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Der Nachbar als letzte Chance

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Von: Markus Katzenbach

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Es ist fast die letzte Hoffnung: Gegen Mainz muss ein Eintracht-Sieg her. Kovac immerhin fällt nicht vom Wunderglauben ab.

Was jetzt noch hilft? Vielleicht eine Geschichtsstunde der besonderen Art. „Es gibt ja den einen oder anderen Film dazu. Ich habe schon überlegt, den Jungs davon mal etwas zu zeigen“, sagt Niko Kovac in Gedanken an das in diesen düsteren Zeiten oft bemühte Frankfurter Fußball-Wunder von 1999. Seinerzeit hat der heutige Eintracht-Trainer selbst noch für Bayer Leverkusen in der Bundesliga gegen den Ball getreten und den Wahnsinn im Waldstadion verblüfft aus der Ferne verfolgt. „Das war schier unmöglich“, erinnert sich Kovac nun, da die Eintracht unter seiner Leitung wieder in einer fast aussichtslosen Lage steckt – und er sagt es den Seinen immer wieder: „Das ist jetzt für uns die Chance, das für einige Unmögliche zu schaffen. Das wäre dann vielleicht wieder ein Wunder, wie bei den Jungs von 1999.“

In der Gegenwart sind die Nachbarn die letzte Hoffnung. Wenn die Frankfurter Noch-Bundesliga-Profis in ihrem verzweifelten Kampf um den Klassenerhalt keine drei Punkte aus dem Rhein-Main-Duell am Sonntag um 17.30 Uhr mit Mainz 05 mitnehmen, „wird es ziemlich schwarz“, wie Rechtsaußen Stefan Aigner dieser Tage feststellen musste. Und wenn sie am Samstag drauf obendrein ohne großen Ertrag aus dem nahen Darmstadt heimkehren sollten, könnte der Abstieg gar schon rechnerisch besiegelt sein.

Kovac indes lässt sich auch kurz vor dem Abgrund nicht vom Glauben abbringen. „Ich bin absolut vom Klassenerhalt überzeugt“, betont der Trainer unbeirrt – und sieht lieber die Chancen als die Risiken der beiden Regionaltreffen innerhalb von nur sieben Tagen. Tatsächlich käme die Eintracht ja wieder ganz nah ans rettende Ufer heran, sollten diese erfolgreich enden. „Sechs Punkte aus den nächsten beiden Spielen wären super, das Heimspiel müssen wir natürlich gewinnen. Ich glaube aber, dass wir auch mit vier Punkten noch eine gute Chance haben, drinzubleiben, abhängig von den anderen Ergebnissen“, rechnet Kovac.

Diese werden allesamt bekannt sein, wenn Schiedsrichter Felix Zwayer die Partie zwischen Frankfurtern und Mainzern zum Abschluss der viertletzten Runde dieser Saison anpfeift. Kovac nimmt es, wie es kommt. „Ich hoffe nur, dass dieser Spieltag nicht wieder komplett gegen uns läuft wie in der letzten Woche“, sagt er. Entscheidend ist aber vor allem eines: „Wir müssen unser Spiel spielen.“

Das hat zuletzt gar nicht schlecht geklappt. Punkte aber gab es nicht – vor allem, weil die Eintracht ohne Alex Meier, ihren Torschützen vom Dienst, einfach keine Treffer mehr landet. Dieser Knoten muss gegen Mainz platzen, sonst könnte es zu spät sein. „Ich sehe Fortschritte in allen Bereichen, das macht mir Mut“, erklärt Kovac. „Man muss sich mit Kampf und Leidenschaft da rausziehen. Ich sehe das tagtäglich im Training. Ich hoffe, dass sich die Jungs auch mal belohnen.“

Zwei, drei Positionen sind noch offen. Ein paar Sachen hat der Trainer unter der Woche ausprobiert, auch sehen wollen, wer den meisten Willen auf den Platz wirft, für den „Abnutzungskampf“, den er gegen laufstarke, schnelle und bestens aufeinander abgestimmte Mainzer erwartet, die in ihrem sensationellen Rennen nach Europa nicht freiwillig Nachbarschaftshilfe leisten werden. Aleksandar Ignjovski könnte rechts für den verletzten Timothy Chandler verteidigen. Und vielleicht wird Mijat Gacinovic, lange vom Pfeiffer’schen Drüsenfieber zurückgeworfen, plötzlich zur Geheimwaffe im Abstiegskampf. „Er hat Spielwitz, Elan und Drive. Die Leichtigkeit, die er in der Situation reinbringt, ist bemerkenswert. Da können sich die anderen eine Scheibe abschneiden“, sagt der Trainer über den Flügelflitzer. „Mal sehen, ob er von Beginn an spielt.“

Auch die zuletzt angeschlagenen Marco Russ, Marc Stendera und Carlos Zambrano haben sich rechtzeitig zurückgemeldet. Einer zumindest aber wird wohl erst einmal nur auf der Bank sitzen – vielleicht Zambrano. „Es bringt ja nichts, wenn wir schon nach 30 Minuten wieder wechseln müssen“, betont Kovac, der trotz der misslichen Lage bis zuletzt voranschreiten will. „Aufgeben ist nicht in meiner DNA“, beteuert er, was soll er auch anderes sagen? Wenn selbst der Trainer nicht mehr daran glaubt, dann, das weiß Kovac, „können wir den Laden gleich zusperren.“ Auch bei den Spielern gibt es, so Kovac, „niemanden, der schon die weiße Fahne schwenkt. Den würden wir auch aussortieren, denn er würde uns nicht mehr helfen können.“

Noch lebt die letzte Hoffnung. Da fehlen auch die Fans nicht, die in ein mit gut 50 000 Zuschauern fast ausverkauftes Stadion strömen. Nur im Gästeblock bleiben ein paar Plätze mehr. Ob es nun ein Derby ist oder nicht, ist Kovac dabei egal. „Wir brauchen nur die Punkte“, betont er. Dass die „Emotionen hochkochen werden“, ist ihm sowieso klar. „Und wenn die Derbys bei Spielern und Zuschauern ein paar Prozentpunkte freimachen, wäre uns geholfen.“ Man dürfe nur nicht überdrehen, mahnt er und wünscht sich kühle Köpfe und heiße Herzen. Und noch mehr: „Wir arbeiten an diesem Wunder“, verspricht Niko Kovac, „und wir glauben alle daran.“

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