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Das kann sich sehen lassen: Die Eintracht-Spieler mit dem Bild einer Tribünen-Choreographie in der Europa League, vor den treuen Fans in der Kurve.

Eintracht Frankfurt

Pleite gegen Bayern: Die Eintracht kann ihre überragende Hinrunde nicht mit einem Sieg krönen

Selbst gegen die Bayern ist die Eintracht anfangs „Chef auf dem Platz“, wie Trainer Adi Hütter sagt. Am Ende verliert man trotzdem 0:3. Von der Hinrunde seiner Mannschaft aber ist Hütter begeistert.

So schnell wie sie sonst spielen, so schnell waren sie am Samstagabend verschwunden, die Profis von Eintracht Frankfurt. Nur weg von diesem Ort, raus aus den Katakomben des Stadions, rein in den nächsten Jet, zum Glück liegt der Flughafen nur einen weiten Abschlag vom Tor entfernt. Luka Jovic etwa, einer der Senkrechtstarter dieser aus Frankfurter Sicht so erfolgreichen Hinrunde, postete bald schon ein Bildchen vor der Privatmaschine, im Kreise seiner Kumpel. „Happy Birthday to me“, sendete der seit gestern 21 Jahre alte Serbe noch ins Internet, dann hob der mit zwölf Treffern beste Torschütze der ersten Klasse erst sein Glas – und ab in den sicher wohlverdienten Weihnachtsurlaub. Auch die anderen Frankfurter Kicker suchten, kaum geduscht und geföhnt, geradezu fluchtartig das Weite, erst am 3. Januar kehren sie zurück, dann geht es wieder los mit dem Balltraining, und bis dahin soll keine Minute der Erholung verschenkt werden. Man kann das verstehen.

Mannschaft von Eintracht Frankfurt spürt positiven Energie der Fans

Zuvor, noch auf dem Rasen, hatte sich die komplette Mannschaft, also auch die angeschlagenen Spieler wie David Abraham oder Ante Rebic, bei ihren Fans verabschiedet. Sie hielten ein großes Plakat in die Höhe, das sie von den Treuesten der Treuen aus der Nordwestkurve überreicht bekommen hatten, das eine beeindruckende Choreographie der Anhängerschaft zur Europa League zeigte. Diese „positive Energie der Fans“ habe die Mannschaft häufig in dieser Saison gespürt, oft gebraucht, hob Trainer Adi Hütter später hervor, selbst wenn vielleicht der eine oder andere Pyro zu viel abgefackelt wurde. Aber das sagte Hütter nicht, er lobte viel mehr fast überschwänglich die Art und Weise, wie Eintracht Frankfurt unter seine Ägide Fußball gespielt und sich präsentiert hat. „Das begeistert mich.“

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Diese überragende Hinrunde mit 27 Punkten vermochte am Samstagabend auch nicht mehr die 0:3 (0:1)-Niederlage gegen den FC Bayern München trüben. „Wir haben auf dem letzten Loch gepfiffen“, musste Hütter einräumen, 25 Pflichtspiele und acht Englische Wochen seit Mitte August, binnen vier Monaten, haben Spuren hinterlassen. Zumal die Hessen einen Spielstil kultiviert haben, der viel Kraft erfordert und extrem laufintensiv ist. Eintracht Frankfurt kann eben nur Vollgasfußball spielen, stets nach vorne, immer bis ans Limit gehend. Und irgendwann ist dann der Akku leer. Man habe sehr schnell „das Ende der Reise“ bemerkt, „was die Körner angeht“, sagte der Präsident Peter Fischer.

Eintracht Frankfurt spielt wilden, offensiven Fußball

Interessanter wäre diese Partie verlaufen, wenn Eintracht Frankfurt Kapital aus den ersten sehr guten, druckvollen 20, 25 Minuten geschlagen hätte. Da nämlich „waren wir Chef auf dem Platz“, hob Hütter den Daumen. Da spielten die Seinen genau diesen wilden, offensiven Fußballs, den der Coach seiner Mannschaft verordnet hat, ungestüm, aufregend, mit offenem Visier. Vier prima Gelegenheiten hatten sich den Gastgebern geboten: Danny da Costa (8.), Sebastien Haller (9.), Luka Jovic (11.) und Mijat Gacinovic (18.) hatten den Führungstreffer auf dem Fuß. Die Bayern, ebenfalls ersatzgeschwächt angetreten, wussten zeitweise gar nicht, wie ihnen geschah. Die Eintracht war giftig, attackierte früh, so wie sie das in vielen zurückliegenden Spielen in bester Manier getan hatte. Nur hatten sie es nicht geschafft, sich für den Aufwand zu belohnen. Das sollte sich rächen, gerade gegen die Bayern, die eiskalt zurückschlugen.

Konnte Kevin Trapp zweimal binnen Sekunden gegen Javi Martinez und Thomas Müller (13.) noch parieren, so war er gegen den Schuss von Bayerns Bestem, Franck Ribery (34.), machtlos. Dieser Treffer zog den Frankfurtern ein bisschen den Zahn. „Danach hat mir unsere Körpersprache nicht gefallen“, kritisierte Hütter. „Wir haben die Köpfe in den Sand gesteckt. Das mag ich nicht.“ Ein 0:1 könne man allemal noch aufholen. Doch die Bayern ließen nun die Frankfurter laufen, verwalteten das Spiel und schlugen spät durch Ribery (79.) und nach einer verunglückten Flanke von Rafinha (89.) nochmals zu. Hütter vermisste insbesondere Griffigkeit und Aggressivität, die sein Team sonst immer in die Waagschale zu werfen bereit ist.

Ein paar Ausfälle zu viel im Kader von Eintracht Frankfurt

Gerne hätte man an diesem 17. Spieltag eine Eintracht gesehen, die mit voller Kapelle gegen die keinesfalls mehr übermächtigen Bayern gespielt hätte. Also mit den Abwehrmännern Makoto Hasebe und David Abraham, vor allem aber mit Ante Rebic, der im Mainz-Spiel einen Schlag auf das Sprunggelenk bekommen hatte und passen musste. Mit noch mehr Durchschlagskraft, vor allem mit einer bessere Defensive, hätten die Frankfurter München mehr in die Bredouille bringen können. Gerade die Abwehr wirkte nicht sattelfest, besonders Carlos Salcedo, und Simon Falette kann einem Hasebe nicht im Geringsten das Wasser reichen. Es waren also ein Spiel und ein paar Ausfälle zu viel.

„Um die Bayern zu schlagen“, fasste Hütter zusammen, „brauchst du alle Mann an Bord“. Die hatte die Eintracht dann nicht mehr, zumal Mijat Gacinovic kurz vor der Pause mit Verdacht auf Muskelfaserriss ebenfalls aufgeben musste. Und den Sonntag – anders als das Gros der Kollegen – in Frankfurt zur medizinischen Untersuchung bleiben musste.

THOMAS KILCHENSTEIN UND INGO DURSTEWITZ

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