Weihnachten kann kommen: Sébastien Haller (links) und MIjat Gacinovic haben der Eintracht in Heidenheim ins Pokal-Viertelfinale verholfen.
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Weihnachten kann kommen: Sébastien Haller (links) und MIjat Gacinovic haben der Eintracht in Heidenheim ins Pokal-Viertelfinale verholfen.

Eintracht Frankfurt

Positive Halbzeit-Bilanz: Zufrieden in die kurzen Ferien

  • Markus Katzenbach
    VonMarkus Katzenbach
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Selbst Trainer Kovac freut sich, über Weihnachten mal nicht an Fußball zu denken. Mit der Hinrunde seiner Eintracht kann er zufrieden sein.

Die kurzen Weihnachtsferien begannen im Grunde schon oben auf dem Heidenheimer Schlossberg. Es ging bereits auf Mitternacht zu, als der Tross der Frankfurter Eintracht nach getaner Arbeit einschließlich einer – freilich selbst verschuldeten – Sonderschicht am ganz späten Mittwochabend den Mannschaftsbus bestieg, um durch die Nacht noch in die Heimat zu fahren. Und sich dann in alle Winde zu zerstreuen, für eine kleine Pause über das Fest. „Ich freue mich darauf, ein paar Tage nicht an Fußball zu denken, sondern auch mal andere Sachen zu erleben“, sagte selbst der akribische Trainer Niko Kovac mit einem Lächeln. Für seine Spieler konnte er dabei auch noch eine vorweihnachtliche Belohnung verkünden. „Ich habe ihnen vorher gesagt, dass es einen freien Tag mehr gibt, wenn wir weiterkommen“, berichtete der Coach nach der Zitterpartie im frostigen Heidenheim – und nachdem mit dem 2:1 nach Verlängerung im Achtelfinale des DFB-Pokals diese Voraussetzung erfüllt war, bestätigte er: „Wir starten jetzt erst am 29. Dezember, das haben sich die Jungs verdient.“

Dass sie sich bei dem kampfstarken Zweitligisten auf der Schwäbischen Alb nicht mit Ruhm bekleckert hatten, war dem Trainer hinterher ziemlich egal. Weiterkommen, egal wie, am Ende einer kräftezehrenden Halbserie – das war das Motto vorher, und das war hinterher auch das Fazit. Viel mehr zählte das Große und Ganze, und da konnte Kovac mit den Seinen zufrieden sein. „Wir sind glücklich“, hob er zu seiner Hinrunden-Bilanz an. „Wir stehen im Pokal-Viertelfinale, und haben in der Liga 26 Punkte. Wir mischen oben mit, wo wir vom Budget vielleicht nicht hingehören.“ 2017 könne man „erfolgreich abschließen“, betonte er, nicht ohne vorausschauend anzufügen: „Wir müssen 2018 schauen, dass wir das bestätigen, was wir in der Hinrunde gezeigt haben.“

Wieder hochfahren

Ein solcher Absturz wie in der Rückrunde der vorigen Saison soll tunlichst vermieden werden. Hoffnung macht da, dass die Mannschaft einen sehr stabilen Eindruck hinterlässt, dass der Kader breiter aufgestellt ist – und dass mit Omar Mascarell und Marco Fabián und vielleicht irgendwann auch Alexander Meier schmerzlich vermisste Dauerpatienten zurückkehren, die auch für einen besseren Umgang mit dem Ball sorgen könnten. Das ist bei aller Kampfstärke und taktischer Disziplin die größte Baustelle, das war auch an dem langen Pokalabend unübersehbar.

An mangelnder Vorbereitung wird dieses Unterfangen nicht scheitern. Auch mit einem zusätzlichen freien Tag verordnet Kovac seinen Spielern die kürzesten Weihnachtsferien der ersten Klasse. Der FC Augsburg etwa fängt zwar schon am 28. Dezember wieder an, war aber im Pokal schon nicht mehr am Ball und früher in der Pause. „Ich habe mit Manuel Baum gesprochen, sie machen es ähnlich wie wir“, berichtet Kovac vom Austausch mit dem Kollegen beim FCA. Jeweils zwei öffentliche Trainingseinheiten am nächsten Freitag und Samstag dienen ihm auch dazu, nach Weihnachten das Programm wieder hochzufahren – ehe es am 2. Januar ins Trainingslager nach Alicante geht. „Es geht darum, dass die Jungs wieder reinkommen müssen“, erklärte er. „Wir können nicht im Trainingslager voll loslegen, wenn vorher zehn Tage Pause waren.“ Ob dann schon der eine oder andere Wechselkandidat nicht mehr im Kader ist? „Einige wissen, wie es um sie steht. Dementsprechend sind sie sicher schon aktiv“, sagte Kovac. Im Fall von Andersson Ordóñez gab es sogar schon Vollzug: Der Verteidiger hat nach nur einem Frankfurter Jahr wieder in seiner Heimat Ecuador angeheuert. Klarheit besteht auch in einer anderen Personalie: Mit dem Einsatz in Heidenheim griff die Kaufoption bei Ante Rebic, dessen Vertrag sich damit auch bis 2021 verlängerte. „Es freut mich sehr, dass wir so einen Spieler fest verpflichten konnten“, bekundete der Trainer.

Torschusspanik abgelegt

Zu seinen Stärken zählt es, möglichst jeden Profi im Kader „mitzunehmen“, wie Kovac zu sagen pflegt. Dazu gehört auch, immer wieder Kräften aus der zweiten und dritten Reihe Chancen zu geben. In Heidenheim konnte das Branimir Hrgota in der Startelf nicht unbedingt nutzen, dem eingewechselten Danny da Costa aber gelang die Eigenwerbung. Mijat Gacinovic wiederum hat unlängst eine schöpferische Auszeit richtig gut getan. Dem Bankplatz gegen den FC Bayern folgten drei starke Auftritte in Serie. Weil der schmächtige Serbe dabei seine quälende Torschusspanik ablegte und ihm mit Treffern in Hamburg (2:1) und Heidenheim sowie zwei Vorlagen gegen Schalke 04 (2:2) endlich die ersehnte Verbesserung in diesen Statistiken glückte, war er der einzige im Eintracht-Lager, bei dem fast ein bisschen Bedauern darüber durchklang, dass die erste Halbzeit der Saison ausgerechnet jetzt vorbei ist. „Es ist fast schade, dass es jetzt in die Winterpause geht, wo ich treffe“, sagte er grinsend – und wusste freilich auch: „Aber die Pause ist ja auch nur kurz.“

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