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Hier noch auf Balljagd, später außer Gefecht gesetzt: Gelson Fernandes (Zweiter von rechts) wird der Eintracht erst einmal fehlen.

Eintracht Frankfurt

Probleme in der Zentrale: Das 1:1 gegen Gladbach hilft der Eintracht nicht weiter

Das Unentschieden gegen den Tabellendritten Gladbach ist aller Ehren wert. In der Bundesliga-Tabelle rutscht die Eintracht trotzdem ab.

Frankfurt - Außenamtssprecher Gelson Fernandes hat es dann doch noch irgendwie geschafft, in den Katakomben der Arena Rede und Antwort zu stehen. Der rechte Oberschenkel freilich war mit einer Plastikhülle fest umwickelt, darin kühlendes Eis für den maladen Muskel, das ist die Erstversorgung angeschlagener Fußballprofis nach 90-minütigem Einsatz.

Gelson Fernandes hat kein gutes Gefühl

 Aber Gelson Fernandes, das fleißige Lieschen von Eintracht Frankfurt, hat am Sonntag ja nicht einmal das ganze Bundesligaspiel gegen Borussia Mönchengladbach durchhalten können, nach 78 Minuten hat er aufgeben müssen, nichts ging mehr. „Ich habe kein gutes Gefühl“, sagte er später, ohne einer medizinischen Diagnose vorgreifen zu wollen, aber „ich kenne meinen Körper“.

Kommentar zur Eintracht: Keine einfache Woche

Ein paar Fasern im Muskel dürften zumindest angerissen sein. Das sieht für die nächste Partie am Donnerstag im Rückspiel der Europa League gegen Schachtjor Donezk nicht besonders gut aus. Der frühere Schweizer Nationalspieler, der sich in dieser Saison bei der Eintracht als beeindruckender Bälleklauer fast unersetzlich gemacht hat, wird im Sechzehntelfinale fehlen, muskuläre Probleme wie diese lassen sich nicht auf die Schnelle beheben. Und „einen Wunderheiler, der das in vier Tagen schafft“, habe man auch nicht, bedauert Eintracht-Trainer Adi Hütter.

1:1 war der gerechte Endstand

Es war also wahrlich kein Zufall, dass die Frankfurter den – nicht unverdienten – 1:1-Ausgleich gestern zu einem Zeitpunkt kassierten, als Fernandes schon ausgewechselt war. Denis Zakaria, ohnehin der beste Gladbacher Feldspieler, nutzte eine Lücke im Zentrum der Hessen, um mit einem satten, aber sicher nicht gänzlich unhaltbaren Schuss von der Strafraumgrenze den gerechten Endstand herzustellen (82.). Er nutzte genau diese Lücke, die Gelson Fernandes in den 78 Minuten zuvor stets bravourös gestopft hatte.

Was die ganze Sache für Eintracht Frankfurt noch ein bisschen komplizierter macht, ist die Tatsache, dass auch Sebastian Rode wegen einer nicht näher umschriebenen „Verletzung an der Wade“ gegen Schachtjor Donezk nicht wird spielen können. Damit muss die Eintracht im wichtigsten Spiel des Jahres auf ihre beiden Sechser verzichten. „Unser großes Problem liegt im zentralen Mittelfeld“, musste Hütter konstatieren. „Wir haben nicht alles gut verteidigt, einiges haben wir defensiv vermissen lassen.“ Bis zum Donnerstag wird er sich was einfallen lassen müssen, um die Mitte dicht zu bekommen.

Ein 1:1 gegen eine Top-Mannschaft ist aller Ehren Wert

Einfach wird das nicht. Ein bisschen Honig aber kann Eintracht Frankfurt sicherlich auch aus diesem Sonntagsspiel saugen. Ein 1:1 (1:0) gegen den Tabellendritten der Liga, gegen „eine Top-Mannschaft“, wie Hütter sagte, ist aller Ehren Wert. Erneut haben die Hessen ein Spiel gegen eine Spitzenmannschaft nicht verloren, ohnehin sind sie in diesem Jahr noch ungeschlagen und das bei einem Auftaktprogramm (Bremen, Dortmund, Leipzig Gladbach), das sich allemal sehen lassen konnte. Andererseits, und da hat Hütter wieder Recht, „bringen uns die Unentschieden nicht weiter“. Die Eintracht rutschte nach dem Sieg der Leverkusener am Sonntagnachmittag gegen Fortuna Düsseldorf sogar auf den siebten Tabellenplatz ab. Die Mannschaft tritt nach dem vierten Remis in Folge ein wenig auf der Stelle. Immerhin hat sie die härtesten Brocken der Liga – außer den Bayern – schon hinter sich. Und insgesamt schon drei Punkte mehr aufs Konto geschaufelt als in der Hinrunde. Aber eben in acht Pflichtspielen auch nur einmal gewonnen (3:1 gegen den SC Freiburg)

Das Remis gegen Mönchengladbach war das korrekte Ergebnis eines sehenswerten Spiels. „Wir müssen es so hinnehmen“, fasste Innenverteidiger Martin Hinteregger zusammen, der erstaunliche 88 Prozent seiner Zweikämpfe gewonnen hatte. Die Gladbacher waren vor allem im ersten Abschnitt das bessere Team, Trainer Dieter Hecking wollte sogar „selten ein so gutes Auswärtsspiel“ von seinen Gladbachern gesehen haben, zumindest 30 Minuten lang. Dennoch ging die Eintracht praktisch mit dem Halbzeitpfiff in Führung: Einen Fernschuss von Jonathan de Guzman hatte Rechtsverteidiger Danny da Costa „mit ein bisschen Ping-Pong“ unter Kontrolle bekommen und dann aus kurzer Distanz ins Tor geschossen (45+2). „Dieses Tor“, sagte Fernandes, „hat uns in die Karten gespielt“. Zuvor hatte die Eintracht Glück und einen tüchtigen Kevin Trapp, dass sie nicht in Rückstand geraten war.

Reine Willensleistung

Im zweiten Abschnitt hatten die Frankfurter die Begegnung besser in den Griff bekommen, klare Torchancen aber hatten sie nicht, einmal schoss Ante Rebic, der viel wollte, aber wenig erreichte, am Tor vorbei. Kurz vor Ultimo kam dann auch noch Goncalo Pacienca, der lange wegen einer Meniskus-OP fehlte, zu seinem Bundesligadebüt. Der Gladbacher Ausgleich fiel dennoch „aus dem Nichts“, wie Hinteregger sagte. „Ich hatte nicht das Gefühl, dass Gladbach ein Tor würde schießen können.“ Ganz am Ende freilich hätte Josip Drmic fast noch den Siegtreffer für die Gäste erzielt.

Dass es für die Eintracht nicht zu einem Sieg gereicht hat, „der uns gut getan hätte“ (Hütter), hatte natürlich auch mit der Belastung in dieser Woche zu tun gehabt. Die Reisestrapazen von der Tour in die Ukraine waren nicht ohne gewesen, der Temperaturunterschied von bald 20 Grad nicht zu unterschätzen, zum Schluss habe man „dem Tribut zollen müssen“, sagte Hütter. Auch wenn man die Doppelbelastung „sehr gerne“ auf sich nehme, so färbe sie dennoch auf die Qualität des Spiel ab. Immerhin haben Mentalität und Einstellung gestimmt. Bis zum Ende haben die Gastgeber versucht, die Partie zu gewinnen, auch wenn vieles reine Willensleistung war. Deswegen ist da Costa für Donnerstag nicht bange: „Jeder von uns ist extrem heiß darauf, dass wir weiterkommen.“ Notfalls auch ohne Außenamtssprecher Fernandes.

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