Sebastien Haller
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Eintracht Frankfurt

Neuzugang Sébastien Haller: "Ich bin glücklich"

  • VonPeppi Schmitt
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Noch kann er sich nur mit Hilfe eines Dolmetschers oder auf Englisch verständigen. Aber beim Pressetermin gestern wurde schon einmal klar: Mit Sebastien Haller könnte Eintracht Frankfurt noch viel Spaß haben.

So stellt man sich einen Mittelstürmer vor: 1,90 Meter groß, 82 Kilo schwer, ein Modellathlet. Sébastien Haller, der neue Star im Sturm von Fußball-Bundesligist Eintracht Frankfurt, entspricht genau diesem Spielertypen. Dass der Neuzugang auch die Nummer „9" auf dem Rücken tragen wird, ist da fast schon selbstverständlich. Der gerade 23 Jahre alt gewordene Franzose hat diese Nummer von Haris Seferovic übernommen, der die Eintracht Richtung Lissabon verlassen hat.

Haller, gesprochen „Alleer“, ist der bislang teuerste Transfer in der Geschichte der Eintracht, die angeblich rund sieben Millionen Euro an den FC Utrecht bezahlt hat. Eine Summe, die viel Vertrauen ausdrückt, die aber auch Erwartungen schürt. Wenn ein Klub wie die Eintracht so tief in die Tasche greift, muss die Überzeugung groß sein. Haller lässt die Ablöse kalt. Das sei eine Sache der Vereine, darauf habe er keinen Einfluss. Der sympathische Riese ist kein Mann großer Worte. „Ich werde sicher nicht versprechen, dass ich 30 Tore schieße“, sagte der Hüne bei seiner Vorstellung gestern, „ich kann nur versprechen, dass ich mein Bestes geben und hundert Prozent arbeiten werde“.

Dass der auch von englischen Klubs umworbene Haller ausgerechnet den Weg nach Frankfurt gefunden hat, hat in der Fachwelt für Verwunderung gesorgt. Für ihn selbst war es ein logischer Schritt. Vor allem Trainer Niko Kovac habe ihn im persönlichen Gespräch überzeugt. „Der Trainer kennt meine Qualitäten, hat mit einfachen Worten deutlich gemacht, was er von mir erwartet“, sagt er. Die sportliche Perspektive mit dem Sprung von der Ersten Liga in Holland in die Bundesliga und die äußeren Umstände in der Metropole am Main haben ihr Übriges getan. „Hier passt alles perfekt, der Verein, die Stadt, die Fans, das Stadion, nicht nur mein Gefühl war sehr gut, auch das meiner Frau“, sagt er. Gemeinsam mit seiner Frau und dem dreieinhalb Monate alten Töchterchen wird er schon bald ein Appartement am Rande der Stadt beziehen, bis dahin lebt er noch im Hotel.

13 Länderspiel-Tore

Haller hat in der vergangenen Saison in Liga, Europapokal und Landespokal in 39 Spielen 16 Tore für den FC Utrecht erzielt. Das ist eine gute Quote. Er hat alle Jugend- und Juniorennationalmannschaften Frankreichs durchlaufen und für die U 21 in 20 Länderspielen 13 Tore geschossen. Eine überragende Quote. Dass er mit Frankreich nicht an der derzeit stattfindenden U21-EM teilnehmen konnte, sieht er mit einem weinenden und einem lachenden Auge. „Es ist schade, dass wir uns nicht qualifiziert haben“, sagt er, „aber es erleichtert mir vielleicht die Integration in Frankfurt.“

Haller spricht perfekt englisch und will so bald wie möglich auch deutsch lernen. Nach einem ersten Besuch in der Kabine hat er freilich mal bei Dolmetscher Stephane Gödde spaßeshalber nachgefragt, „ob ich nicht besser spanisch lernen soll.“ Haller lacht, als er das erzählt. Er ist ein freundlicher, ein offener Gesprächspartner. Und er hat bei seinem ersten Auftritt vor Kameras und Mikrofonen Eindruck gemacht.

Natürlich wurde er gefragt, was alle Neuen so gefragt werden. Wo denn zum Beispiel seine Stärken liegen würden. Kein Spieler beantwortet das gerne. Haller hat sich aber nicht gedrückt. Natürlich sei sein Körper, die Physis eine seiner Qualitäten, „vor allem aber bin ich Teamplayer“. Er spiele nicht für sich selbst, auch wenn das bei einem Stürmer manchmal auch nötig sei. Bei den wenigen Besuchen in Frankfurt, als er schon das eine oder andere Spiel seiner neuen Mannschaft beobachten konnte, sind ihm die Herausforderungen schnell klar geworden. Die Bundesliga sei „schneller, stärker, größer“ als die holländische Erste Liga. „Für mich ist das ein großer Schritt“, sagt er.

Geboren wurde Haller in Ris-Orangis, als Kind und Jugendlicher spielte er in Vigneux und Bretigny, 2010 wechselte er in die zweite Mannschaft von AJ Auxerre, von 2012 bis 2015 erzielte er 50 Tore für die Profimannschaft des AJ Auxerre. 2015 wechselte er nach Utrecht, nachdem er in Auxerre nicht mehr so wirklich gut zurecht gekommen war.

Von der Ligue 1 in nach Holland war vermeintlich ein Schritt zurück, aber wohl der richtige, um wieder voranzukommen. „Hätte mir damals einer gesagt, du unterschreibst 2017 bei einem Bundesligaklub, hätte ich ihn für verrückt erklärt“, lacht er. Die Bilanz bei den Holländern liest sich eindrucksvoll: In 82 Spielen für den FC Utrecht schoss er 41 Tore. Jetzt gilt seine ganze Konzentration der Eintracht.

Kabinen-DJ

Die ersten Worte auf Deutsch hat er sich schon gemerkt. „Guten Morgen“, sagt er und „ich bin glücklich“. Das ist schon mal ein guter Anfang, um zuversichtlich und fröhlich durchs Leben zu gehen. Auch die Kollegen werden bald ihren Spaß an dem Neuen haben. „In Utrecht war ich der Kabinen-DJ“, hat er erzählt.

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