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Gegen Hoffenheim zeigte er seine bisher stärkste Leistung im Adler-Dress: Filip Kostic.

Eintracht Frankfurt

Neuzugang Filip Kostic hat sich von Spiel zu Spiel gesteigert

Filip Kostic hat bei der Eintracht alle über ihn kursierenden Vorurteile widerlegt. „Guter Junge“, sagt Trainer Hütter.

Es könnte einer dieser taktischen Kniffe gewesen sein, der Eintracht Frankfurt rückblickend betrachtet zu einer bislang erfolgreichen Saison verholfen hat. Gemeint ist jener vom 23. September, am vierten Spieltag der Fußball-Bundesliga, die Eintracht war in der eigenen Arena gegen RB Leipzig gefordert.

Da konnten Reporter, Fans, vielleicht sogar der eine oder andere Spieler nicht ganz glauben, wie Trainer Adi Hütter die Frankfurter Mannschaft da angeordnet hatte. Klar, Dreier- statt Viererkette, das kannte man ja schon von Vorgänger Niko Kovac. Auch dass Hütter liebend gerne zwei echte Spitzen aufbietet, war nun wirklich keine allzu große Neuigkeit.

Mit der Besetzung der linken Bahn dagegen hatte niemand gerechnet. Simon Falette war da in Abwesenheit des gesperrten Jetro Willems vorab in der Verlosung, auch Taleb Tawatha – sollte er denn rechtzeitig fit werden. Gar die jugendliche Variante mit Deji Beyreuther schien eine Option zu sein. Pustekuchen. Filip Kostic hieß die Hüttersche Lösung für die Problemzone. Und spontan hinterließ sie erst einmal fragende Blicke: Kostic? Das ist doch der, der so ungern nach hinten arbeitet. Der, der nur für die eigenen Glanzlichter gegen den Ball tritt. Der, der als Paradebeispiel für den unschönen Begriff Fußballsöldner steht. Adi Hütter, der österreichische Fußballlehrer aus Vorarlberg, wusste es besser. Oder er ahnte es zumindest.

„Wenn man mal in einer Schublade drinsteckt, ist es schwer, da wieder rauszukommen“, sagte Hütter am Sonntag nach dem 2:1-Erfolg der Eintracht über Hoffenheim. Er meinte damit Filip Kostic, der, um im Bild zu bleiben, in einer Schublade feststeckte, die derart verklemmt war, dass sie sich selbst unter Einsatz größter Muskelkraft anfangs nur Zentimeter für Zentimeter öffnen ließ. Bis, ja bis der Widerstand dieser elendig knarzenden, verklemmten Schublade endlich gebrochen war und sie einem quasi entgegenflog. „Man muss Filip ein Kompliment machen, wie er sich präsentiert“, sagte Hütter, „tolle Verpflichtung, guter Junge.“

Zweifelsohne, seit der Verpflichtung Mitte August – Kostic wurde von der Eintracht für zwei Jahre vom Hamburger SV ausgeliehen – hat der 25-jährige Serbe nahezu alle Vorurteile eindrucksvoll widerlegt. Schon bei seinem Debüt als verkappter Linksverteidiger gegen Leipzig machte Kostic ein gutes Spiel, verursachte zwar einen Handelfmeter, wusste aber mit viel Fleiß zu überzeugen. Seitdem ist er gesetzt. Und steigert sich von Spiel zu Spiel. Mit dem Höhepunkt am Sonntag in Sinsheim.

Da marschierte der in Kragujevac, der viertgrößten Stadt Serbiens, geborene Linksfuß rauf und runter. Er setzte zu 33 Sprints an, Bestwert, bereitete das zwischenzeitliche 2:0 von Luka Jovic vor, gewann zudem 14 Zweikämpfe, nur Ante Rebic war da noch einen Tick besser. Kurzum: Es war Kostics bisher stärkste Leistung im Adler-Dress.

Entsprechend wurde Adi Hütter natürlich gefragt, wie er das denn hinbekommen habe, diesen feinen Techniker so schnell zum harten Arbeiter umzufunktionieren. Und ob er das denn schon bei Kostics Verpflichtung so angedacht habe. Hütter zögerte, suchte kurz nach einer passenden Antwort, leicht hätte er nun sagen können, na klar, er habe nie etwas anderes vorgehabt. Doch der Trainer entschied sich für die ehrliche Variante. „Nein, das habe ich nicht. Aber Filip hat sich einfach toll entwickelt.“

Die Karriere des Filip Kostic ist eine, die irgendwie immer vielversprechend war, aber selten über diesen Status hinauskam. 2010 kam er als Jugendlicher beim damaligen Drittligisten FK Radnicki in Serbien zu seinem Profidebüt. 2012 wechselte er zum FC Groningen, musste sich dort anfangs in der zweiten Mannschaft der Holländer behaupten.

Als er es endlich ins Profiteam geschafft hatte, fielen gleich sechs schwäbische Augen auf ihn – die des damaligen VfB-Führungstrios Armin Veh, Fredi Bobic und Ben Manga. Für sechs Millionen wechselte Kostic nach Stuttgart, zwei Jahre später gar für zehn zum Hamburger SV.

Im Sommer dann, als der HSV das üppige Salär von grob 1,7 Millionen Euro als Zweitligist nicht mehr stemmen wollte, erinnerte sich das frühere Stuttgarter und heutige Frankfurter Duo Bobic/Manga wieder an Kostic und lotste ihn ins Hessenland. „Er wird unsere Flexibilität erheblich steigern“, sagte Bobic. „Ich hatte viele Optionen, aber Eintracht ist für mich die beste“, sagte Kostic.

Warum? Da gab es sicher mehrere Gründe. Klar, er hatte von vorneherein gute Chancen, in Frankfurt Stammspieler zu werden. Auch konnte er so weiter in der Bundesliga kicken. Vielleicht waren es aber auch weiche Faktoren, die eine Rolle spielten. Etwa, dass spätestens nach dem anfangs belächelten und am Ende bejubelten Boateng-Coup in Frankfurt auf die Neuen nicht sofort das Fallbeil der Vorurteile herab saust. Oder aber, dass er durch seine beiden Landsmänner Mijat Gacinovic und Jovic sowie „Balkan-Bruda“ Rebic schnell Anschluss finden würde. In Hütters Worten klingt das so: „Wenn er sich wohlfühlt, dann bringt er es auch retour.“

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