Wolfgang Steubing.
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Wolfgang Steubing.

Eintracht Frankfurt

Neuer Zündstoff: Aufsichtsrats-Boss Steubing gießt kräftig Öl ins Feuer

  • VonPeppi Schmitt
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Beim Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt hat die Friedensinitiative von Sportvorstand Fredi Bobic einen Dämpfer erhalten. Aufsichtsratschef Wolfgang Steubing hat seine Kritik an den Spielern Alexander Meier und Lukas Hradecky erneuert.

Es ist erst drei Tage her, es war am Dienstag dieser Woche, als Fredi Bobic einen „Friedenskurs“ bei dem Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt für die beiden größten Streitfälle dieses Sommers eingeläutet hatte. Der Sportvorstand der Eintracht hatte Gespräche geführt und den Krach mit Alexander Meier für beendet erklärt. Und er hatte Gespräche angekündigt, um womöglich mit Torhüter Lukas Hradecky wieder auf eine Ebene des Miteinanders zu kommen.

Nun hat ausgerechnet der Aufsichtsratschef der Eintracht all diese Bemühungen, sich wieder auf sportliche Belange zu konzentrieren, konterkariert. In einem Interview mit der Bild-Zeitung hat Wolfgang Steubing reichlich Öl ins Feuer gegossen, die beiden Spieler, immerhin den Kapitän (Meier) und den im Januar noch zum beliebtesten Spieler des Jahres 2016 gewählten Torwart, massiv angegriffen.

Für Frankfurter Verhältnisse ist es durchaus neu, dass sich der Vorsitzende des höchsten Kontrollgremiums so deutlich in aktuelle sportliche Belange einmischt. Seine Vorgänger hatten das so nie oder nur selten getan. Im Fall Meier scheint Steubing, so kann man die Antworten im Interview interpretieren, hin- und hergerissen zu sein zwischen Respekt vor dem 34 Jahre alten Stürmer und Verärgerung über dessen angeblich schädliches Verhalten der letzten Wochen.

Widersprüchlich

Einerseits sagt der Boss des Aufsichtsrates, „dass wir ihn sehr schätzen“, Meier komme in der Hierarchie der Frankfurter Legenden gleich hinter Jürgen Grabowski, Bernd Hölzenbein und Charly Körbel. „So viele Ikonen haben wir nicht“, sagt Steubing, „ich würde ihn weiterhin sehr gerne bei der Eintracht sehen.“ Dann hört es sich wieder komplett anders an. Meier würde mit einem „griesgrämigen Gesicht“ rumlaufen, wirft er ihm vor, es hätten sich „Verwerfungen“ ergeben. Und alles nur, weil Meier sich am Dienstag vor zwei Wochen hatte am Knöchel operieren lassen und der Verein darüber erst am Tag des Eingriffs informiert wurde. „Ich bin der Meinung, dass man das auf irgendeine Art bereinigen muss“, sagt Steubing, der schon in der „FAZ“ ein paar Tage vorher von möglichen Sanktionen gesprochen hatte.

Damit widerspricht er allerdings Sportchef Bobic komplett. Der hatte am Dienstag erklärt, die Sache sei erledigt und bereinigt. Und hatte hinzugefügt, man müsse nicht wie ein „kleines Kind drohen“. Steubing spricht nun wieder von „Zündstoff“ und meint Meiers Verhalten, dabei ist dieser neuerliche Zündstoff eher durch seine Aussagen entstanden. Im Fall Hradecky wollte die Frankfurter Eintracht noch einmal in Gespräche mit dem Torwart eintreten. Das wird nun sicher nicht einfacher, nachdem Steubing dem finnischen Nationaltorhüter öffentlich den Stempel eines „Raffzahns“ aufgedrückt hat. Es gehe Hradecky in den Gesprächen alleine ums Geld. „Er verliert ganz viel Sympathien“, sagt der Eintracht-Boss, „das ist schade für ihn, aber auch für uns.“ Noch kurz nach der Winterpause war Steubing, ebenfalls in einem Interview, davon ausgegangen, dass es zu einer Vertragsverlängerung mit Hradecky kommen würde.

Nun spricht er davon, er sei persönlich enttäuscht vom Spieler, „sehr, wirklich sehr.“ Dabei dürfte doch gerade Wolfgang Steubing, mit seiner Börsenerfahrung ein Mann des Geldes, klar sein, dass es in Vertragsverhandlungen im Profifußball in der Tat immer nur ums Geld geht. Übrigens geht es auch der Eintracht „nur“ ums Geld, denn sie kann und will nicht so viel zahlen, wie Hradecky für die vom Verein gewünschte vorzeitige Verlängerung verlangt. Auch in diesem Interview wurde nicht erwähnt, dass die Eintracht und Hradecky einen laufenden Vertrag bis 2018 haben, den beide Seiten im Zustand der geistigen Zurechnungsfähigkeit unterschrieben haben.

Mit den jüngsten Aussagen hat Wolfgang Steubing jedenfalls die Arbeit von Sportvorstand Fredi Bobic nicht erleichtert – eher das Gegenteil ist der Fall. Zu den jüngsten Vorgängen wollte sich gestern dennoch kein Verantwortlicher der Frankfurter Eintracht äußern.

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