Der Frankfurter Präsident Peter Fischer vor dem Anpfiff.
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Der Frankfurter Präsident Peter Fischer vor dem Anpfiff.

Eintracht Frankfurt

Präsident Peter Fischer sieht keinen Bedarf für einen U-23-Ersatz

  • VonRoland Stipp
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Die Zusammenarbeit der Eintracht mit Hessen Dreieich wurde mit viel Tamtam verkündet. Sinn macht sie wohl nur für den Hessenligisten.

Die Presseerklärung, die am Montagmittag in den Redaktionspostfächern landete, war lang und sollte Aufbruchstimmung vermitteln. In sportlicher Hinsicht, so heißt es vonseiten der Eintracht Frankfurt Fußball AG zur Kooperation mit dem Hessenligisten Hessen Dreieich, stünde die Zusammenarbeit mit der dortigen Ersten Mannschaft im Mittelpunkt sowie die „Sichtung und Ausbildung jugendlicher Talente“.

Zu den Fakten: Die Eintracht hat ihre Zweite Mannschaft schon 2014 abgemeldet – weil sie nicht einmal in der Regionalliga einen sportlichen Nutzen brachte. Dreieich hat gerade freiwillig auf den Aufstieg in die Regionalliga verzichtet und spielt weiter eine Klasse tiefer. Da stellt sich vor allem eine Frage: Ist die Sichtung und Ausbildung von Talenten aus der Region nicht die ureigene Kompetenz und Bestimmung des Nachwuchsleistungszentrums der Eintracht am Riederwald?

Das ist so, und das sieht auch der Präsident so. „Wir machen da tolle Arbeit – und zwar auch zusammen mit der Profiabteilung, die den Jungs ja im richtigen Moment auch die Chance geben muss, sich zu zeigen“, stellt Peter Fischer klar und verweist auf die erfolgreichen Eigengewächse der letzten Jahre wie Sonny Kittel, Aymen Barkok und Marc Stendera.

Eintracht-Legende Karl-Heinz Körbel, inzwischen Vizepräsident bei Dreieich, sieht dennoch Bedarf für eine Zusammenarbeit. In einem „FAZ“-Interview sagte er, ein Ziel der Eintracht müsse sein, „irgendwann einen jungen Spieler für viel Geld zu verkaufen“. Welche Rolle Dreieich dabei spielen soll, blieb allerdings unklar. Ein Spieler, der es bei der Eintracht nicht zu den Profis schafft und auch nicht zu einem anderen Verein in die erste, zweite oder dritte Liga, wird damit ja wohl nicht gemeint sein.

Körbel sagt auch, dass es für Nachwuchsspieler „unheimlich schwierig“ sei, sofort den Sprung zu den Profis zu schaffen. Deshalb brauche ein Verein „eine sportliche Zwischenstation“. Dabei hat, ungeachtet der unbestrittenen Tatsache, dass manche Spieler in der Entwicklung etwas langsamer sind, die Erfahrung gezeigt, dass von der Hessenliga im Grunde kein Weg mehr in die Bundesliga führt. Dazu Peter Fischer: „Bei uns hat es in den letzten 20 Jahren keiner mehr geschafft, über die U23 noch in die Bundesliga zu kommen.“ Die einzige Ausnahme musste einen Umweg nehmen: Timothy Chandler wechselte vom Riederwald zum Regionalliga-Konkurrenten 1. FC Nürnberg U23 und schaffte beim „Club“ den Sprung in die Bundesliga.

Armin Kraaz, der Leiter des Leistungszentrums am Riederwald, hat immer wieder erklärt, was Sache ist: Die Toptalente der Eintracht rücken seit vielen Jahren entweder direkt zu den Profis auf oder gehen zu anderen Erst- oder Zweitligisten. In der Regional- oder Oberliga wollen sie nicht spielen.

Andersherum würde Dreieich natürlich von Spielern profitieren, die bei der Eintracht ausgebildet wurden und aus der U19-Bundesliga kommen. Zumal, wenn man ihnen suggeriert, dass sie hier eine weitere Chance bekommen, doch noch Profi zu werden.

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