19.03.2016, xovx, Fussball 1.Bundesliga, Eintracht Frankfurt - Hannover 96, emspor, Faustabwehr von Lukas Hradecky (Eintracht Frankfurt), Aktion.
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19.03.2016, xovx, Fussball 1.Bundesliga, Eintracht Frankfurt - Hannover 96, emspor, Faustabwehr von Lukas Hradecky (Eintracht Frankfurt), Aktion.

Eintracht Frankfurt

Neuer Eintracht-Kader: Die große Wundertüte

  • VonKlaus Veit
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Man tut sich schwer bei dem Versuch, die sportliche Zukunft der Frankfurter Eintracht zu prognostizieren. Es ist ein Fußball-Bundesligist im Umbruch. Umbruch braucht Zeit, aber Zeit hat ein Fußball-Bundesligist nicht.

Man tut sich schwer bei dem Versuch, die sportliche Zukunft der Frankfurter Eintracht zu prognostizieren. Es ist ein Fußball-Bundesligist im Umbruch. Umbruch braucht Zeit, aber Zeit hat ein Fußball-Bundesligist nicht.

Natürlich musste gehandelt werden nach einer Saison, die erst in der Relegation zum Happy End geführt hatte. Natürlich konnte es kein „weiter so“ geben. Zu viele schwache Auftritte hatte sich die Eintracht in der vergangenen Spielzeit geleistet. Einem knappen Dutzend neuer Spieler wurden Profiverträge gegeben, auch an Hoffnungen aus dem eigenen Nachwuchs. Dies hauptsächlich, um die geforderte Quote an deutschen Spielern zu erfüllen. Denn der Traditionsverein hat sich eine echte Multi-Kulti-Truppe zusammengestellt, 17 verschiedene Nationalitäten sind unter einen Hut zu bringen. Wer derzeit von einer „Wundertüte“ spricht, der wird nicht ausgelacht.

Aber was hätten der neue Sportvorstand Fredi Bobic, Manager Bruno Hübner und Trainer Niko Kovac auch anderes machen sollen? Die Zeit war knapp und hoffnungsvolle deutsche Talente sind für die Eintracht deutlich zu teuer, sind bereits zu verwöhnt durch die hohen Summen, die regelmäßig und demnächst durch den neuen TV-Vertrag noch stärker in den Profifußball geschwemmt werden.

Da versucht man es dann halt mit dem schnellsten kickenden Israeli, einem Verteidiger aus Uruguay oder Jamaika oder leiht sich spanische Talente von Real Madrid aus. Phantasievoll ist das sicherlich. Ob auch erfolgreich, wird sich zeigen.

Natürlich ist diese bunte Mischung Gesprächsthema, nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern auch in der Kabine. Erst recht, nachdem Stefan Aigner, der beliebte Haudegen, auch noch in seine Heimat zum Zweitligisten 1860 München gegangen ist. Da neue Impulse auch gute Seiten haben können, wurde an weiteren Stellschrauben gedreht. Im „Stuff“ gab es ebenfalls Veränderungen, bei den Spezialtrainern und Physios.

Und Kovac setzte auf eine Vorbereitung, die auf diese Art keiner der Eintracht-Profis kannte. Trainingseinheiten von zweieinhalb Stunden waren wochenlang die Regel, wobei der Kroate aber auch immer wieder Pausen gewährte. Bluttests gehören zum Tagesprogramm, in der Hoffnung, schnell eine gestiegene Verletzungsgefahr zu erkennen. Selbst die „Videoüberwachung“ der Einheiten wurde verstärkt, den Spielern wird ein gemeinsames Essen angeboten.

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Klingt alles gut, klingt alles vernünftig, aber Fußballprofis sind auch Gewohnheitstiere, die gerne mal abschalten, wenn es ihnen zu viel an Veränderungen erscheint. Ergebnisse von Vorbereitungsspielen sind kein Gradmesser für die Leistungsfähigkeit einer Mannschaft. Selbst das Pokalspiel beim Drittligisten Magdeburg macht nichts wirklich klarer. Die Eintracht tat sich schwer, wie andere Erstligisten auch, mogelte sich Dank des Elfmeterschießens in die nächste Runde. Im Gegensatz zum Vorjahr in Aue wurde so wenigstens der erste sportliche Tiefschlag der Saison vermieden. Den gab’s dafür auf den Rängen mit Raketen-Wahnsinn.

Was in Magdeburg noch einmal unterstrichen wurde: Zumindest ein Torhüter-Problem hat die Eintracht nicht. Lukas Hradecky, der sympathische Finne, ist eine echte Nummer eins, ist auch mal in der Lage, seinen schwächeren Nebenleuten einen Sieg oder zumindest einen Punkt zu sichern.

Direkt davor fangen die Baustellen jedoch schon an. In der Innenverteidigung wird noch ein zuverlässiger Partner für David Abraham gesucht, rechts hinten liefern sich gleich drei Mann (Chandler, Regäsel, Varela) ein Kopf-an-Kopf-Rennen auf nicht gerade höchstem Niveau. Links hinten hatte man gehofft, mit Taleb Tawatha eine Alternative für Bastian Oczipka gefunden zu haben. Doch erst einmal muss sich der schnelle Israeli an die Trainingshärte gewöhnen.

Im defensiven Mittelfeld spricht einiges für das spanisch-japanische Duo Omar Mascarell und Makoto Hasebe. Besonders der Spanier ist ein feiner Kicker, kann Pässe nicht nur quer oder zurück, sondern auch sinnvoll nach vorne schlagen. Er könnte der wertvollste Neuzugang werden.

Betrachtet man dann die vorderen Reihen und möchte es positiv ausdrücken, kann man von einem erhöhten Konkurrenzkampf sprechen. Geht es nach der Kurve, dann ist Alex Meier natürlich gesetzt. Doch sieht das der Trainer auch so? Passt Meier zu dem von Gladbach gekommenen Stürmer Branimir Hrgota. Bleibt es doch bei Haris Seferovic als Meier-Partner? Oder muss der „Fußballgott“ auch mal auf die Ersatzbank, weil die aufstrebenden Mijat Gacinovic, Luc Castaignos  oder auch Danny Blum einfach sprintstärker sind, besser ins Gegen-Pressing-Konzept passen? Und wie schlägt sich Szabolcs Huszti? Sicherlich kein Usain Bolt, aber ein Mann für Standards und auch mal einen guten Pass.

Keine leichten „Würfelspiele“ also für Niko Kovac. Wobei der Trainer in der Rückrunde gezeigt hat, dass er mehr als sein Vorgänger Armin Veh aus der Mannschaft heraus holen kann. „Und fit dürften sie ja sein angesichts dieser Vorbereitung“, grinste kürzlich Eintracht-Urgestein Charly Körbel.

Kovac gehört auch zu den bereits erkennbaren Hoffnungsträgern der neuen Eintracht. Doch es müssen noch ein paar weitere gefunden werden, damit der Abstiegskampf diesmal ohne Frankfurt stattfindet.

Weder der Trainer noch der neue Sportvorstand Fredi Bobic wollen sich auf einen angepeilten Platz festlegen. Und wollen erst recht nichts von neuen Höhenflügen Richtung Europa League wissen. Möglichst rasch 40 Punkte, ein Platz im Mittelfeld, auch ihre Aussagen klingen nicht sehr präzise.

Man spricht zwar nicht darüber, aber weiß es: Das Jahr eins nach Heribert Bruchhagen kann auch außerhalb des Platzes ein aufregendes werden. Die ruhige Hand des Westfalen fehlt. Wird es trotzdem im Verein ruhig bleiben, wenn im Umfeld die Wellen hoch schlagen? Oder wird es zu internen Machtkämpfen kommen, die häufig der Anfang vom Ende sind?

Für Bobic war in der kurzen Zeit nicht mehr möglich. Doch schon jetzt beginnt für den Schwaben eine noch wichtigere Arbeit: Er muss sich um den Kader für die Saison 2017/18 kümmern. Da gibt es erstmals mehr TV-Geld, das gut angelegt werden muss, wenn die Eintracht wirklich mal wieder etwas nach oben kommen will. Zumal sie ja auf ihr eigenes Leistungszentrum kaum noch bauen kann. Gute Jugendliche gehen lieber zu Vereinen, die eine U 23 besitzen. Diese abzuschaffen, das wird sich von Jahr zu Jahr immer mehr zeigen, war eine gräusliche Fehlentscheidung.

Redaktionstipp: Platz 13

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