Eintracht-Stürmer Bum-Kun Cha (rechts) überrennt Lauterns Briegel.	Foto. Klein
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Eintracht-Stürmer Bum-Kun Cha (rechts) überrennt Lauterns Briegel. Foto. Klein

Eintracht Frankfurt

Pokalsieg 1981: „Holz“ hat es danach sehr eilig

  • VonKlaus Veit
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Pokalerfolg Nummer drei für Eintracht Frankfurt: Auch Friedhelm Funkel konnte die 1:3-Niederlage des 1. FC Kaiserslautern im Finale nicht verhindern.

Bernd Hölzenbein runzelt die Stirn, als er auf das DFB-Pokalfinale 1981 in Stuttgart angesprochen wird. „Oh, da kann ich mich nicht mehr an viel erinnern.“ Nein, das hängt nicht damit zusammen, dass es sich für ihn nach den Erfolgen 1974 und 1975 beim 3:1 über den 1. FC Kaiserslautern fast schon um einen Routine-Auftritt handelte.

Für den Weltmeister von 1974 ist ein Pokalerfolg nach der Deutschen Meisterschaft heute noch das zweithöchste Ziel, was ein Fußballprofi in der Bundesrepublik erreichen kann. Schöner noch als der Sieg in einem europäischen Wettbewerb, den er mit den Adlerträgern ja im Uefa-Cup 1980 auch schon hatte feiern können.

Nein, an diesem 2. Mai 1981 fiel es dem „Holz“ einfach schwer, sich auf dieses Finale zu konzentrieren. Es war auch sein Finale im Eintracht-Trikot. Denn nur zwei Tage später stand für die gesamte Familie Hölzenbein der Aufbruch zu einem großen Abenteuer an. Der Flug nach Miami in den Südosten der USA, denn der Profi hatte für die nächsten zwei Jahre bei den Fort Lauderdale Strikers unterschrieben. Nach 460 Einsätzen in der Bundesliga hieß es dann plötzlich US-Soccer-League.

Im Flieger nach Florida konnte der Junge aus Dehrn bei Limburg die Eintracht auch geistig etwas hinter sich lassen. Gedanken an den Anfang, als er 1966 vom TuS Dehrn zu der Eintracht wechselte, zuerst nur bei den Amateuren ohne Geld spielte, dafür aber den Wunsch erfüllt bekam, schon mal aufs „große“ Mannschaftsfoto zu kommen. Dann 1967 der erste Auftritt in der Bundesliga, der Aufstieg zu einem Star, der national und international für Furore sorgte. Unvergessen sein Tor im Sitzen gegen Dinamo Bukarest, unvergessen das WM-Finale 1974 gegen Holland, als er so rüde gefoult wurde, dass der Schiedsrichter sofort auf den Elfmeterpunkt zeigte. Manch einer behauptet, diese Aktion sei die erste Fußball-Schwalbe gewesen und Hölzenbein hatte unzählige Male die Frage beantworten müssen, ob dies nun ein Elfmeter gewesen sei oder nicht. Seine Antwort war so schlitzohrig wie die gesamte Aktion: „Natürlich war es ein Elfmeter. Die Frage hätte lauten müssen, ob es ein Foul gewesen war.“

Die USA, das war eine neue Welt für ihn, für seine Frau Jutta, für die kleine Sabrina und den noch kleineren Sascha, der in den ersten Tagen in der neuen Wahlheimat auch noch in einen Pool gerutscht war, weil ihn seine Schwester nicht richtig festgehalten hatte. Ein mitgereister deutscher Boulevard-Journalist schrieb damals: „Hölzenbeins Sohn fast ertrunken.“ Worüber der Papa längst schmunzeln kann: „Überhaupt nichts ist passiert.“ Man habe ihn ja gleich wieder rausgezogen, den nassen, aber unversehrten Sprössling. Nicht einmal erkältet hatte er sich.

Dann fällt ihm doch noch etwas zum Finale ein: „Ich war danach völlig unzufrieden, denn ich war schlecht gewesen, obwohl ich als Kapitän ja eine gewisse Verantwortung getragen hatte.“ Typisch Hölzenbein, der seine Selbstzweifel trotz der großen Karriere nie ganz in den Griff bekommen hatte. Er verweist 36 Jahre später lieber auf Willi Neuberger, Ronald Borchers und Bum-Kun Cha, auf die Torschützen, die den Pfälzern keine Chance gelassen hatten. Erst in der Schlussphase hatte Lautern auf 1:3 verkürzen können.

Trainer Lothar Buchmann hatte die angeblich schwache Leistung von Hölzenbein sowieso nie wahrgenommen oder rasch wieder vergessen. „Das ganze Spiel hat riesigen Spaß gemacht, weil meine Mannschaft an diesem Tag einfach hervorragenden Fußball geboten hat.“ Da hatte auch auf Lauterer Seite ein Mann mit schwarzem Vollbart nichts ändern können: Friedhelm Funkel, der 25 Jahre später als Trainer mit der Eintracht erneut ein Pokalfinale verlieren sollte, 2006 in Berlin mit 0:1 gegen die Münchner Bayern.

Während die Lauterer also enttäuscht die Heimreise antreten mussten, wurde bei der Eintracht gefeiert. Natürlich auch bei den Hölzenbeins, obwohl der Bernd im Gegensatz zum Uefa-Cup-Sieg 1980 diesmal den „Pott“ nicht stibitzte und mit ihm im Bett schlief.

Die letzten Koffer wurden gepackt, dann ging es in eine neue Welt. Ein großes Hotel-Apartment direkt am Strand von Pompano Beach, ein paar erste Tipps von Gerd Müller, dem Bomber der Nation, der ja schon Strikers-Erfahrung hatte sammeln können. Der schon wusste, dass man seine Familie wegen den großen Entfernungen und den langen Flugreisen nur selten sehen wird. Der auch gelernt hatte, mit dem heißeren Klima umzugehen.

Für Bernd Hölzenbein war das alles neu, alles anders als in Deutschland. Hier hatte es damals noch geheißen, ein Spieler müsse trocken bleiben, dürfe während Training und Spiel wenig trinken. In den USA war die Sportwissenschaft schon einen Schritt weiter. „Die rannten während des Trainings immer wieder zu den großen Gatorade-Tonnen und tranken etwas.“ Er tat das nicht und bekam prompt in den ersten Monaten einige Muskelzerrungen.

Das Pokal-Finale von 1981 war also das letzte Spiel von Bernd Hölzenbein im Eintracht-Trikot gewesen. Doch von diesem Verein ist er nie weggekommen. Er kam zurück als Vizepräsident, Manager, Berater des Vorstandes und als Chefscout. Und er ist an einem Montagmorgen noch immer nicht gut drauf, wenn die Eintracht am Wochenende verloren hat. So wie kürzlich, nach dem 2:4 in Mainz. Da merkt man, dass er gerne noch weiter für die Adlerträger gearbeitet hätte. Aber Ende Juni ist für den inzwischen 71-Jährigen Schluss.

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