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Jonathan de Guzman scheint für die Eintracht nur einen Weg zu sehen ? den nach oben.

Eintracht Frankfurt

In Berlin soll das Team von Adi Hütter heute in die Erfolgsspur zurückfinden

Die Niederlage gegen Wolfsburg, war ein Dämpfer, mehr nicht. Im Training gab es Nachhilfe in Sachen taktischer Disziplin.

Wenn sich jemand bei Eintracht Frankfurt der Folgen der beeindruckenden Auftritte dieser Saison nicht bewusst sein sollte, dem sei geraten, diese Worte genau zu studieren: Die Hessen seien „der Riesenfavorit“, dazu natürlich auch „die Überraschungsmannschaft der Saison“. Gesagt hat das der kommende Gegner, genauer der gegnerische Trainer Pal Dardai. Der ansonsten immer so ein bisschen knorrige Fußballlehrer von Hertha BSC geriet vor der heutigen Partie (18.30 Uhr) im Berliner Olympiastadion geradezu ins Schwärmen, als er über die Gäste aus Frankfurt sprach. Noch ein Beispiel gefällig? Bitte schön. „Die Eintracht spielt eine starke Saison und hat vorne richtig gute Spieler, da müssen wir 90 Minuten lang aufpassen.“

Eintracht Frankfurt, das ist klar, hat sich Respekt bei der Konkurrenz erspielt, der Tabellenfünfte der Fußball-Bundesliga wird bei der Rückkehr an den Ort seines Pokaltriumphs sicher nicht unterschätzt – vor allem nicht nach der wortgewaltigen Lobhudelei des Berliner Trainers. Wenngleich sie natürlich nicht unberechtigt war.

Denn das Team von Trainer Adi Hütter spielt eine außerordentlich gute Runde, eine Überraschungsmannschaft ist die Eintracht nach ihrem schwachen Start und der starken Reaktion ohnehin. „Die Erwartungshaltung hat sich verschoben. Ich spüre, dass wir wahrgenommen und respektiert werden“, sagte Hütter gestern bei der Pressekonferenz kurz vor der Abreise nach Berlin und fügte noch schnell an: „Damit fühlen wir uns ziemlich wohl.“

Während die Berliner ihre erste Formdelle der Saison gerade überwunden haben – auf ein 3:3 gegen Hoffenheim folgte zuletzt der souveräne 2:0-Erfolg in Hannover –, kassierte die Eintracht im Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg (1:2) die erste Niederlage seit dem 26. September. Ein Dämpfer, der sich, geht es nach Trainer Hütter, in der Hauptstadt nicht wiederholen soll: „Die Mannschaft hat in der Trainingswoche einen guten Eindruck hinterlassen. Ich habe nicht gesehen, dass sie verunsichert ist. Die Mannschaft ist stabil.“

Salcedo vor der Rückkehr

Klare Worte, die nicht nur den 3200 nach Berlin mitreisenden Eintracht-Anhängern Hoffnung machen dürften, sondern natürlich auch dem Trainer selbst. Gegen Wolfsburg habe es vor allem an der nötigen taktischen Disziplin gehapert, so Hütter, der die zu großen Abstände zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen monierte. „Da haben wir in dieser Woche den Hebel angesetzt.“

Dass die kleinen Nachlässigkeiten auch auf die so schlauchende Europapokalsaison mit bereits 20 absolvierten Pflichtspielen zurückzuführen ist, sieht der 48-jährige Coach dagegen nicht. „Die Mannschaft ist physisch und mental in einem Topzustand“, sagte Hütter, der personell deshalb wohl auch nur auf einer Position im Vergleich zur Wolfsburg-Pleite umbauen wird. Anstelle von Marco Russ dürfte in der Dreierkette ziemlich sicher Carlos Salcedo auflaufen. Der Mexikaner hatte sich am zweiten Spieltag am Sprunggelenk verletzt, musste operiert werden, kämpfte sich ruckzuck zurück und ist seit knapp drei Wochen wieder im Training dabei. „Carlos ist ein Thema“, kommentierte Hütter die Personalie knapp, um kurz darauf allgemeiner zu werden: „Für uns geht es jetzt darum, bis zur Winterpause noch einmal alles herauszuholen, was im Tank drin ist.“

Was Hütter zwar nicht direkt sagt, aber doch in jedem Satz dezent mitschwingen lässt: Er selbst glaubt, dass noch ganz schön viel drin ist. Der Österreicher vertraut seinen Jungs, und er fordert sie. Angesprochen auf Filip Kostic, der im Wochenverlauf von der Champions-League-Qualifikation als „Traum“ gesprochen hatte, versuchte Hütter erst gar nicht, seinen Linksaußen zu zügeln. Vielmehr scheint Kostics Ansatz, groß zu denken, ziemlich exakt dem Naturell seines Trainers zu entsprechen. „Wer keine hohen Ziele hat, der wird immer in der Komfortzone bleiben. Klar, manchmal scheitert man auch, aber ich bin eher ein Trainer, der versucht, sich nach oben zu orientieren.“

Nun soll das sicher nicht heißen, dass Adi Hütter seine Mannschaft am Saisonende unter den ersten vier in der Tabelle erwartet oder das gar als Ziel ausgegeben hätte. Natürlich nicht, „das wäre absoluter Wahnsinn“, so Hütter. Gleichwohl bedeutet es aber schon, dass der Trainer weiter selbstbewusst seinen Weg gehen will.

von DANIEL SCHMITT

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