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Nur noch Endspiele

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Von: Peppi Schmitt

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Er hängt sich bis zum letzten Augenblick voll rein: Eintracht-Angreifer Haris Seferovic (links), hier gegen den Hoffenheimer Vogt.
Er hängt sich bis zum letzten Augenblick voll rein: Eintracht-Angreifer Haris Seferovic (links), hier gegen den Hoffenheimer Vogt. © Jan Huebner (Jan Huebner)

Alle Beteiligten versuchen, den Fokus auf die Liga zu legen. In der „Fernsehtabelle“ sollte die Eintracht noch ein wenig klettern.

Die Regelung ist nicht sehr kompliziert: Der DFB-Pokalsieger wird vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) für die Europa League gemeldet. Gewinnt Borussia Dortmund das Finale gegen die Frankfurter Eintracht, wird nicht der unterlegene Finalteilnehmer, sondern der Tabellensiebte nachrücken. Das heißt für die Eintracht: Um nach Europa zu kommen, muss sie die Borussia schlagen oder eben noch Platz Sieben erreichen.

Beides ist schwer, beides ist möglich. Da vermutlich 50 Punkte nötig sein werden für Platz 7, müsste die Eintracht die letzten drei Begegnungen allesamt gewinnen. Die „Endspiel“-Zeiten für die Frankfurter beginnen also bereits am morgigen Samstag mit dem Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg und enden am 27. Mai mit dem Pokalendspiel. Der Trainer hat seine Spieler darauf eingeschworen. „Das Endspiel ist morgen, Wolfsburg ist jetzt“, sagt Stürmer Haris Seferovic, „die müssen gewinnen, wir wollen gewinnen.“

Dramatische Statistik

Es ist nicht so ganz einfach die Chancen in der Liga einzuschätzen. Das spielerische Potenzial und die letzten Leistungen zeigen, dass es durchaus möglich ist, die beiden abstiegsbedrohten Teams aus Wolfsburg und Mainz zu schlagen. Dann wäre das letzte Heimspiel der Saison gegen RB Leipzig ein absoluter Knaller.

Da ist aber auch jene dramatisch schlechte Statistik, die die Hoffnungen mehr als dämpft. Zuletzt haben die Frankfurter von elf Begegnungen nur eine gewonnen, sind die schlechteste Mannschaft der Rückrunde. Warum sollten sie also nun dreimal am Stück gewinnen?

Alle Beteiligten, egal ob Sportvorstand, Manager, Trainer oder Spieler, versuchen den Fokus auf die Liga zu legen. Denn wichtig sind diese Spiele auch, geht es doch um Millionen von Euro aus der sogenannten „Fernsehtabelle“. Da ist jeder Sieg und jeder Platz von großer Bedeutung. Vorstand Axel Hellmann sagt deutlich, „dass wir noch ein wenig klettern sollten in der Tabelle“. Nun wird es darauf ankommen, dass dies auch die Spieler verinnerlichen. Haris Seferovic hat’s begriffen. „Die Liga ist für uns im Moment wichtiger“, sagt er.

Für den Stürmer hat die Abschiedstour längst begonnen. Der Schweizer Nationalspieler wird nach drei Jahren bei der Eintracht im Sommer ablösefrei zu Benfica Lissabon wechseln. Das soll feststehen, auch wenn es keiner offiziell bestätigt. Über seine Zukunft will er erst „nach dem Endspiel“ sprechen, sagt Seferovic und fügt kryptisch hinzu: „Meine Zeit in Frankfurt ist noch nicht zu Ende.“ Bis zum letzten Spiel will er alles geben, „weil die Stadt geil ist, der Verein geil ist und die Mannschaft auch.“

So redet der 25 Jahre alte Schweizer, ein ehrlicher Typ, geradeheraus. Und so beurteilt er auch seine Zeit in Frankfurt. „Mal ging es bergauf, mal bergab, das erste Jahr war super, das zweite nicht so gut, das dritte mittel“, sagt er. Diese Selbsteinschätzung wird von den Zahlen bestätigt. In der Saison 2014/15 hat Seferovic unter Trainer Thomas Schaaf 32 Bundesligaspiele bestritten, zehn Tore erzielt und acht Vorlagen gegeben. In der Saison 15/16 waren es unter Trainer Armin Veh und am Ende Niko Kovac nur noch 29 Spiele und drei Tore ohne Vorlage. In dieser Spielzeit sind es bislang 22 Spiele und zwei Treffer. Es ehrt ihn, dass er die Schuld nicht beim früheren Trainer sucht. „Ob es an Armin Veh gelegen hat, weiß ich nicht“, sagt er selbstkritisch, „es ist immer besser, die Schuld bei sich selbst zu suchen.“

So sportlich hat er auch in der laufenden Spielzeit hingenommen, dass er nicht mehr ganz so oft erste Wahl war. „Natürlich ist es schwer für alle Stürmer, wenn sie mal draußen und mal drinnen sind und natürlich hätte ich gerne öfter gespielt“, sagt er, „aber Niko hat so entschieden und er ist der Chef.“ Dies habe er immer akzeptiert. Schlechte Gedanken lässt Seferovic sowieso nicht aufkommen. Noch spielt er gerne in Frankfurt und wenn er denn im Sommer geht, dann nimmt er beste Erinnerungen mit. Sein Tor im Relegationsspiel in Nürnberg zum 1:0-Sieg und zur Rettung wird unvergessen bleiben. „Jedes Tor ist schön, aber das war etwas ganz Besonderes“, sagt er, „denn die Stadt und die Fans sind nicht zweitligatauglich.“

Das ist so ein typischer Seferovic-Spruch. Große Worte hat er auch gewählt zu seinem bislang letzten Tor, dem verwandelten Strafstoß beim Elfmeterschießen in Mönchengladbach gegen seinen Nationalmannschaftskollegen Yann Sommer. „Ich hatte Herzrasen“, gibt er zu, „er weiß ja wie ich schieße.“ Also habe er Sommer lange beobachtet und erst nach dessen Reaktion abgeschlossen. „Das war ein unheimlicher Druck“, sagt Seferovic. Er hat ihm Stand gehalten.

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