ende der vergangenen Saison in Darmstadt. Die wenigen Eintracht-Anhänger, die sich durchaus rechtmäßig Tickets für diese Partie gekauft hatten, waren von Lilien-Anhängern angegangen worden, nachdem sie sich mit einem Torjubel als Frankfurter geoutet hatten.

Auch bei der Frankfurter Polizei macht man sich derzeit Gedanken, ob man personalisierte Eintrittskarten gut finden soll oder nicht. Zu einer endgültigen Entscheidung ist man noch nicht gekommen, weshalb sich Ulf Stamer, einer der Szene kundigen Beamten, am Dienstag zu diesem Thema noch nicht äußern konnte.

Eine weitere unbeantwortete Frage ist: Wer kontrolliert wie Tickets und Ausweise von einigen Tausend Fans?

Und noch eine spannende Frage: Das Auswärtsspiel mit der größten Brisanz nach der Winterpause ist die Partie bei RB Leipzig. Es findet im Januar statt, aber am letzten Spieltag der Vorrunde. Laut DFB-Urteil gilt da die Personalisierungspflicht noch nicht. Was nun?

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