Torschütze Ante Rebic sitzt enttäuscht im Meer der Glitzerfäden.
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Torschütze Ante Rebic sitzt enttäuscht im Meer der Glitzerfäden.

Eintracht Frankfurt

Der Pott fehlt halt: Die Eintracht zwischen Zufriedenheit und Enttäuschung

  • VonKlaus Veit
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1:2 gegen Dortmund das Pokal-Finale verloren, die Europa League verpasst. Das Ergebnis ist schlecht und ein Kuchen fliegt in die Tonne.

Im Berliner Ritz Carlton liegt inzwischen eine große, leckere Torte im Müll. Gold glänzend, geformt wie der DFB-Pokal, so hätte sie beim Mitternachts-Bankett der Frankfurter Eintracht einer der kulinarischen Höhepunkte werden sollen. Aber dafür hätte sie halt das DFB-Pokalfinale gegen Borussia Dortmund gewinnen müssen. Da sie sich zwar wacker schlug, aber am Ende mit 1:2 gegen Borussia Dortmund verlor, herrschte nicht nur bei dem Berliner Konditormeister Tristesse.

Manch einer sprach zwar vom „Pokalsieger der Herzen“, aber da konnte nicht nur Bastian Oczipka lediglich müde lächeln. „Das hört sich zwar gut an, aber es fehlt eben der Pott.“ Der gleichzeitig die Eintrittskarte für die Europa League gewesen wäre. So aber müssen sich die Frankfurter vom 28. Juni an, dem ersten Trainingstag nach dem Urlaub, auf die nationalen Wettbewerbe konzentrieren.

„Ich bin einfach nur traurig, enttäuscht“, erklärte „Fußball-Gott“ Alexander Meier die Gefühle der Mannschaft. „Wir hätten gern den Pokal gewonnen.“

Aber Dortmund war eben den Tick stärker in der Anfangsphase, ging früh durch den pfeilschnellen Dembélé in Führung (8.). Danach aber dominierte die Eintracht bis zur Pause, durch Ante Rebics Ausgleich (29.) keimte neue Hoffnung auf. Doch dann scheiterte Haris Seferovic zehn Minuten später am Pfosten. Alles richtig gemacht, aber Pech. Und das darf man nicht haben, will man ein Finale gegen eine so starke Mannschaft wie Borussia Dortmund gewinnen.

Unglücklich war auch die Entstehung des entscheidenden BVB-Treffers. Eintracht-Keeper hatte in dieser Pokalsaison zuvor bei 18 Elfmetern lediglich zehn Tore kassiert. Doch diesmal wurde der Finne zum tragischen Helden. Zunächst holte er Pulisic von den Beinen anstatt einfach auf der Linie zu bleiben, dann ließ er sich von Torjäger Aubamejang vom Punkt verladen (67.).

Pulisic war erst nach der Halbzeit für die verletzten Schmelzer sowie Reus gekommen. Und mit diesen beiden wurde die Qualität des Dortmunder Spiels nicht etwa schlechter sondern besser. Einen solch ausgeglichenen Kader hat die Eintracht halt nicht. „Dortmund investiert halt mal hundert Millionen Euro, wir zweieinhalb“, zuckt Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic resignierend mit den Schultern. „Jetzt ist die Zeit, die Seele ein wenig baumeln zu lassen. Dann müssen wir den Kopf hochhalten und weiter arbeiten“, meinte der Schwabe noch in den Katakomben des mit 74 322 Zuschauern ausverkauften Olympiastadion. Später im Hotel dankte er vor der Prominenz, den Spielern und vielen Mitarbeitern für ein starkes Jahr mit „tollen Siegen und schmerzhaften Niederlagen.“ Um dann die enttäuschten Profis aufzufordern: „Lasst es krachen, ich sehe auch nicht hin!“

Einen Sieger im Lager der Eintracht könnte es an diesem Abend aber doch gegeben haben. Slobodan Medojevic hatte wegen Verletzungen mehr als ein Jahr nicht gespielt, war längst abgeschrieben, ehe ihn Nico Kovac vor dem Finale überraschend aus dem Hut zog. 65 Minuten hielt der „Medo“ als „Sechser“ durch, machte seine Sache so gut, dass Kovac sich plötzlich vorstellen kann, dass der auslaufende Vertrag verlängert wird: „Wir werden das besprechen, werden aber natürlich auch die Ärzte befragen.“

Und schließlich konnte auch Marketingvorstand Axel Hellmann am Ende eines unglücklichen Abends noch eine gute Neuigkeit verkünden. Der neue Hauptsponsor sei in trockenen Tüchern. Ein ausländisches Unternehmen, das den Zeitpunkt der Verkündung bestimmen darf – wohl noch in dieser Woche.

Als Hellmann dies sagte, waren viele der über 20 000 Eintracht-Fans schon auf der Heimreise. Sie alle dürfen sich auch als Sieger fühlen. Eine tolle Choreo vor dem Anpfiff, während der Partie blockweise wechselnd geschwenkte Eintracht-Fahnen, das war Gänsehaut pur. Auch bei den Spielern.

Frankfurt: Hradecky – Hector, Abraham, Vallejo – Chandler (72. Meier), Medojevic (56. Tawatha), Gacinovic, Oczipka – Fabián (79. Blum) – Seferovic, Rebic. – Dortmund: Bürki – Bartra (76. Durm), Sokratis, Schmelzer (46. Castro) – Piszczek, Ginter, Guerreiro – Dembélé, Kagawa – Aubameyang, Reus (46. Pulisic). – SR: Aytekin (Oberasbach). – Tore: 0:1 Dembele (8.), 1:1 Rebic (29.), 1:2 Aubameyang (67., Foulelfmeter). – Zuschauer: 74.322 (ausverkauft). – Gelbe Karten: Gacinovic (2), Hradecky, Abraham, Rebic.

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